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Windbranche mit Problemen: Schwaches
Geschäft und Gegenwind
Nach stürmischem Aufstieg
geht die Windenergie in Deutschland einer schwierigen Zeit entgegen.
Von Sönke Möhl, dpa
Hamburg (dpa) - Die Geschäfte
mehrerer Hersteller verfehlen die Planungen, und in der Politik
ist Streit um die finanzielle Förderung ausgebrochen. Anwohnerinitiativen
laufen Sturm gegen neue Anlagen. Selbst Umweltverbände klagen
gegen den ersten genehmigten Offshore-Windpark in der Nordsee.
Den Stein der aktuellen Diskussion
brachte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ins Rollen:
Er monierte, dass die Unterstützung der Anlagen über
die Einspeisevergütung bald die Höhe der Steinkohlesubventionen
erreiche. Clement hat die Unterstützung von Politikern auch
anderer Parteien und steht im Konflikt mit Umweltminister Jürgen
Trittin (Grüne), der im Entwurf für eine Novelle des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) allerdings langfristig ebenfalls
die Unterstützungen reduzieren will.

© dpa
Windpark
bei Niebüll in Schleswig-Holstein
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Auf der nach Veranstalterangaben
weltgrößten Windenergiemesse «Husumwind»
in Schleswig-Holstein (23. September) will die Branche wieder
Schwung gewinnen. Mehr als 450 Aussteller werden in Nordfriesland
neue Entwicklungen präsentieren. Im Mittelpunkt des Interesses
dürften Offshore-Anlagen stehen. Die Branche beschäftigt
nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) in Deutschland
rund 45.000 Menschen. Der Gesamtumsatz betrug 2002 mehr als 3,5
Milliarden Euro.
Die 14.300 deutschen Anlagen
mit 12.900 Megawatt installierter Leistung können in einem
Jahr mit durchschnittlichem Wind knapp 25 Milliarden Kilowattstunden
Strom produzieren. Das wären gut 5 Prozent des Stromverbrauchs
in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2003 lag der Ertrag mit 9,85
Milliarden Kilowattstunden jedoch deutlich unter dem theoretischen
6-Monats-Wert. Im Vorjahreszeitraum wurden knapp 900 Millionen
Kilowattstunden mehr produziert.
Jedes Jahr investieren private
Anleger nach Schätzungen einige hundert Millionen Euro in
neue Windturbinen. Nach dem EEG müssen die Energieversorger
pro Kilowattstunde Windstrom rund 9 Cent bezahlen. Der Betrag
wird nach einigen Betriebsjahren der Windenergieanlagen geringer.
Umgelegt auf den Preis, den der Endkunde zahlen muss, macht die
Förderung der erneuerbaren Energien etwa 0,44 Cent je Kilowattstunde
aus. Der Sprecher der Hamburgischen Electricitätswerke, Christof
Coninx, sagt mit Blick auf EEG, Ökosteuer und andere Zusatzkosten:
«Wir halten den staatlichen Anteil am Strompreis für
zu hoch.»
Der Windenergiekritiker Otfried
Wolfrum ist zufrieden, dass eine neue Debatte einsetzt. Der Geowissenschaftler
gehörte 1998 zu den Initiatoren des von mehr als 100 Wissenschaftlern
unterzeichneten Darmstädter Manifests. Darin hieß es:
«Wir fordern, dass der Windkraft alle direkten und indirekten
Subventionen entzogen werden.» Heute sagt Wolfrum: «Daran
hat sich nichts geändert.»
Seit Jahren protestieren Anlieger
gegen Windräder. Lärm und Schattenschlag schmälerten
die Lebensqualität, argumentieren sie. Die Gegner führen
an, dass weiterhin konventionelle Kraftwerke in Bereitschaft stehen
müssen, um die vom Wind abhängigen Schwankungen der
Stromproduktion auszugleichen und die Netzspannung zu gewährleisten,
was zusätzliches Geld koste.
Der BWE hält keines dieser
Argumente für stichhaltig. Untersuchungen hätten eine
hohe Akzeptanz der Anlagen ergeben. Schattenwurf, Lärm und
Lichtreflexe seien keine unangemessenen Beeinträchtigungen.
«Besichtigungstouren und "Windmill Climbing" können
das touristische Angebot sogar wesentlich bereichern», heißt
es.
Befürworter und Gegner blicken
gespannt auf den ersten Offshore- Windpark in Schleswig-Holstein,
der mit 80 Anlagen und 240 Megawatt installierter Leistung vor
der Sylter Küste gebaut werden soll. Das Bundesamt für
Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg hat die Planungen
genehmigt. Auf Seiten der Kritiker stehen hier auch Naturschutzverbände,
die Gefahren für die empfindliche Tierwelt der Nordsee sehen.
Das Hamburger Verwaltungsgericht muss über Klagen gegen das
Vorhaben entscheiden. Der BSH-Justiziar Christian Dahlke verweist
auf die Umweltverträglichkeits-Prüfung. Eine Gefährdung
zum Beispiel von Schweinswalen und Vögeln könne ausgeschlossen
werden.
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