Rahmengesetz zum CO2-Emissionshandel - Trittin/Clement unter
Druck
Der Bundestag hat mit den Stimmen der rot-grünen
Mehrheit das Gesetz zum Handel mit Treibhausgas-Emissionen verabschiedet.
Berlin (dpa) - Auf dem Weg zum umstrittenen Emissionshandel
mit Klimaschutz-Zertifikaten hat der Bundestag am Freitag mit
den Stimmen der rot-grünen Mehrheit das Rahmengesetz für
Treibhausgas-Emissionen verabschiedet. Für den Handel mit
solchen Papieren zur Minderung des gefährlichen Kohlendioxids
entscheidend ist allerdings die noch offene Aufteilung der CO2-Minderungsmengen
- insbesondere bei energieintensiven Betrieben.
Mit einem solchen Allokationsplan, der bis zum 31. März
vom Kabinett entschieden und an die EU nach Brüssel gemeldet
sein muss, ist die Bundesregierung im Verzug. Noch streiten die
Minister für Umwelt und Wirtschaft, Jürgen Trittin (Grüne)
und Wolfgang Clement (SPD) darüber. Man wolle den von der
EU-Kommission gesetzten Termin einhalten, sagten die Sprecher
beider Minister. Ein zunächst geplantes weiteres Treffen
an diesem Freitag war nach bisher drei ergebnislosen Runden gescheitert.
Experten erwarten ein nächstes Gespräch spätestens
im Laufe der kommenden Woche.
Trittin forderte die Industrie indessen auf, dem Start des Zertifikations-Handels
nicht länger im Weg zu stehen. «Der Emissionshandel
entlastet die Kostenstruktur der deutschen Unternehmen. Im Vergleich
zur Selbstverpflichtung ist er in der Lage, bis zu 500 Millionen
Euro jährlich einzusparen», sagte der Minister im Gespräch
mit der «Financial Times Deutschland» (Freitag).
Die Emissionsrechte werden in den ersten beiden Perioden 2005
bis 2007 und 2008 bis 2012 kostenlos an die Unternehmen ausgegeben.
Die Gesamtmenge der Zertifikate wird aus Selbstverpflichtungen
und Vereinbarungen mit der Wirtschaft abgeleitet. Dies bedeutet
nach Angaben des Umweltministeriums im Zeitraum 1998 bis 2010
eine Minderung der CO2-Emissionen um 45 Millionen auf 463 Millionen
Tonnen.
Die CDU/CSU-Fraktion lehnte das Emissionshandels-Gesetz wegen
«dirigistischer Eingriffe» der Regierung in die marktwirtschaftliche
Verteilung ab. Die FDP enthielt sich der Stimmabgabe. Von den
Unternehmen wird eine Modernisierung veralteter Kraftwerksanlagen
erwartet. Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Brigitte
Homburger, kritisierte, dass Trittin und Clement ihr Treffen aufgeschoben
hätten. Die Entscheidung brauche Zeit. «Und da erwarte
ich, dass die Minister endlich zu einer Einigung kommen. (...)
Sonst werden sie dem Klimaschutz großen Schaden zufügen.»
Zuversichtlich äußerte sich dagegen der umweltpolitische
Sprecher der Grünen, Reinhard Loske. Mit dem jetzigen Gesetz
werde ein erster Schritt für den Emissionshandel vollzogen.
«Der zweite Schritt wird in Kürze folgen.» In
der Debatte über das Emissionshandelsgesetz machten sich
beide Seiten jeweils für zu bürokratische Regelungen
und hohe Verwaltungskosten verantwortlich.
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