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- 01.10.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Pfandpflicht: Rücknahme von Dosen jetzt bundesweit

Auch nach dem Start des bundesweiten Rücknahmesystems für Einwegverpackungen geht der Streit um das Dosenpfand weiter.

Berlin/Brüssel (dpa) - Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) sprach am Mittwoch wegen der Vielzahl der konkurrierenden Systeme von einem «blanken Chaos». Dagegen bescheinigten Umweltschützer der neuen Regelung einen guten Start. «Alle halten sich an die Rücknahmepflicht», sagte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Zunächst kein EU-Verfahren

Die EU-Kommission in Brüssel hat unterdessen die Entscheidung über ein förmliches Prüfverfahren für die deutschen Dosenpfand-Regelung um mindestens drei Wochen vertagt, kündigte aber eine scharfe Beobachtung an. Aufgeschoben sei nicht aufgehoben. «Wir werden die drei Wochen nutzen, um die Lage weiter zu untersuchen», sagte ein Sprecher von Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) begrüßte das Verhalten der Kommission.

Mit dem Ende der neunmonatigen Übergangsregelung müssen Händler, die Dosen oder Plastikflaschen verkaufen, bundesweit gleichartige Verpackungen auch wieder zurücknehmen und das Pfand auszahlen. Ausgenommen von der Regelung sind Geschäfte mit einer Fläche unter 200 Quadratmetern. Diese müssen nur Dosen solcher Marken zurücknehmen, die sie selbst verkaufen.

Kein einheitliches Rücknahmesystem

Bundesweit löste der Start der neuen Dosenpfand-Regeln auf unterschiedliche Reaktionen aus. Beklagt wurde vor allem, dass es nicht gelungen war, ein einheitliches Rücknahmesystem aufzubauen. Stattdessen konkurrieren vier Systeme miteinander. Trittin sagte dazu, die Aufsplittung in verschiedene Systeme sei für die Verbraucher kein Problem. Im ZDF-«Morgenmagazin» sagte er, es gebe 130.000 Stellen, an denen Einweg abgegeben werden könne, und diese seien auch verpflichtet, gegenseitig das Pfandgut zurückzunehmen.

«Die Dose ist tot»

Dagegen sagte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr: «Ab heute wird es kein Stück einfacher, nur unübersichtlicher.» Faktisch liefe das Pfand auf ein Verbot der Dose hinaus. «Die Dose ist tot», sagte Pellengahr der dpa.

«Das System funktioniert erstaunlich gut», betonte dagegen die Deutsche Umwelthilfe. Mehrere hundert Testkäufer waren seit den Morgenstunden in Geschäften, Tankstellen und Kiosken unterwegs. Dabei sei festgestellt worden, dass die gegenseitige Anerkennung der unterschiedlichen Rücknahmesysteme kein Probleme bereite. Einzelne Verkäufer seien allerdings über die vom 1. Oktober an geltende bundesweite Regelung noch verwirrt, sagte Resch.

Bei Aldi bald Bier in Plastikflaschen

Eine dpa-Umfrage bei den führenden Discountern Aldi, Lidl und Plus ergab, dass Wasser und Limonade nur noch in eigene Verpackungen abgefüllt werden. Aldi will zudem bald belgisches Bier in Plastikflaschen verkaufen. Die Tengelmann-Tochter Plus bietet Bier nur noch in braunen PET-Flaschen an. Auch Deutschlands größter Handelskonzern METRO (Real, Cash & Carry, Kaufhof) hat die Dosen zu Gunsten von Mehrweg und pfandfreiem Einweg ausgelistet.

Ohne Dosen und mit eigenen Mehrwegflaschen will zudem die Kölner REWE-Gruppe (Rewe, Minimal, toom, Penny) arbeiten. Die Tengelmann-Ketten Kaiser's und Tengelmann verkaufen bereits seit dem 16. Juli nur noch Mehrweg. «Das wird von unseren Kunden gut angenommen», sagte eine Sprecherin.

Lieferengpässe an Kiosken und Tankstellen

Nach Angaben des Rücknahmeanbieter Lekkerland-Tobaccoland ist es zu Lieferengpässen gekommen. «Einige Industrieunternehmen haben nicht schnell genug reagiert, so dass eine ganze Reihe von Getränkemarken momentan nicht lieferbar ist», sagte eine Lekkerland-Sprecherin in Frechen bei Köln. An den Kiosken und Tankstellen, die das Unternehmen beliefere, seien von rund 240 Produkten nur 140 mit dem neuen Pfandaufdruck erhältlich.

Das Dosenpfand-System des Kölner Logistikunternehmens VfW ist am Mittwoch nach Unternehmensangaben ohne Komplikationen gestartet. «Die Rücknahme funktioniert problemlos, die Pfand-Coupons wurden alle schon in der vergangenen Woche an die Händler ausgeliefert», sagte eine VfW-Sprecherin.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Dosenpfand

vzbv

 

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