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- 28.01.2004 -

 

 

 

 

 

 

 



 

EU: Bald mehr genveränderte Lebensmittel zugelassen

Nach einem fünfjährigen Zulassungstopp sollen Europas Verbraucher bald mehr genveränderte Lebensmitteln einkaufen können.

Brüssel (dpa) - Das kündigte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi am Mittwoch in Brüssel an. Die Behörde beschloss gleichzeitig einen Vorschlag an die Mitgliedstaaten, den Verkauf von Früchten einer genveränderten süßen Maissorte zu billigen. Sollten die EU-Staaten binnen drei Monaten keine Mehrheit dagegen bilden, kann die Kommission in eigener Regie die Erlaubnis erteilen.

Derzeit warten Hersteller von etwa 30 genveränderten Pflanzen und Lebensmitteln auf Zulassung ihrer Produkte. Unter den EU-Staaten sind genveränderte Produkte und entsprechendes Saatgut heftig umstritten. Gegner und Befürworter halten sich in etwa die Waage.

Die Kommission legte eine Bestandsaufnahme zum Thema genetisch veränderter Organismen (GVO) vor. «Unsere Rechtsvorschriften stellen sicher, dass in der EU zugelassene GVO sicher für den menschlichen Verzehr und die Freisetzung in die Umwelt sind», erklärte Prodi. «Es ist nur logisch, wenn dieses sichere System auch künftig in der Praxis angewendet wird und die EU die noch ausstehenden Zulassungen zügig bearbeitet.»

Nach dem Vorschlag, die süße Maissorte BT11 der Schweizer Firma Syngenta zuzulassen, will die Kommission im zuständigen Ausschuss die Mitgliedstaaten schon im Februar über die Maissorte NK603 der Firma Monsanto abstimmen lassen.

Die Staaten haben nun drei Monate Zeit, über den Vorschlag der Kommission zur Maissorte BT11 abzustimmen. Ein erster Anlauf im Ausschuss für Lebensmittel mit Experten der EU-Staaten war Anfang vergangenen Dezember wegen der Pattsituation in der Staaten gescheitert. Sechs Länder hatten für eine Zulassung gestimmt: Finnland, Schweden, Irland, Großbritannien, Spanien und die Niederlande. Dagegen waren: Griechenland, Dänemark, Frankreich, Österreich, Luxemburg und Portugal. Deutschland, Italien und Belgien enthielten sich.

Wie aus der Behörde verlautete, haben einige Mitgliedstaaten durchaus Interesse daran, dass die Entscheidung bei der Kommission liegt. «Dann könnten sie den Schwarzen Peter nach Brüssel schieben», hieß es angesichts des großen Misstrauens der Verbraucher in vielen EU-Staaten gegen gentechnisch-veränderte Lebensmittel.

Die Kommission strebt zügige Zulassungsverfahren auch an, um den Handelskonflikt mit den USA über GVO zu entschärfen. Die EU hatte im Oktober 1998 quasi einen Zulassungsstopp verhängt, auch wenn das offiziell nie festgeschrieben worden war. Die USA, weltweit führend beim Anbau genveränderter Pflanzen, hatten im vergangenen Mai dagegen bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf geklagt. Im Juli hatten die EU-Agrarminister dann zwei Gesetze verabschiedet, die den Weg für neue Zulassungen freimachen. Dabei geht es um eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel mit genveränderten Zutaten und eine Rückverfolgung vom Supermarktregal bis zum Feld.

 

 Mehr Informationen:

EU-Kommission

Verbraucherministerium

vista verde: Gentechnik

 

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