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- 22.08.2003 -

 

 

 

 

 

 

 



 

Atomkraft: Energie-Gewerkschaft fordert Wiedereinstieg

Die Bundesregierung hat einen Vorstoß der Energie-Gewerkschaft IG BCE zum Wiedereinstieg in die Atomkraft zurückgewiesen.

Hamburg/Berlin (dpa) - Die Forderung hatte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, erhoben. «Man muss in der Technologie verbleiben, und wenn es Not tut, ab 2010 entscheiden, ob man auf der Grundlage neuer Technologien die Kernkraft im Energiemix behält», sagte Schmoldt der «Financial Times Deutschland» (Freitag). «Wir werden uns mit der Frage befassen müssen, ob der Ausstieg aus der Kernenergie so unverrückbar ist, wie einige glauben.» Es werde weiter weltweit einen Zubau der Kernkraft geben.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte dazu, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) habe wiederholt darauf hingewiesen, dass er den Energiemix in Deutschland prinzipiell für richtig hält. Die Bundesrepublik sei in der Lage, auch ohne Atomkraft weiterhin Strom zu exportieren und werde das auch tun. Die Regierung betreibe eine Energiepolitik, die der Versorgungssicherheit einen sehr hohen Rang einräume. Der SPD-Umweltpolitiker Horst Kubatschka nannte die Debatte über einen Wiedereinstieg «in hohem Maße unsinnig».

Schmoldt bezeichnete das Ziel von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne), den Anteil erneuerbarer Energien in den nächsten Jahren drastisch auszubauen, als illusionär: «Herr Trittin hat bisher nicht beantwortet, wie er das finanzieren will». Wind und Photovoltaik würden mit hohen Belastungen der Verbraucher und der Industrie subventioniert.

Der Sprecher des Umweltministeriums Michael Schroeren meinte, wenn Schmoldt den Wiedereinstieg für realistisch und notwendig halte, müsse er auch sagen, wer das bezahlen solle. «Darauf, dass der Staat erneut Milliarden in die Atomkraft pulvert, wird niemand hoffen können - egal, wer regiert.»

Die deutsche Stromwirtschaft forderte eine effizientere Förderung der erneuerbaren Energien und setzt sich für einen «ausgewogenen Energiemix» ein. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) warf Trittin am Freitag in Berlin vor, mit seinem Entwurf zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Belastung der Stromkunden erneut zu erhöhen. «Beim Ausbau der erneuerbaren Energien muss mit den Fördermitteln künftig deutlich mehr Ökostrom gewonnen werden als bisher», sagte VDEW-Präsident Werner Brinker.

Der Verband wirft dem Umweltminister vor, mit seinem Gesetzentwurf auch völlig ineffiziente Energieproduktion zu unterstützen. «Mit einer Förderung der Erneuerbaren um jeden Preis ist weder der Versorgungssicherheit noch dem Umweltschutz gedient», betonte der VDEW. Die Hitzewelle in diesem Sommer habe gezeigt, wie wichtig ein ausgewogener Energiemix für eine sichere Stromversorgung sei.

Schroeren wies darauf hin, dass im Gegensatz zu den meisten Subventionen für andere Zwecke die Förderung der Erneuerbaren Energien fortlaufend abgesenkt, in der Höhe gedeckelt und zeitlich befristet werde. Mit der EEG-Novelle werde die Degression noch einmal verstärkt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte die Bundesregierung auf, Schmoldt in die Schranken zu weisen.

 

 Mehr Informationen:

IG BCE

Energiepolitik der Bundesregierung

BMU: Atomkraft

 

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