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Energie:
Zunehmend kämpfen Bürgerinitiativen
gegen die Windkraft
Deutschland ist Windkraft-Weltmeister.
Aber mit der Zahl der Anlagen wächst auch die Zahl der Bürgerinitiativen
gegen die modernen Windmühlen.
Von Simon Herrmann, dpa
Mainz (dpa) - Dieter Krämer
redet sich in Rage. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Landschaftsschutz
aus Hamm-Sieg (Rheinland-Pfalz) läuft Sturm gegen Windkraftanlagen:
«Sie verschandeln nur die Landschaft und nutzen nichts beim
Klimaschutz!» Die riesigen Windräder sind mittlerweile
zu seinem Spezialgebiet geworden. Akribisch sammelt er Studien
über ihre Leistungsfähigkeit, Berichte über Unfälle
und Stimmen von Betroffenen. «Fast täglich kommen neue
Menschen zu uns, die etwas gegen Anlagen in ihrer Nähe unternehmen
wollen», sagt er.
Die Zunahme von Bürgerinitiativen
gegen die modernen Windmühlen ergibt sich aus der hohen Zahl
der Windkraftanlagen: 14.653 von ihnen bundesweit liefern insgesamt
rechnerisch 13.400 Megawatt Leistung - damit ist Deutschland absolut
gesehen Weltmeister der Windkraft. Ein Großteil dieser Anlagen
steht in Norddeutschland, doch auch im Süden wird der Wind
zunehmend genutzt. Deswegen haben viele Bürger Sorgen, dass
sich auch in ihrer Nähe bald Rotoren drehen und wehren sich.
Ihre Angst ist nach Ansicht von
Krämer berechtigt. Rotorflügel seien schon von drehenden
Windrädern abgebrochen und wie Geschosse durch die Luft geflogen,
sagt er. Im Winter könnten Regen und Schnee auf den Rotorblättern
zu Eisbrocken gefrieren, die laut Krämer bis zu 300 Meter
weit weggeschleudert werden. «Hier werden Verletzungen von
Menschen billigend in Kauf genommen», beklagt der Vorsitzende.
Zusätzlich belästigten Lärm und Schattenwurf der
Anlagen viele Anwohner. Der Wert von Immobilien in deren Nähe
sinke um ein Drittel.
Krämer hält die Windkraftanlagen
zudem für ökologischen Unsinn. Sie würden pro Jahr
eine Million Vögel töten und hätten keinen Energie-Vorteil.
Normale Kohlekraftwerke müssten in Bereitschaft bleiben,
um bei Flaute einzuspringen. «Das ist ein einziges Nullsummenspiel.»
Ralf Bischof vom Bundesverband
Windenergie (Osnabrück) widerspricht nicht nur dieser These.
Unerwartete Ausfälle seien wegen genauer Windvorhersagen
selten, der Mehrverbrauch der Bereitschaftskraftwerke gering.
«Das schmälert den Ertrag aus der Windenergie maximal
um wenige Prozentpunkte», erläutert er. Die Windnutzung
lohne sich. Eine einzige moderne Anlage bringe bei gutem Wind
1,5 Megawatt Leistung, womit etwa 1000 Haushalte versorgt werden
könnten. Statistisch beliefe sich die Vollauslastung pro
Jahr und Anlage auf 2000 Stunden.
Das größte Windrad
Deutschlands steht laut Bischof nahe Magdeburg, hat eine Gesamthöhe
von 150 Metern und 112 Meter Rotordurchmesser. Selbst diese riesigen
Rotorblätter seien aber keine erhöhte Gefahr für
Vögel. «Studien haben gezeigt, dass an eine Anlage
nicht mehr oder weniger Vögel fliegen als an ein normales
Hochhaus auch.» Die Gefahr für Menschen sei ebenfalls
gering. Denn die Anlagen müssten aus Lärmschutzgründen
immer etwa 500 Meter von bewohnten Gebieten entfernt sein.
Windkraftanlagen haben laut Bischof
im normalen Betrieb weltweit noch keinen einzigen Todesfall verursacht.
Ein norddeutscher Ingenieur sei bei Wartungsarbeiten ums Leben
gekommen. Dieser Einzelfall spreche aber nicht gegen die hohe
Sicherheit der Anlagen, die Bischof in den Versicherungspolicen
bestätigt sieht: «Eine Windkraftanlage kostet in der
Haftpflichtversicherung weniger als ein gewöhnlicher Dackel.»
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