Weltbank: Agrarsubventionen versperren Kaffeebauern Weg aus
Krise
Die sinkenden Rohstoffpreise für Kaffee
treiben einer Studie der Weltbank zufolge immer mehr Kaffeebauern
in die Misere.
Washington (dpa) - Die anhaltend hohen Agrarsubventionen in
reichen Ländern versperren vielen von ihnen den Ausweg, sich
mit dem Anbau anderer Pflanzen über Wasser zu halten, heißt
es in dem Bericht, der am Donnerstag (Ortszeit) in Washington
veröffentlicht wurde.
Die Kaffeepreise sind nach Angaben der Weltbank real so tief
wie seit 100 Jahren nicht mehr. Der Abwärtstrend sei zwar
seit Jahrzehnten zu beobachten. Zum einen sei das Angebot mit
dem Produktionsausbau in den wichtigsten Kaffee-Ländern -
Brasilien, Vietnam und Kolumbien - größer als die Nachfrage.
Im vergangenen Jahr wurde weltweit so viel Kaffe produziert wie
nie zuvor: 124 Millionen 60-Kilogramm-Säcke. Abgenommen werden
aber nur rund 115 Millionen Säcke.
Doch ist der Kaffeemarkt laut Weltbank-Studie nicht nur vom
allgemeinen Verfall der Rohstoffpreise betroffen, sondern auch
von strukturellen Marktveränderungen. In den vergangenen
Jahren haben sich im Markt Großhändler, Großröster
und Großabnehmer etabliert, die die Preise nach unten drücken.
Durch den Preisverfall haben die rund 20 Millionen Kaffeebauern
weltweit im vergangenen Jahr 4,5 Milliarden Dollar Einkommen verloren.
Das Patentrezept, Bauern bei einem Überangebot am Markt den
Anbau anderer Pflanzen für den Export zu raten, sei wegen
der hohen Agrarsubventionen in den reichen Ländern hinfällig.
«Mexikanische Bauern produzieren viel billiger Mais als
US-Bauern,» sagte der Weltbankdirektor für Agrarentwicklung,
Kevin Cleaver. «Doch wird der mexikanische Markt mit US-Mais
überschwemmt, weil die USA den Anbau massiv subventionieren.»
Die Weltbank rät den Kaffeebauern, sich besser zu organisieren,
um als Verhandlungspartner der Abnehmer größere Marktmacht
zu demonstrieren. Sie sollten zudem Wege zur Veredelung der Bohnen
finden, um hochwertigere Produkte exportieren zu können und
teurere Spezialsorten wie Biokaffee anbauen. Die Weltbank und
andere Geldgeber würden dabei technische Hilfe leisten. Gleichzeitig
müsse mehr in die Infrastruktur in den Agrarregionen investiert
werden.
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