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Hamburg:
Wasserstoffbus soll Brennstoffzellen
zum Durchbruch verhelfen
Ein Flottentest in Hamburg
und anderen europäischen Großstädten soll dem
Wasserstoffantrieb im Nahverkehr zum Durchbruch verhelfen.
Von Martin Bensley, dpa
Hamburg (dpa) - Der saubere Stadtbus
der Zukunft kommt leise daher. Nur eine weiße Dampffahne
aus einem Rohr am Dach verrät, was er wirklich draufhat.
Das ist wörtlich zu nehmen, denn oben auf diesem Hoffnungsträger
des städtischen Nahverkehrs sitzt die teure Technik: Wasserstoff-Drucktank,
Brennstoffzellen und Spezialelektronik. Der Bus wird umweltfreundlich
von Wasserstoff angetrieben und ist weltweit einer der modernsten
seiner Art.
Seit einigen Monaten fahren insgesamt
sechs Exemplare davon durch Hamburg und Stuttgart. Bisher gab
es aber nur einen von Experten sorgfältig überwachten
Probebetrieb. Nun steht den Brennstoffzellen-Bussen in Hamburg
eine harte Prüfung bevor. Auf der stark frequentierten Linie
6 zur Hafencity muss sich die teure Technik im Alltag bewähren.
Bereits seit Jahren liebäugeln Ingenieure in Europa und den
USA mit der Brennstoffzelle. Nun soll dieser Flottentest von Ende
März an dem Wasserstoffantrieb im Nahverkehr zum Durchbruch
verhelfen.
© Hochbahn/HEW
Wasserstoffbus
vor der Tankstelle: Die Brennstoffzellen der Busse wandeln
den getankten Wasserstoff in Strom zum Antrieb für
die Elektromotoren um.
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Für Diplomingenieur Wolfgang
Marahrens von der Hamburger Hochbahn kann es nicht schnell genug
gehen. Die Busse sind so gut gefahren, dass er sie bereits zu
Weihnachten 2003 im Liniendienst einsetzen wollte. «Es ist
prima gelaufen, und wir werden mutiger», sagte Marahrens,
der fest an eine Zukunft mit Wasserstoff-Bussen glaubt. «Hier
ist eine Vision, ein richtiges Zukunftsprojekt - wir müssen
jetzt forschen, damit wir die Alternative haben zu entscheiden,
sonst ist die Wasserstofflösung in 10 bis 15 Jahren nicht
griffbereit.»
Zusätzlich zum regulären
Betrieb verkehren drei der Wasserstoffbusse bereits auf einer
Linie im Norden der Hansestadt - im Rahmen des europaweiten Förderprogramms
CUTE (Clean Urban Transport for Europe). Zehn Städte, unter
anderem Stuttgart, London, Reykjavik und Barcelona, sammeln zurzeit
Erfahrungen mit den Fahrzeugen. In Hamburg sind bisher etwa 12
000 Fahrgäste befördert worden. Rund 14 Prozent der
Fahrten sind ausgefallen, aber nur zur Hälfte davon wegen
technischer Probleme.
Als Energieträger bietet
Wasserstoff viele Vorteile. Bei der Verbrennung entstehen keine
schädlichen Abgase. Er kann aus Wasser erzeugt werden und
ist damit nahezu unbegrenzt verfügbar. Für die Ökobilanz
ist allerdings entscheidend, auf welche Weise er erzeugt wird.
Auf diesen Punkt ist die Hamburger Hochbahn besonders stolz. Einzig
die Busse in der Hansestadt werden mit Wasserstoff betankt, der
ausschließlich aus regenerativen Quellen wie Sonnen- und
Windenergie gewonnen wird. In Stuttgart wird der Wasserstoff aus
Erdgas erzeugt.
Das Prinzip des Antriebs ist
auch denkbar einfach. In der Brennstoffzelle auf dem Busdach wird
aus dem Wasserstoff Strom gewonnen, der den 200 Kilowatt starken
Elektromotor des Fahrzeugs beliefert. Die einzige Emission dabei
ist Wasserdampf.
Die Bürgerresonanz auf den
Wasserstoffbus ist in Hamburg bisher positiv. «Ich finde
ihn ganz toll und bin extra ein paar Mal damit gefahren,»
sagt Fahrgast Ingrid Scholl. «Ich habe den Zettel der Hochbahn
in der ganzen Nachbarschaft verteilt, damit die Leute wissen,
dass dieser Bus bei uns längs fährt.»
Dass ein Mercedes Citaro Brennstoffzellenbus
1,25 Millionen Euro kostet, sieht man ihm auf den ersten Blick
nicht an. Am Gefährt fällt zunächst nur der hohe
Dachaufbau auf. Unterwegs fährt der Bus fast ohne zu ruckeln
und gibt sich so leise, dass man das Quietschen der Federung vernimmt.
Für die Fahrgäste gibt es ein Faltblatt über das
Projekt zu lesen, ein Monitor im Bus erklärt den Feldversuch.
«Es sind natürlich
Forschungsbusse», sagt Stefan Scheeff vom Hersteller, der
Daimler-Chrysler Tochter Evobus: «Es ist wie mit einem Kleinkind.
Am Anfang braucht man einen hohen Betreuungsaufwand. Sinn und
Zweck des Projekts ist es, Erfahrungen zu sammeln und diese auszuwerten.»
Für Prof. Angelika Heinzel
vom Zentrum für Brennstoffzellen- Technik (ZBT) an der Universität
Duisburg-Essen ist es wichtig, solche «Schubladenlösungen»
zu haben. «Irgendwann mal werden wir sie brauchen, aber
wie schnell, das wissen wir nicht.» Die fossilen Energiereserven
der Erde, wie Öl und Erdgas, seien noch groß, aber
keiner könne genau sagen, wie lange sie noch reichen.
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