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- 28.10.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Energie:

Zunehmend kämpfen Bürgerinitiativen gegen die Windkraft

Deutschland ist Windkraft-Weltmeister. Aber mit der Zahl der Anlagen wächst auch die Zahl der Bürgerinitiativen gegen die modernen Windmühlen.

Von Simon Herrmann, dpa

Mainz (dpa) - Dieter Krämer redet sich in Rage. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Landschaftsschutz aus Hamm-Sieg (Rheinland-Pfalz) läuft Sturm gegen Windkraftanlagen: «Sie verschandeln nur die Landschaft und nutzen nichts beim Klimaschutz!» Die riesigen Windräder sind mittlerweile zu seinem Spezialgebiet geworden. Akribisch sammelt er Studien über ihre Leistungsfähigkeit, Berichte über Unfälle und Stimmen von Betroffenen. «Fast täglich kommen neue Menschen zu uns, die etwas gegen Anlagen in ihrer Nähe unternehmen wollen», sagt er.

Die Zunahme von Bürgerinitiativen gegen die modernen Windmühlen ergibt sich aus der hohen Zahl der Windkraftanlagen: 14.653 von ihnen bundesweit liefern insgesamt rechnerisch 13.400 Megawatt Leistung - damit ist Deutschland absolut gesehen Weltmeister der Windkraft. Ein Großteil dieser Anlagen steht in Norddeutschland, doch auch im Süden wird der Wind zunehmend genutzt. Deswegen haben viele Bürger Sorgen, dass sich auch in ihrer Nähe bald Rotoren drehen und wehren sich.

Ihre Angst ist nach Ansicht von Krämer berechtigt. Rotorflügel seien schon von drehenden Windrädern abgebrochen und wie Geschosse durch die Luft geflogen, sagt er. Im Winter könnten Regen und Schnee auf den Rotorblättern zu Eisbrocken gefrieren, die laut Krämer bis zu 300 Meter weit weggeschleudert werden. «Hier werden Verletzungen von Menschen billigend in Kauf genommen», beklagt der Vorsitzende. Zusätzlich belästigten Lärm und Schattenwurf der Anlagen viele Anwohner. Der Wert von Immobilien in deren Nähe sinke um ein Drittel.

Krämer hält die Windkraftanlagen zudem für ökologischen Unsinn. Sie würden pro Jahr eine Million Vögel töten und hätten keinen Energie-Vorteil. Normale Kohlekraftwerke müssten in Bereitschaft bleiben, um bei Flaute einzuspringen. «Das ist ein einziges Nullsummenspiel.»

Ralf Bischof vom Bundesverband Windenergie (Osnabrück) widerspricht nicht nur dieser These. Unerwartete Ausfälle seien wegen genauer Windvorhersagen selten, der Mehrverbrauch der Bereitschaftskraftwerke gering. «Das schmälert den Ertrag aus der Windenergie maximal um wenige Prozentpunkte», erläutert er. Die Windnutzung lohne sich. Eine einzige moderne Anlage bringe bei gutem Wind 1,5 Megawatt Leistung, womit etwa 1000 Haushalte versorgt werden könnten. Statistisch beliefe sich die Vollauslastung pro Jahr und Anlage auf 2000 Stunden.

Das größte Windrad Deutschlands steht laut Bischof nahe Magdeburg, hat eine Gesamthöhe von 150 Metern und 112 Meter Rotordurchmesser. Selbst diese riesigen Rotorblätter seien aber keine erhöhte Gefahr für Vögel. «Studien haben gezeigt, dass an eine Anlage nicht mehr oder weniger Vögel fliegen als an ein normales Hochhaus auch.» Die Gefahr für Menschen sei ebenfalls gering. Denn die Anlagen müssten aus Lärmschutzgründen immer etwa 500 Meter von bewohnten Gebieten entfernt sein.

Windkraftanlagen haben laut Bischof im normalen Betrieb weltweit noch keinen einzigen Todesfall verursacht. Ein norddeutscher Ingenieur sei bei Wartungsarbeiten ums Leben gekommen. Dieser Einzelfall spreche aber nicht gegen die hohe Sicherheit der Anlagen, die Bischof in den Versicherungspolicen bestätigt sieht: «Eine Windkraftanlage kostet in der Haftpflichtversicherung weniger als ein gewöhnlicher Dackel.»

 


© H.-G. Oed/BMU

Windkraftanlagen: Versicherung für einen Dackel ist teurer.

 

 Mehr Informationen:

Bundesverband Windenergie

Windkraftgegner im Internet

vista verde. Windkraft

 

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