Weiter Streit um Klimaschutz - NRW-SPD macht zum Parteitag Druck
Im rot-grünen Streit um den Klimaschutz
und den geplanten Kohlendioxid-Emissionshandel kündigt sich
eine weitere Verschärfung an.
Berlin (dpa) - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD)
erhielt in der Auseinandersetzung mit Umweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) am Freitag weitere Rückendeckung der
SPD von Rhein und Ruhr. Am Rande des SPD-Parteitags an diesem
Wochenende in Berlin werde es «zur Sache gehen», sagte
der Energieexperte der SPD-Fraktion, Reinhard Schultz, der dpa.
«Die Kohle braucht gleiche Chancen wie das Gas.» Falls
Rot-Grün dennoch an einer Koalitionskrise vorbeischlittert,
soll das Kabinett die nötigen Entscheidungen am 31. März
treffen und direkt nach Brüssel melden.
Besorgt äußerten sich die Grünen. «Es
geht darum, dass Rot-Grün gemeinsam nicht beschädigt
wird», sagte die Fraktionsvorsitzende Krista Sager im dpa-Gespräch.
Parteichef Reinhard Bütikofer fügte im Gespräch
mit den «Stuttgarter Nachrichten» (Samstag) hinzu:
«Herr Clement kann doch nicht ernsthaft die Emissionen erhöhen
wollen.» Trotz des Debakels will Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) sich nicht in die festgefahrenen Verhandlungen von Trittin
und Clement einschalten.
Beide Minister wurden jetzt wie Verkehrsminister Manfred Stolpe
für kommenden Mittwoch von den Fraktionsvizes Michael Müller
(SPD) und Reinhard Loske (Grüne) zum Gespräch geladen.
Stolpe hatte im Gespräch mit der «Märkischen Allgemeinen»
(Freitag) sorgenvoll gesagt: «Ich muss aufpassen, dass die
notwendigen Einsparungen (von CO2) nicht auf Verkehr und Haushalte
abgewälzt werden.»
Nachdem am Vortag ein heftiger Briefwechsel zwischen Trittin
und Clement bekannt geworden war, gaben Sprecher der Regierung
im Gegensatz zum Mittwoch die harten Auseinandersetzungen jetzt
zu. «Es macht keinen Sinn, die Dinge unter den Tisch zu
kehren», sagte Clements Sprecherin Andrea Weinert. Mit seinem
Schreiben an den Umweltminister habe Clement die «Gespräche
vorantreiben» wollen. Trittin hatte in seinem Antwort-Brief
gefordert, zu «konstruktiven Gesprächen zurückzukehren».
Trittin schrieb: «Auf der Basis Ihrer Positionen ist eine
Verständigung zum Allokationsplan ausgeschlossen.»
Clement verlangt im Vergleich zu hohen Zertifikatsanreizen für
hocheffiziente Gaskraftwerke großzügigere Regelungen
für Kohlekraftwerke und einen um 20 Millionen Tonnen größeren
CO2-Rahmen für Stahlproduzenten. Insgesamt will er die CO2-Menge
für die Industrie bei mehr als 500 Millionen Tonnen halten,
während Trittin 2005 auf 488 Millionen und 2008 auf 480 Millionen
Tonnen gehen will.
Unmittelbar vor dem SPD-Parteitag meldete sich der Düsseldorfer
Ministerpräsident Peer Steinbrück zu Wort. «Ich
will keine schleichende Deindustrialisierung», sagte er.
Es gebe Anlass zur Sorge, dass das Energieland Nordrhein-Westfalen
durch den Trittin- Plan weit reichende Schäden nehme. Der
SPD-Politiker Schultz sagte, er verstehe, wenn die Grünen
beim Emissionshandel Punkte machen wollten. «Klimaschutz
darf aber nicht die Industriepolitik verdrängen.» Die
SPD müsse aufpassen, dass sie - nach Reformstreitigkeiten
und bei anhaltender Konjunkturflaute - politisch «nicht
weiter einbricht». Es dürfe «keine Kompromisse
auf dem Rücken der Kohle» geben.
Dagegen stellte sich Sager hinter Trittin und forderte Clement
zum Einlenken auf. Mit seiner Ablehnung eines Kompromisses am
Dienstag habe er auch dem Kanzleramt und seinem eigenen Staatssekretär
das Misstrauen ausgesprochen. Clement solle das gute Image der
Regierung beim Klimaschutz nicht aufs Spiel setzen. Wollte die
SPD davon nichts mehr wissen, würde ihr das keinen positiven
Imagewandel bringen.
Die Umweltorganisation WWF forderte in einem dpa vorliegenden
Schreiben an den Bundeskanzler, «das von der EU beschlossene
Instrument des Emissionshandels in Deutschland konsequent und
ohne Abschwächungen umzusetzen».
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