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- 12.09.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Trittin: Dosenpfand wird einfacher - Handel widerspricht

Das Dosenpfand wird nach dem Willen von Umweltminister Trittin vom 1. Oktober an einfacher und verbraucherfreundlicher.

Berlin (dpa) - Jeder Käufer habe dann das Recht, Dosen und andere pfandpflichtige Verpackungen überall dort zurückzugeben, wo solche Einweg-Verpackungen verkauft werden. «Wer Einweg verkauft, muss auch Einweg zurücknehmen», sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) am Freitag vor der Presse in Berlin.

Diese Darstellung wies der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) umgehend zurück. Trittins «Kartenhaus bewusst falscher Behauptungen» werde am 1. Oktober zusammenbrechen, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Es werde für den Verbraucher keineswegs einfacher.

Trittin sagte, voraussichtlich bis zum 1. Oktober würden zwei oder drei bundesweite Rücknahmesysteme zur Verfügung stehen. Diese müssten aber untereinander kompatibel sein, forderte er. «Alles andere wäre eine Zumutung für den Verbraucher.»

Er bedauerte, dass der Handel seine Zusage vom Dezember 2002 nicht eingehalten habe, ein flächendeckendes Rücknahmesystem aufzubauen. In der Zwischenzeit habe der Handel 400 Millionen Euro Pfandeinnahmen «abgezockt». Er gehe aber davon aus, dass die jetzt zur Verfügung stehenden «Insellösungen» unter dem Druck des Marktes zusammenwachsen würden. Bereits jetzt sei durch die Einführung des Dosenpfandes die Mehrwegquote um neun Prozentpunkte auf fast 59,2 Prozent gestiegen.

Trittin nannte es «nicht nachvollziehbar», dass die unionsgeführten Bundesländer die Novelle zur Verpackungsverordnung verzögerten. Damit sollte die Pfandpflicht «begrenzt und vereinfacht» werden. Nun bleibe es bei absurden Regelungen wie denen, dass Cola mit Schnaps pfandfrei, Cola ohne pfandpflichtig sei, Mineralwasser ohne Kohlensäure kein Pfand koste, solches mit Sprudel aber doch. Mittelfristig würde dies auch zur Pfandpflicht auf Kartons und Weinflaschen führen, sagte Trittin.

Der Minister zitierte eine Untersuchung der Freien Universität Berlion, wonach seit Einführung des Dosenpfandes zum 1. Januar 14.000 Arbeitsplätze entstanden seien. Er widersprach damit einer vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Prognos-Studie, wonach das Pfand fast 10.000 Arbeitsplätze vernichtet habe. Die Prognos- Studie habe erhebliche methodische Mängel und sei «aus gutem Grund nicht veröffentlicht worden».

Nach Erklärungen der CDU/CSU hat das Prognos-Gutachten dagegen deutlich gemacht, dass das Einweg-Pfand weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll sei. Trittin solle seinen «Kurs der Rechthaberei» endlich verlassen, sagte der Unions-Umweltexperte Peter Paziorek.

Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) befürchtet bei einer Ausweitung des Dosenpfands einen weiteren Verlust von Arbeitsplätzen. Bisher seien bei den vom Pfand betroffenen Getränkesegmenten bereits rund 11.000 Stellen von Kurzarbeit und Entlassungen betroffen, sagte Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt. Die von Trittin geplante Ausdehnung der Pfandpflicht zum Beispiel auf Fruchtsaft, Milchmischgetränke und Eistee würde die negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt noch verstärken.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Dosenpfand

Wirtschaftsministerium

HDE

 

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