Ökostrom wird besser gefördert - Streit über
Windenergie
Ökostrom soll künftig in Deutschland
noch wirkungsvoller als bisher gefördert werden.
Berlin (dpa) - Der Bundestag beschloss am Freitag mit den Stimmen
der rot-grünen Koalition eine umfassende Novelle des Gesetzes
über erneuerbare Energien. Damit soll der Anteil der Energie
aus Wind und Wasser, Sonne, Biomasse und Erdwärme bis 2010
auf 12,5 Prozent verdoppelt und bis 2020 auf 20 Prozent ausgebaut
werden. Stärker als bisher werden Windanlagen auf See gefördert
sowie Bioenergie und Erdwärme.
CDU/CSU und FDP stimmten gegen die Novelle. Sie wollen insbesondere
die Förderung der Windenergie stärker begrenzen. Die
Union forderte ein Auslaufen der Förderung bis 2007. In der
Debatte kam es zu einem heftigen Streit zwischen Regierung und
Opposition. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
und der Umweltpolitiker der CDU/CSU, Peter Paziorek, warfen sich
gegenseitig vor, aus ideologischen Gründen jede Gemeinsamkeit
im Umwelt- und Klimaschutz zu zerstören.
Trittin wies zuvor Vorwürfe einer staatlichen Belastung
der Strompreise zurück. Eine dreiköpfige Familie zahle
im Durchschnitt 50 Euro im Monat für Strom, davon gehe nur
ein Euro in der Förderung der erneuerbaren Energien. Zugleich
hätten 120 000 Menschen Arbeit gefunden in dieser Branche,
in den letzten Jahren allein 50 000. «Umweltschutz und Wettbewerbsfähigkeit
gehen bestens zusammen.»
Nach Angaben der Elektrizitätswirtschaft betrugen die Gesamtkosten
des in die Netze eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien
2003 etwa 2,6 Milliarden Euro. Die Stromversorger müssen
den Ökostrom zu festen Preisen abnehmen. Weil dieser über
dem Marktpreis liegt, geben sie die Zusatzkosten an die Verbraucher
weiter.
«Offshore»-Windkraft wird stärker
gefördert
Im Bereich Windkraft werden «Offshore»-Anlagen im
Meer künftig stärker gefördert. Die Vergütung
von 9,1 Cent pro Kilowattstunde soll mindestens 12 Jahre gelten.
Im Gegenzug sinken die Subventionen für Windräder an
Land schneller ab - um 2 Prozentpunkte pro Jahr. Höhere Zuschüsse
gibt es für die Stromerzeugung aus Erdwärme (bis 15
Cent) und Bio-Energien (11,5 Cent). Hier wird ein Bonus für
nachwachsende Rohstoffe eingeführt. Der Deutsche Bauernverband
(DBV) begrüßte deshalb das neue Gesetz. Im Bereich
Wasserkraft sollen neue oder modernisierte Kleinanlagen stärker
gefördert werden. Bei Großanlagen gibt es Geld für
deutliche Verbesserungen bei der Leistung und zu Gunsten der Gewässer-Ökologie.
Michaele Hustedt (Grüne) wies darauf hin, dass die Kosten
für die Windenergie durchschnittlich um 60 Prozent gesunken
seien. Zudem werde es in den nächsten zehn Jahren noch einmal
40 Prozent Kostensenkung geben. Unionsfraktionsvize Horst Seehofer
(CSU) sagte: «Die Wahrheit ist, dass wir in Deutschland
mittlerweile 40 Prozent unseres Strompreises staatlich veranlasst
haben.» Die FDP- abgeordnete Angelika Brunkhorst kritisierte,
dass weiter ertragsschwache Standorte für Windräder
gefördert würden. «Windarmut wird wahrscheinlich
durch Mammut-Mühlen kompensiert», sagte sie.
|