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- 05.02.2004 -

 

 

 

 

 



 

Trittin gegen Clement und Industrie: Zeitdruck bei Emissionshandel

Das Thema ist sperrig, weckt bei Insidern aber stürmische Leidenschaften: Emissionshandel, Verschmutzungsrechte, Kohlendioxid, Klimaschutz. Wer vermutet, dass es nicht nur darum, sondern auch um viel Geld geht, liegt richtig.

Von Thomas Lanig, dpa

Berlin (dpa) - Derzeit schlagen die Emotionen über die Emissionen besonders hoch, Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sind auf Konfrontationskurs. In Zeiten rot-grüner Verstimmung ein Stoff, der Sprengkraft bietet.

Das größte Problem: Es ist nur noch bis zum 31. März Zeit. Bis dahin müssen sich Clement und Trittin geeinigt haben, sonst gibt es Ärger mit der Europäischen Union. Die Frist ist in Brüssel gesetzt worden für die Vorlage des «Nationalen Allokationsplans», also für die Zuteilung der Emissionsrechte auf über 2600 Anlagen, die Kohlendioxid ausstoßen: vor allem Kraftwerke, aber auch Stahl- und Aluminiumwerke, Papierfabriken, große Heizanlagen.

Wer bekommt wie viele Zertifikate? Das ist die Millionenfrage. Von 2005 an soll mit den Rechten gehandelt werden. Wer dann schadstoffarm produziert, kann Zertifikate verkaufen, wer mehr Kohlendioxid ausstößt als verabredet, muss zukaufen. «Die billigste Methode, die Ziel des Klimaschutzes zu erreichen, auf die wir uns in Kyoto verpflichtet haben», meint Trittin. Nach seiner Ansicht kann die deutsche Industrie mit dem Instrument bis zu 500 Millionen Euro sparen. Die Wirtschaft fürchtet dagegen Zusatzkosten, Wettbewerbsnachteile, Produktionsengpässe, und droht mit den Gerichten. «Industrie vergiftet das Klima», spotten die Umweltschützer vom WWF.

Stellvertretend proben die Staatssekretäre Rainer Baake (Umwelt) und Georg Wilhelm Adamowitsch (Wirtschaft) schon einmal den Koalitionskrieg. Als Baake in der vergangenen Woche einer Expertenrunde seinen Entwurf für den Allokationsplan vorlegte, verließ Adamowitsch die Sitzung gleich wieder. Er fühlte sich brüskiert, weil er nicht in die Erstellung der Vorlage einbezogen war. «Der Vorwurf geht an der Sache vorbei», heißt es dazu ihm Hause Trittin, «das Vorgehen war klar verabredet».

Die Industrie hofft nun, dass in der Ressortabstimmung zwischen Clement und Trittin eine Lösung gefunden wird, die für sie akzeptabel ist. Kern des Streits ist die so genannte Selbstverpflichtung der Wirtschaft, die im Juni 2002 zugesagt hatte, ihre CO2-Emissionen bis 2010 gegenüber 1998 um 45 Millionen Tonnen zu reduzieren. Daraus errechnet das Umweltministerium, unter Berücksichtigung entlastender Faktoren, als «Deckel» für die Emissionen 2012 eine Summe von 480 Millionen Tonnen CO2. Derzeit sind es 505 Millionen. Das wäre die Basis, auf der die Rechte zugeteilt werden. Das ist der Industrie viel zu wenig. Sie will mindestens 500 Millionen. Kalkuliert man einen künftigen Marktpreis für die Emissionsrechte von 10 Euro pro Tonne, liegen dazwischen immerhin 200 Millionen Euro.

Eine der offenen Fragen in Berlin: Was will Clement? «Das Thema ist Gegenstand von Beratungen», sagt seine Sprecherin dazu lediglich. «Clement will für die Steinkohle so viel wie möglich rausholen», raunen Parlamentarier der Grünen. Und benennen damit ein weiteres Problem: Die Energieversorger sind sich keineswegs einig. Je nach Schwerpunkt ihres Portfolios bei Steinkohle oder Gas, Atomkraft oder Braunkohle haben sie höchst unterschiedliche Interessen.

Am 12. Februar sollen die Staatssekretäre mit den Wirtschaftsvertretern erneut zusammen kommen. Doch es ist nicht zu erkennen, wie die Gespräche aus der Sackgasse heraus kommen sollen. «Das ganze Verfahren ist chaotisch», sagt die FDP-Umweltpolitikerin Birgit Homburger. «Trittin will den Emissionshandel zum Folterinstrument für die Industrie machen.» Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sicherheitshalber erklären lassen, er wolle sich nicht einmischen. Ob ihm das gelingt, ist noch nicht sicher.

 


© ArtToday

Firmen, die Kohlendioxid einsparen, sollen überschüssige Emissionsrechte in Zukunft veräußern können.

 

 Mehr Informationen:

Umweltministerium:
- Emissionshandel

vista verde:
- Emissionshandel

 

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