Grüne drohen mit Ökosteuer - Klimaschutz-Lösung
nach SPD-Parteitag
Im koalitionsinternen Streit um die Verbesserung
des Klimaschutzes durch den CO2-Emissionshandel haben die Grünen
jetzt erneut die ökologische Steuerreform ins Spiel gebracht.
Berlin (dpa) - «Je weniger im Bereich des Emissionshandels
(mit Kohlendioxid-Zertifikaten) gemacht wird, desto mehr muss
durch Fortsetzung der ökologischen Steuerreform passieren»,
sagte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion,
Reinhard Loske, am Dienstag in einem dpa-Gespräch. Bis zur
Kabinettsentscheidung über die Aufteilung der Emissionsrechte
auf Branchen und Unternehmen sowie zur Meldung nach Brüssel
spätestens am 31. März ist nur noch wenig Zeit.
Nach ihren festgefahrenen Gesprächen über den Emissionshandel
zum Abbau von Kohlendioxid wollen sich Bundesumweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) und dessen Wirtschaftskollege Wolfgang Clement
(SPD) erstmals wieder an diesem Mittwoch am Rande der Kabinettssitzung
austauschen. Das verlautete aus Regierungskreisen. Ein Durchbruch
in der Sache ist dagegen von der SPD erst nach dem Parteitag vorgesehen.
Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Franz Müntefering,
der dann zum Parteichef gekürt werden soll, empfing jetzt
Vertreter von Betriebsräten energieintensiver Branchen, wozu
auch die Chemie-, Glas-, Zement- und Papierindustrie gehören.
Deren Forderung an die SPD, «namens einer Million Beschäftigter
falsche Weichenstellungen» von Umweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) beim Emissionshandel zu verhindern, griff
Müntefering nicht unmittelbar auf.
Vielmehr bekräftigte er, Deutschland müsse im Umweltschutz
weiter machen «auch für unsere Kinder und Kindeskinder».
Dieser stehe nicht im Gegensatz zur Sicherung des Energiestandortes
Deutschland mit einem Mix moderner Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke.
Zu den festgefahrenen Gesprächen von Trittin und Clement
sagte Müntefering: «Sie können sicher sein, dass
der Bundeskanzler veranlasst hat und dafür sorgt, dass die
Verhandlungen zügig vorangetrieben werden.»
Wie in der Koalition verlautete, steht Schröders Unterhändler,
Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier, auf Seite Clements, der
den Unternehmen entsprechend den BDI-Forderungen keine zusätzlichen
Lasten durch Klimaschutz aufbürden will - besonders wegen
der immer noch schwachen Konjunktur. Trittin beruft sich dagegen
auf die Selbstverpflichtung der Industrie zum CO2-Abbau von 45
Millionen Tonnen im Zeitraum 1998 bis 2010. «Es gibt keine
weiteren Belastungen über das hinaus, was die Industrie zugesagt
hatte», sagte Trittins Sprecher Michael Schroeren auf Anfrage.
Zur Fortsetzung der Ökosteuer-Reform, deren Steuersätze
letztmals 2003 erhöht worden waren, sagte Loske, sie müsse
laut Koalitions- Vereinbarung noch 2004 ohnehin auf den Prüfstand.
Dagegen hatte Schröder eine solche Diskussion zuletzt immer
wieder abgelehnt. Erklärungen, den Unternehmen werde das
Wasser durch den Emissionshandel abgegraben, seien heuchlerisch,
so Loske. Jedermann müsse nach den Vorgaben aus Brüssel
klar sein, dass der Verkehr, die Privathaushalte und der Energie-Kleinverbrauch
in der Pflicht sind, wenn die Industrie ihren C02-Abbaurahmen
insgesamt nicht erbringe, «Man muss das klar sehen. Das
ist ein System kommunizierender Röhren.» Zur Durchsetzung
käme dann die Ökosteuer in Frage.
Weiter erklärte der Grünen-Sprecher: «Ich appelliere
an beide Minister, dass sie sich zusammen raufen zu einer Lösung,
die dem Technologiestandort gerecht wird und unsere Vorreiterrolle
im Klimaschutz glaubwürdig unterstreicht.» Die Industrie
sollte sich auf ihre Innovationsstärken besinnen und nicht
dem Blockadekurs des Bundesverbandes der Deutschen Industrie folgen.
Beim Emissionshandel von 2005 an werden Verschmutzungszertifikate
zunächst kostenlos ausgegeben. Wer seinen damit verbrieften
Rahmen zum Ausstoß von Kohlendioxid nicht ganz ausschöpft,
kann die überschüssigen Papiere an solche Betriebe verkaufen,
die bei großen CO2-Mengen mit ihren Zertifikaten nicht auskommen.
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