vista verde - Portal für Umwelt und Natur - Werbung 

vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   W i r t s c h a f t   &   E n e r g i e

News - Seite 1Politik
Natur und Artenvielfalt
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 09.09.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Windbranche mit Problemen: Schwaches Geschäft und Gegenwind

Nach stürmischem Aufstieg geht die Windenergie in Deutschland einer schwierigen Zeit entgegen.

Von Sönke Möhl, dpa

Hamburg (dpa) - Die Geschäfte mehrerer Hersteller verfehlen die Planungen, und in der Politik ist Streit um die finanzielle Förderung ausgebrochen. Anwohnerinitiativen laufen Sturm gegen neue Anlagen. Selbst Umweltverbände klagen gegen den ersten genehmigten Offshore-Windpark in der Nordsee.

Den Stein der aktuellen Diskussion brachte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ins Rollen: Er monierte, dass die Unterstützung der Anlagen über die Einspeisevergütung bald die Höhe der Steinkohlesubventionen erreiche. Clement hat die Unterstützung von Politikern auch anderer Parteien und steht im Konflikt mit Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne), der im Entwurf für eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) allerdings langfristig ebenfalls die Unterstützungen reduzieren will.

 


© dpa

Windpark bei Niebüll in Schleswig-Holstein

 

Auf der nach Veranstalterangaben weltgrößten Windenergiemesse «Husumwind» in Schleswig-Holstein (23. September) will die Branche wieder Schwung gewinnen. Mehr als 450 Aussteller werden in Nordfriesland neue Entwicklungen präsentieren. Im Mittelpunkt des Interesses dürften Offshore-Anlagen stehen. Die Branche beschäftigt nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) in Deutschland rund 45.000 Menschen. Der Gesamtumsatz betrug 2002 mehr als 3,5 Milliarden Euro.

Die 14.300 deutschen Anlagen mit 12.900 Megawatt installierter Leistung können in einem Jahr mit durchschnittlichem Wind knapp 25 Milliarden Kilowattstunden Strom produzieren. Das wären gut 5 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2003 lag der Ertrag mit 9,85 Milliarden Kilowattstunden jedoch deutlich unter dem theoretischen 6-Monats-Wert. Im Vorjahreszeitraum wurden knapp 900 Millionen Kilowattstunden mehr produziert.

Jedes Jahr investieren private Anleger nach Schätzungen einige hundert Millionen Euro in neue Windturbinen. Nach dem EEG müssen die Energieversorger pro Kilowattstunde Windstrom rund 9 Cent bezahlen. Der Betrag wird nach einigen Betriebsjahren der Windenergieanlagen geringer. Umgelegt auf den Preis, den der Endkunde zahlen muss, macht die Förderung der erneuerbaren Energien etwa 0,44 Cent je Kilowattstunde aus. Der Sprecher der Hamburgischen Electricitätswerke, Christof Coninx, sagt mit Blick auf EEG, Ökosteuer und andere Zusatzkosten: «Wir halten den staatlichen Anteil am Strompreis für zu hoch.»

Der Windenergiekritiker Otfried Wolfrum ist zufrieden, dass eine neue Debatte einsetzt. Der Geowissenschaftler gehörte 1998 zu den Initiatoren des von mehr als 100 Wissenschaftlern unterzeichneten Darmstädter Manifests. Darin hieß es: «Wir fordern, dass der Windkraft alle direkten und indirekten Subventionen entzogen werden.» Heute sagt Wolfrum: «Daran hat sich nichts geändert.»

Seit Jahren protestieren Anlieger gegen Windräder. Lärm und Schattenschlag schmälerten die Lebensqualität, argumentieren sie. Die Gegner führen an, dass weiterhin konventionelle Kraftwerke in Bereitschaft stehen müssen, um die vom Wind abhängigen Schwankungen der Stromproduktion auszugleichen und die Netzspannung zu gewährleisten, was zusätzliches Geld koste.

Der BWE hält keines dieser Argumente für stichhaltig. Untersuchungen hätten eine hohe Akzeptanz der Anlagen ergeben. Schattenwurf, Lärm und Lichtreflexe seien keine unangemessenen Beeinträchtigungen. «Besichtigungstouren und "Windmill Climbing" können das touristische Angebot sogar wesentlich bereichern», heißt es.

Befürworter und Gegner blicken gespannt auf den ersten Offshore- Windpark in Schleswig-Holstein, der mit 80 Anlagen und 240 Megawatt installierter Leistung vor der Sylter Küste gebaut werden soll. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg hat die Planungen genehmigt. Auf Seiten der Kritiker stehen hier auch Naturschutzverbände, die Gefahren für die empfindliche Tierwelt der Nordsee sehen. Das Hamburger Verwaltungsgericht muss über Klagen gegen das Vorhaben entscheiden. Der BSH-Justiziar Christian Dahlke verweist auf die Umweltverträglichkeits-Prüfung. Eine Gefährdung zum Beispiel von Schweinswalen und Vögeln könne ausgeschlossen werden.

 

 Mehr Informationen:

Bundesverband Windenergie

Umweltministerium

Wirtschaftsministerium

vista verde: Windenergie

 

 Lesen Sie auch:

Treffen bei Schröder: Fraktionen wollen Energie-Streit beenden

Müntefering: Effizienz der Energieversorgung verbessern

SPD-Fraktion: Ökostrom-Förderung begrenzen

Weiter Streit um Windenergie: Clement will Festpreise abschaffen

Energiepolitik: Wissenschaftler fordern Weichenstellung

Windbranche: Ohne Ausbau von Windkraftanlagen Klimaziele gefährdet

Kohle oder Wind? Rot-Grün streitet über Energieförderung

Erneuerbare Energien: Trittin legt Entwurf zu neuem Gesetz vor

Trittin: Ökostrom-Quote soll auf 12,5 Prozent steigen

Umfrage: Deutsche für stärkere Nutzung alternativer Energien

Deutschland: Thema Windenergie auf See spaltet die Umweltszene

Trotz Dämpfers in Deutschland: Windkraft boomt weiter in Europa

Neuer Trend beim Bau von Anlagen: Gigantische Windparks auf See

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2003
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung