|
Bioenergie:
Strohfeuer mit Langzeitwirkung
Holz, Stroh und andere biogene
Stoffe könnten bis zu 10 Prozent des Primärenergiebedarfs
in Deutschland decken - kostengünstiger Klimaschutz inklusive.
(jkm) - Holzfeuer scheinen in
der modernen Welt geradezu archaisch. Tatsächlich bergen
Restholz, Stroh und ähnliche Substanzen beträchtliches
Zukunftspotenzial, haben Karlsruher Forscher ermittelt. Mittelfristig
könnten sie rund ein Zehntel des deutschen Bedarfs an Primärenergie
decken - kostengünstiger Klimaschutz inklusive.
"Biogene Rest- und Abfallstoffe
würden dann zu den wichtigsten regenerativen Energieträgern
hierzulande gehören", sagt Ludwig Leible vom Institut
für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am Forschungszentrum
Karlsruhe. Allerdings müsse noch Entwicklungsarbeit geleistet
werden, denn derzeit sei die Verwendung biogener Rest- und Abfallstoffe
als Energiequelle nicht wettbewerbsfähig.

© Forschungszentrum Karlsruhe
Aufkommen
biogener Reststoffe und Abfälle in Deutschland 1999:
rund 25 Mio. Tonnen organische Trockensubstanz
|
Restholz aus Forst und Industrie,
überschüssiges Stroh, Gülle und Klärgas und
andere biogene Stoffe decken derzeit rund 1,3 Prozent des Primärenergiebedarfs
in Deutschland. Leible und seine Kollegen untersuchten nun, wie
viel Energie aus diesen Stoffen gewonnen werden könnte, welche
Technologien dazu am geeignetsten sind und welche Folgen der verstärkte
Einsatz haben könnte. Binnen zwei bis drei Jahrzehnten könnten
die überwiegend aus Land- und Forstwirtschaft stammenden
Stoffe demnach bis zu zehn Prozent des Energiebedarfs decken,
so das Fazit der Forscher.
Gerade im Vergleich mit Photovoltaik
oder Solarthermie könnte dies eine relativ kostengünstige
Senkung der Kohlendioxid-Emissionen bewirken, glauben sie. Mit
80 bis 120 Euro pro Megawattstunde (MWh) sei Strom aus Biogasanlagen
und Biomassekraftwerken derzeit noch deutlich teurer als Strom
aus einem großen Steinkohlekraftwerk für etwa 45 Euro/MWh.
Größere Biogas- und Klärgasanlagen und die Co-Verbrennung
bzw. Co-Vergasung in Steinkohlekraftwerken könnten am ehesten
die Hürde zur Wirtschaftlichkeit nehmen, glauben Leible und
Kollegen. Ohne politische Förderung sei dies jedoch reine
Zukunftsmusik.
|