Clement stoppte Klimaschutz-Kompromiss - Grüne empört
Wirtschaftsminister Clement hat einen Kompromiss
zum geplanten Handel mit Klimaschutz-Zertifikaten gestoppt und
so Koalitionskrach mit den Grünen riskiert.
Berlin (dpa) - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD)
hat einen von Staatssekretären vorbereiteten Kompromiss zum
geplanten Handel mit Klimaschutz-Zertifikaten gestoppt und so
Koalitionskrach mit den Grünen riskiert. Forderungen des
kleinen Regierungspartners reichten am Mittwoch bis zur Einberufung
einer Koalitionsrunde. Sprecher der Regierung gaben vor der Bundespressekonferenz
zu, dass man sich noch nicht einig sei. Regierungssprecher Bela
Anda betonte aber nach einer erneuten Sondierungsrunde der seit
langem streitenden Minister Clement und Jürgen Trittin (Umwelt/Grüne)
den festen Willen, bis zum 31. März die «noch offenen
Lücken» in der Sache zu schließen.
Bis zum Monatsende wolle das Kabinett eine Entscheidung über
die Aufteilung von Abgas-Zertifikaten auf die Unternehmen fällen
und diese fristgerecht nach Brüssel melden, sagte Anda. Auch
stellte er klar, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
jetzt nicht an eine Intervention denke. Kanzleramtschef Frank-Walter
Steinmeier leiste hervorragende Arbeit. «Es ist nicht die
Aufgabe des Kanzlers, sich hier einzubringen.» Immerhin
bewege man sich aufeinander zu.
Der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann sprach in der «Welt»
(Donnerstag) von einem «Amoklauf» Clements zu Gunsten
der Kohleindustrie, die energiepolitische Sprecherin der Grünen
forderte in dem Blatt die Einberufung einer Koalitionsrunde, um
eine Zerreißprobe von Rot-Grün zu verhindern. Die Fraktionsvorsitzende
Katrin Göring-Eckardt sagte der dpa: «Das wichtigste
ist, sich sehr schnell zusammen zu setzen, um die Streitigkeiten
beizulegen und Erfolg für den Klimaschutz melden zu können.»
Der Umweltpolitiker Reinhard Loske, einer ihrer Stellvertreter,
erklärte: «Wir sehen mit großer Sorge, dass Wirtschaftsminister
Clement sich offenbar von einer verantwortungsvollen Klimapolitik
verabschieden möchte.»
Clements Sprecherin Andrea Weinert stellte in Abrede, dass sich
die Staatssekretäre für Wirtschaft und Umwelt, Georg
Wilhelm Adamowitsch und Rainer Baake, am Vorabend unter Leitung
von Steinmeier auf einen Kompromiss verständigt hätten.
Sie erklärte, «dass sich weder gestern Abend noch heute
Morgen eine Einigung ergeben hat». Davon könne man
erst sprechen, wenn alle Einzelheiten festliegen.
Dagegen wurde aus gut unterrichteten Koalitionskreisen bestätigt,
dass sich die Runde am Vorabend «weitgehend einig war».
Am Vormittag habe Clement dann diese Kompromissvorschläge
der Staatssekretäre rigide vom Tisch gewischt, obwohl sie
von Steinmeier mitgetragen worden seien.
Danach müssten die energieintensiven Unternehmen in der
ersten Phase des Emissionshandels 2005 bis 2007 ihren Kohlendioxid-Ausstoß
von jetzt 505 Millionen Tonnen auf nur auf 499 Millionen reduzieren.
Trittin hatte einen Abbau auf 488 Millionen Tonnen verlangt. Clement,
so heißt es den Kreisen zufolge, habe selbst dies in Bausch
und Bogen abgelehnt - immer mit dem Argument, die Wirtschaft dürfe
nicht gerade in konjunkturell labiler Situation mit überzogenen
Emissionsabbau- Pflichten belastet werden. Ferner ging es in dem
Kompromiss um Regelungen zur Übertragung von CO2-Abgasverschmutzungsrechten
von alten auf moderne und effiziente Kraftwerksanlagen.
Die Umweltschutzorganisation WWF sprach von einem «skandalösen
Verhalten» von Clement. Deutschland stehe beim Klimaschutz
am Scheideweg, sagte die WWF-Expertin Regine Günther der
dpa. Die FDP- Umweltpolitikerin Birgit Homburger forderte die
Regierung auf, ihr «Chaos zu beenden» und dem Parlament
jetzt Lösungen vorzulegen.
Beim Emissionshandel von 2005 an werden Verschmutzungszertifikate
zunächst kostenlos ausgegeben. Wer seinen damit verbrieften
Rahmen zum Ausstoß von Kohlendioxid nicht ganz ausschöpft,
kann die überschüssigen Papiere an solche Betriebe verkaufen,
die bei großen CO2-Mengen mit ihren Zertifikaten nicht auskommen.
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