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Atomkraft: China plant «großen
Sprung» - mit Plutoniumfabrik
Die Energieknappheit ist neben
Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung eines der drängendsten
Probleme in China. Deswegen soll die Kernenergie einen «großen
Sprung» machen.
Von Andreas Landwehr, dpa
Peking (dpa) - China braucht
Energie. In der Werkstatt der globalisierten Welt, die von Turnschuhen
bis Fernsehern alles herstellt, rasen die Stromzähler. Der
Wohlstand des Milliardenvolkes steigt. Immer häufiger passiert
es, dass nichts mehr aus der Steckdose kommt oder Unternehmen
ihre Produktion vorübergehend einstellen müssen. Zwei
Drittel der Elektrizität liefert Kohle und schwängert
die Luft mit Schwefel und anderen Schadstoffen. Die Energieknappheit
ist neben Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung eines der drängendsten
Probleme. Alles ist eng verknüpft - und nichts ist wichtiger
für die Stabilität als schnelles Wirtschaftswachstum,
das bis 2020 mit jährlich sieben oder acht Prozent ausreichend
Arbeit schaffen muss.
Deswegen soll die Kernenergie
einen «großen Sprung» machen. Die Hanauer Plutoniumfabrik
könnte die Lücke für einen geschlossenen Brennstoffkreislauf
schließen, hoffen Chinas Atomplaner. Angesichts der Kritiker
in Deutschland, die eine militärische Verwendung fürchten,
ging die sonst schweigsame staatliche China National Nuclear Corporation
(CNNC) in die Offensive. Meist weist die oberste Atomagentur alle
Fragen mit «kein Kommentar» ab. Aber da das Geschäft
platzen könnte, ist jetzt Transparenz angesagt, wie aus Erläuterungen
auf Fragen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erkennbar wird.
Dass China eine militärische
Verwendung der Hanauer Anlage ausschließt, ist nicht neu.
Als Atomwaffenstaat unterwirft es sich wie die USA oder Russland
zudem internationalen Verpflichtungen. Doch enthüllte die
Atomagentur die Strategie für einen massiven Ausbau der Kernkraft:
«Um das Bruttoinlandsprodukt wie geplant bis 2020 zu verdoppeln,
muss der Ausbau der Stromerzeugung eine vergleichbare Entwicklung
nehmen.» Die Brennelementefabrik ist dafür mit 50 Millionen
Euro billig zu haben. Aus alten Brennelementen soll neuer Brennstoff
gewonnen werden, um Uran effektiver zu nutzen und Atommüll
zu reduzieren. «Das ist ein langfristiges Vorhaben.»
Eine experimentelle, dafür nötige Wiederaufbereitungsanlage,
sei im Bau, «aber noch nicht in der Lage, Uran und Plutonium
zu gewinnen».
Der Anteil der Kernenergie an
der Energieproduktion soll von 1,53 (Ende 2002) bis 2020 auf vier
Prozent steigen. Die Zahl erscheint auf den ersten Blick klein,
bedeutet aber, dass in den nächsten 16 Jahren jährlich
der Bau von zwei neuen Reaktorblöcken begonnen werden müsste,
errechneten Experten. Heute hat China acht Reaktorblöcke
und drei im Bau. Bis 2020 müssten 30 dazu kommen. Dass Länder
wie Deutschland längst wieder den Ausstieg planen, irritiert
China nicht. «Als sichere, wirtschaftliche und saubere Energie
ist die Atomkraft von der Industrie und der Bevölkerung akzeptiert.»
China setzt auf Druckwasserreaktoren, baut nahe Peking in Fangshan
aber auch einen Schnellen Brüter als Versuchsreaktor, der
2005 fertig sein soll.
Wie wichtig die Lieferung der
Plutoniumfabrik für China ist, zeigt die überraschende
Ankündigung, sich zusätzlichen internationalen Kontrollen
für den Im- und Export von Atomanlagen zu unterwerfen. Unerwartet
beantragte China am Montag bei der Atomenergieorganisation (IAEO)
in Wien eine Aufnahme in die Gruppe der Atomlieferanten (NSG).
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