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- 16.10.2003 -

 

 

 

 

 

 



 

EU-Kommission: Chemierichtlinie wird Industrie weniger belasten

Die umstrittene EU-Chemikalienrichtlinie wird nach einer Studie der EU-Kommission die Chemieindustrie weniger belasten als bisher erwartet.

Brüssel (dpa) - Die Branche müsse für die geplanten Tests und die Registrierung von Gefahrenstoffen in den nächsten elf Jahren rund 2,3 Milliarden Euro aufbringen. Das seien 10 Milliarden Euro weniger als zunächst berechnet. So lautet das Ergebnis einer Studie, die die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel präsentierte.

Die Richtlinie werde billiger für die Industrie, weil die Kommission ihren Entwurf deutlich entschärft habe, sagte ein Mitarbeiter der Behörde. Man habe die vorgeschriebene Zahl der Tests reduziert, alle Chemikalien unter einer jährlichen Produktionsmenge von zehn Tonnen ebenso wie Polymere von der Regelung ausgenommen. Ihren endgültigen Vorschlag wird die Kommission am 29. Oktober vorlegen, dann müssen EU-Parlament und Rat noch zustimmen.

Ziel der Kommission ist es, chemische Altstoffe auf ihre Umwelt- und Gesundheitsrisiken zu testen. Die Behörde hatte ihren Entwurf industriefreundlicher gestaltet, nachdem Industrie und Spitzenpolitiker sich massiv in Brüssel beschwert hatten. So hatten Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der französische Staatspräsident Jaques Chirac in einem Brief an die Kommission vor den Folgen für die Industrie gewarnt.

Die Kommission nimmt an, dass ein bis zwei Prozent aller Substanzen aus dem Verkehr gezogen werden müssten. Auf die weiterverarbeitende Industrie können laut Kommissionsstudie bis zu 5,2 Milliarden Euro Kosten zukommen. «Das ist nach wie vor zu viel», kritisierte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Donnerstag. Der Zeitverlust bei der Markteinführung von Produkten werde in der Studie nicht berücksichtigt. Der Verband befürchtet den Verlust von 1,7 Millionen Arbeitsplätzen in Deutschland.

Die Kommission stellte den Kosten für die Industrie einen Nutzen im Gesundheitswesen von rund 50 Milliarden Euro in einem Zeitraum von 30 Jahren gegenüber. Die Registrierung verbessere den Schutz für die Gesundheit der Menschen und werde rund 4.500 Todesfälle pro Jahr vermeiden, hieß es. Der World Wide Life Fund WWF begrüßte das Vorhaben. «Die Tests kosten die Chemieindustrie weniger als 0,04 Prozent ihres jährlichen Umsatzes», erklärten die Umweltschützer. «Dieser Preis ist es wert.»

 


© ArtToday

Chemikalienrichtlinie: Die EU-Kommission rechnet für das Gesundheitswesen mit einem Nutzen von rund 50 Milliarden Euro in einem Zeitraum von 30 Jahren.

 

 Mehr Informationen:

EU-Kommission: Folgenabschätzung zur Chemikalienverordnung

Weißbuch der EU für eine zukünftige Chemikalienpolitik (pdf)

 

 Lesen Sie auch:

Nur grünes Mäntelchen? Chemie-Industrie im Imagewandel

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