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- 19.09.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Spitzengespräch beim Kanzler: Streit um Energiepolitik entschärft

Der seit Wochen anhaltende Streit um die künftige Energiepolitik ist in einem Spitzengespräch beim Bundeskanzler weitgehend entschärft worden.

Berlin (dpa) - Regierung und Industrie einigten sich nach Angaben von Regierungssprecher Béla Anda über die Grundzüge des von 2005 an geplanten Handels mit Emissionsrechten. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) äußerten sich am Freitag zufrieden über den Verlauf des «Energiegipfels» am Vorabend im Kanzleramt.

Zwischen Regierung, Stromwirtschaft und energieintensiven Branchen bestehe Einigkeit über die Eckpunkte des zum 31. März 2004 in Brüssel vorzulegenden Zuteilungsplans für den Emissionshandel, sagte Anda. Der Plan müsse «wirtschaftverträglich und im Rahmen der bereits bestehenden Selbstverpflichtungen» sein. Der Emissionshandel soll den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase verringern. Umweltschonende Produktion wird begünstigt, starker Schadstoffausstoß belastet.

Die Zuteilung der Zertifikate müsse der «Notwendigkeit eines breiten Energiemixes Rechnung tragen», sagte Anda. Industrieanlagen sollen kostenlose Emissionsrechte erhalten. Dazu gehörten auch Neubauten als Ersatz für Kernkraftwerke. Frühere Investitionen, die so genannten «early actions», sollen angemessen berücksichtigt werden. Am 25. September werde eine hochrangige Arbeitsgruppe unter Leitung der Staatssekretäre im Umwelt- und Wirtschaftsministerium Details besprechen.

An dem Gespräch bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nahmen neben den Ministern Wolfgang Clement (Wirtschaft) und Jürgen Trittin (Umwelt) auch die Vorstandschefs von EnBW, RWE, E.ON und Vattenfall, die Gewerkschaftsvorsitzenden Hubertus Schmoldt (IG BCE) und Frank Bsirske (ver.di) sowie Vertreter energieintensiver Branchen teil.

Die Industrie sieht nach dem Treffen einerseits positive Signale aus der Politik, andererseits aber weitere Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland. «Die Stimmung war gut, aber die unterschiedlichen Interessen sind deutlich geworden», sagte Werner Marnette, der Vorsitzende des Energieausschusses des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), am Freitag der dpa. So seien weitere Belastungen durch teurere Energie für die Industrie nicht auszuschließen. Das werde auszufechten sein.

Trittin forderte nach dem Gespräch gemeinsame Anstrengungen von allen Teilen der Gesellschaft für das Erreichen der Klimaziele. Alle müssen mitmachen», sagte er in einem dpa-Gespräch. Das gelte nicht nur für die Industrie, sondern auch für den Verkehr und die privaten Haushalte. Die Bundesrepublik hat sich verpflichtet, Klima gefährdende Treibhausgase bis 2012 um 21 Prozent verglichen mit 1990 zu reduzieren.

Nach wochenlangem Dissens haben Trittin und Clement ihre Positionen angenähert. Es gebe «keinen gewaltigen» Streit um die Zukunft der Energiepolitik, sagte Trittin. Auch Clement sei «nicht unzufrieden», meinte eine Sprecherin des Ministerium. Alle Seiten hätten deutlich gemacht, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht leiden dürfe. Das Thema Windkraft war allerdings nur am Rande behandelt worden. Der Bundesverband WindEnergie fürchtet wegen des geplanten Emissionshandels um die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) begrüßte die Energierunde als «konstruktiven Dialog zwischen Politik und Wirtschaft». Ziel des Bundeskanzlers sei es gewesen, «mögliche Vorurteile abzubauen sowie ideologiefrei und pragmatisch Standpunkte auszutauschen», sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller, einer der Teilnehmer des Gesprächs. Für die Stromwirtschaft sei besonders wichtig, dass die Emissionszertifikate kostenfrei und bedarfsgerecht zugeteilt werden sollen. Die Leipziger Strombörse EEX will sich als Handelsplatz für den künftigen Emissionshandel anbieten.

 

 Mehr Informationen:

Umweltministerium

Wirtschaftsministerium

vista verde: Emissionshandel

 

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