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Pfandpflicht: Rücknahme von Dosen
jetzt bundesweit
Auch nach dem Start des bundesweiten
Rücknahmesystems für Einwegverpackungen geht der Streit
um das Dosenpfand weiter.
Berlin/Brüssel (dpa) - Der
Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) sprach am Mittwoch
wegen der Vielzahl der konkurrierenden Systeme von einem «blanken
Chaos». Dagegen bescheinigten Umweltschützer der neuen
Regelung einen guten Start. «Alle halten sich an die Rücknahmepflicht»,
sagte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe,
Jürgen Resch.
Zunächst kein EU-Verfahren
Die EU-Kommission in Brüssel
hat unterdessen die Entscheidung über ein förmliches
Prüfverfahren für die deutschen Dosenpfand-Regelung
um mindestens drei Wochen vertagt, kündigte aber eine scharfe
Beobachtung an. Aufgeschoben sei nicht aufgehoben. «Wir
werden die drei Wochen nutzen, um die Lage weiter zu untersuchen»,
sagte ein Sprecher von Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein.
Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) begrüßte
das Verhalten der Kommission.
Mit dem Ende der neunmonatigen
Übergangsregelung müssen Händler, die Dosen oder
Plastikflaschen verkaufen, bundesweit gleichartige Verpackungen
auch wieder zurücknehmen und das Pfand auszahlen. Ausgenommen
von der Regelung sind Geschäfte mit einer Fläche unter
200 Quadratmetern. Diese müssen nur Dosen solcher Marken
zurücknehmen, die sie selbst verkaufen.
Kein einheitliches Rücknahmesystem
Bundesweit löste der Start
der neuen Dosenpfand-Regeln auf unterschiedliche Reaktionen aus.
Beklagt wurde vor allem, dass es nicht gelungen war, ein einheitliches
Rücknahmesystem aufzubauen. Stattdessen konkurrieren vier
Systeme miteinander. Trittin sagte dazu, die Aufsplittung in verschiedene
Systeme sei für die Verbraucher kein Problem. Im ZDF-«Morgenmagazin»
sagte er, es gebe 130.000 Stellen, an denen Einweg abgegeben werden
könne, und diese seien auch verpflichtet, gegenseitig das
Pfandgut zurückzunehmen.
«Die Dose ist tot»
Dagegen sagte der Sprecher des
Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr:
«Ab heute wird es kein Stück einfacher, nur unübersichtlicher.»
Faktisch liefe das Pfand auf ein Verbot der Dose hinaus. «Die
Dose ist tot», sagte Pellengahr der dpa.
«Das System funktioniert
erstaunlich gut», betonte dagegen die Deutsche Umwelthilfe.
Mehrere hundert Testkäufer waren seit den Morgenstunden in
Geschäften, Tankstellen und Kiosken unterwegs. Dabei sei
festgestellt worden, dass die gegenseitige Anerkennung der unterschiedlichen
Rücknahmesysteme kein Probleme bereite. Einzelne Verkäufer
seien allerdings über die vom 1. Oktober an geltende bundesweite
Regelung noch verwirrt, sagte Resch.
Bei Aldi bald Bier in Plastikflaschen
Eine dpa-Umfrage bei den führenden
Discountern Aldi, Lidl und Plus ergab, dass Wasser und Limonade
nur noch in eigene Verpackungen abgefüllt werden. Aldi will
zudem bald belgisches Bier in Plastikflaschen verkaufen. Die Tengelmann-Tochter
Plus bietet Bier nur noch in braunen PET-Flaschen an. Auch Deutschlands
größter Handelskonzern METRO (Real, Cash & Carry,
Kaufhof) hat die Dosen zu Gunsten von Mehrweg und pfandfreiem
Einweg ausgelistet.
Ohne Dosen und mit eigenen Mehrwegflaschen
will zudem die Kölner REWE-Gruppe (Rewe, Minimal, toom, Penny)
arbeiten. Die Tengelmann-Ketten Kaiser's und Tengelmann verkaufen
bereits seit dem 16. Juli nur noch Mehrweg. «Das wird von
unseren Kunden gut angenommen», sagte eine Sprecherin.
Lieferengpässe an Kiosken
und Tankstellen
Nach Angaben des Rücknahmeanbieter
Lekkerland-Tobaccoland ist es zu Lieferengpässen gekommen.
«Einige Industrieunternehmen haben nicht schnell genug reagiert,
so dass eine ganze Reihe von Getränkemarken momentan nicht
lieferbar ist», sagte eine Lekkerland-Sprecherin in Frechen
bei Köln. An den Kiosken und Tankstellen, die das Unternehmen
beliefere, seien von rund 240 Produkten nur 140 mit dem neuen
Pfandaufdruck erhältlich.
Das Dosenpfand-System des Kölner
Logistikunternehmens VfW ist am Mittwoch nach Unternehmensangaben
ohne Komplikationen gestartet. «Die Rücknahme funktioniert
problemlos, die Pfand-Coupons wurden alle schon in der vergangenen
Woche an die Händler ausgeliefert», sagte eine VfW-Sprecherin.
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