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- 01.02.2004 -

 

 

 

 

 

 



 

Atomkraft: China plant «großen Sprung» - mit Plutoniumfabrik

Die Energieknappheit ist neben Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung eines der drängendsten Probleme in China. Deswegen soll die Kernenergie einen «großen Sprung» machen.

Von Andreas Landwehr, dpa

Peking (dpa) - China braucht Energie. In der Werkstatt der globalisierten Welt, die von Turnschuhen bis Fernsehern alles herstellt, rasen die Stromzähler. Der Wohlstand des Milliardenvolkes steigt. Immer häufiger passiert es, dass nichts mehr aus der Steckdose kommt oder Unternehmen ihre Produktion vorübergehend einstellen müssen. Zwei Drittel der Elektrizität liefert Kohle und schwängert die Luft mit Schwefel und anderen Schadstoffen. Die Energieknappheit ist neben Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung eines der drängendsten Probleme. Alles ist eng verknüpft - und nichts ist wichtiger für die Stabilität als schnelles Wirtschaftswachstum, das bis 2020 mit jährlich sieben oder acht Prozent ausreichend Arbeit schaffen muss.

Deswegen soll die Kernenergie einen «großen Sprung» machen. Die Hanauer Plutoniumfabrik könnte die Lücke für einen geschlossenen Brennstoffkreislauf schließen, hoffen Chinas Atomplaner. Angesichts der Kritiker in Deutschland, die eine militärische Verwendung fürchten, ging die sonst schweigsame staatliche China National Nuclear Corporation (CNNC) in die Offensive. Meist weist die oberste Atomagentur alle Fragen mit «kein Kommentar» ab. Aber da das Geschäft platzen könnte, ist jetzt Transparenz angesagt, wie aus Erläuterungen auf Fragen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erkennbar wird.

Dass China eine militärische Verwendung der Hanauer Anlage ausschließt, ist nicht neu. Als Atomwaffenstaat unterwirft es sich wie die USA oder Russland zudem internationalen Verpflichtungen. Doch enthüllte die Atomagentur die Strategie für einen massiven Ausbau der Kernkraft: «Um das Bruttoinlandsprodukt wie geplant bis 2020 zu verdoppeln, muss der Ausbau der Stromerzeugung eine vergleichbare Entwicklung nehmen.» Die Brennelementefabrik ist dafür mit 50 Millionen Euro billig zu haben. Aus alten Brennelementen soll neuer Brennstoff gewonnen werden, um Uran effektiver zu nutzen und Atommüll zu reduzieren. «Das ist ein langfristiges Vorhaben.» Eine experimentelle, dafür nötige Wiederaufbereitungsanlage, sei im Bau, «aber noch nicht in der Lage, Uran und Plutonium zu gewinnen».

Der Anteil der Kernenergie an der Energieproduktion soll von 1,53 (Ende 2002) bis 2020 auf vier Prozent steigen. Die Zahl erscheint auf den ersten Blick klein, bedeutet aber, dass in den nächsten 16 Jahren jährlich der Bau von zwei neuen Reaktorblöcken begonnen werden müsste, errechneten Experten. Heute hat China acht Reaktorblöcke und drei im Bau. Bis 2020 müssten 30 dazu kommen. Dass Länder wie Deutschland längst wieder den Ausstieg planen, irritiert China nicht. «Als sichere, wirtschaftliche und saubere Energie ist die Atomkraft von der Industrie und der Bevölkerung akzeptiert.» China setzt auf Druckwasserreaktoren, baut nahe Peking in Fangshan aber auch einen Schnellen Brüter als Versuchsreaktor, der 2005 fertig sein soll.

Wie wichtig die Lieferung der Plutoniumfabrik für China ist, zeigt die überraschende Ankündigung, sich zusätzlichen internationalen Kontrollen für den Im- und Export von Atomanlagen zu unterwerfen. Unerwartet beantragte China am Montag bei der Atomenergieorganisation (IAEO) in Wien eine Aufnahme in die Gruppe der Atomlieferanten (NSG).

 

 Mehr Informationen:

BMU: Atomkraft

Länderinformation China

vista verde: Atomkraft

 

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