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Brasilien: Trittin weckt im Wind-Eldorado
neue Hoffnung
Die Windenergie steckt in Brasilien
in den Kinderschuhen. Doch das soll sich ändern. Und der
Besuch von Umweltminister Trittin soll der Windkraft in Brasilien
neue Impulse verleihen.
Von Emilio Rappold, dpa
Fortaleza/Brasilia (dpa) - Ze
Olavo brauchte Jürgen Trittin von den Vorzügen der Windenergie
nicht erst zu überzeugen. «Ich fühle mich wie
im Himmel», schwärmt der 33-Jährige während
des Besuchs des Bundesumweltministers in der Rotorblatt-Fertigungsanlage
von Wobben Windpower Enercon bei Fortaleza im Nordosten Brasiliens.
Als Kokosnuss-Pflücker und Palmenblatt-Schneider musste Olavo
früher mit 25 Real (etwa acht Euro) im Monat auskommen. Bei
Wobben verdient er seit eineinhalb Jahren als einer von 115 Arbeitern
das Fünfzehnfache. Dem deutschen Gast blickt er mit leuchtenden
Augen nach. «Ich drücke die Daumen, dass dieser Mann
uns zu Wachstum verhilft», sagt er.
Hoffnungen weckte Trittin bei
seinem Besuch am Montag und Dienstag in Ceará, dem ärmsten
Staat im sowieso schon armen Brasilien, nicht nur bei Olavo. Noch
arbeitet Wobben nur für den Export, denn die Windenergie
steckt in Brasilien in den Kinderschuhen. Doch das soll sich ändern.
«Der Minister wird unserer Sache helfen», ist sich
der Wobben-Chef in Fortaleza, Telmo Cardoso, sicher. Jens-Peter
Molly vom Deutschen Windenergie-Institut Dewi ist ebenfalls optimistisch,
dass Trittin der Windenergie in Brasilien neue Impulse verleihen
wird.
Der brasilianische Staat gilt
unter Experten als ein Art Wind- Eldorado, denn in den flachen
Küstenregionen weht ein steter Wind. Das Potenzial der Gesamtleistung
der Windturbinen beträgt in Brasilien laut Molly 140 Gigawatt.
Zum Vergleich: Die gesamte Kraftwerksleistung des Landes liegt
derzeit bei 60 GW. «In Brasilien sind 30 Gigawatt Windenergie
ohne weiteres machbar», meint der Dewi- Chef. Nötig
seien Investitionen von 30 Milliarden Euro. Die Chancen seien
aber «sehr groß». Bislang sind in ganz Brasilien
nur 22 Megawatt Windenenergie-Leistung installiert - 20 MW davon
in Ceará.
Ins Blickfeld der Brasilianer
rückte das Thema nach der schweren Stromkrise Ende 2001,
die zu Rationierung und Fabriken-Stilllegungen führte. Seit
April 2002 gibt es ein Programm zur Förderung alternativer
Energien, Proinfa. Ziel des Projekts ist es, bis 2006 insgesamt
3300 MW Elektrizitätsleistung aus erneuerbaren Energien ans
Netz zu bekommen. Probleme bei der staatlichen Regulierung und
Verzögerungen bei der Veröffentlichung der Tarife bremsten
jedoch bislang neben hohen Zinssätzen die Begeisterung der
Investoren.
Anders als in Deutschland gibt
es in Brasilien keine Initiativen gegen die Nutzung der Windenergie.
Im Gegenteil: Umweltschützer setzen darauf, dass die Windenergie
die beiden seit einigen Jahren blühenden Branchen Tourismus
und Garnelenzucht zurückdrängen wird. Der Tourismus
sei für die serienweise Errichtung von Betonburgen und Ferienorten
verantwortlich, klagt Soraia Vanini von der Gruppe «Terramar».
Dazu seien oft ganze Dörfer vertrieben worden. Außerdem
habe der Sextourismus schlimme Ausmaße angenommen. Die Garnelenzucht
zerstöre wegen des unkorrekten Einsatzes von Chemikalien
die Umwelt «mindestens ebenso wie die Abholzung den Amazonas-Urwald».
Molly hofft derweil, dass Brasiliens
Energieministerin Dilma Rousseff bald die Tarife für die
Windenergie veröffentlichen wird. Trittin versprach beim
Besuch von Wobben, er werde sich bei seinen Gesprächen in
Brasilia für die Windenergie stark machen.
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