|
Energiepolitik: Wissenschaftler fordern
Weichenstellung
Wissenschaftler haben die Politiker
aufgefordert, langfristige Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft
festzulegen.
Berlin (dpa) - Die Polarisierung
zwischen Windkraft und Kohle sei «langweilig», weil
in den kommenden 30 Jahren eine einschneidende Modernisierung
der gesamten Stromwirtschaft notwendig werde, sagte Hans-Jochen
Ziesing vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
am Freitag bei der Vorstellung einer Studie zur Energiepolitik.
Das Institut hatte diese mit dem Öko-Institut für die
Grünen-Bundestagsfraktion erstellt.
Laut der Studie ergebe sich langfristig
ein «relativ dramatisches Bild» für den Energiebereich,
sagte Felix Christian Matthes vom Öko- Institut. Bis 2030
müssten sehr viele Kraftwerke aus Altersgründen ersetzt
werden. Langfristig müsse sogar die Hälfte oder bis
zu drei Viertel der Energieleistung in neuen Anlagen erzeugt werden.
Damit werde ein «enormes Investitionsprogramm» in
Höhe von etwa 50 bis 60 Milliarden Euro in diesem Markt erforderlich.
So würden die energiepolitischen Weichen «bis weit
in die Mitte dieses Jahrhunderts gestellt», sagte Matthes.
Ohne eindeutige Rahmenbedingungen
der Politik, die auch Planungssicherheit für den Strommarkt
bedeuteten, sei zu befürchten, dass vor allem auf Kohlekraftwerke
gesetzt werde. Dann könne man allerdings alle Klima- und
Emissionsschutzziele «schlicht und einfach vergessen»,
sagte Matthes. Es sei daher notwendig, verstärkt erneuerbare
Energien und Möglichkeiten wie Ergas oder Kraft-Wärme-Kopplung
zu fördern. In diesem Bereich müssten Wettbewerbsverzerrungen
dringend abgebaut werden, sagte Ziesing. Die Studie regt außerdem
an, Strom-Sparpotenziale besser zu nutzen und Wettbewerbsstrukturen
auszubauen.
|