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- 15.08.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Energiegipfel: Dreistündiges Gespräch beim Kanzler - Keine Informationen

Nach dem Treffen zwischen Bundeskanzler Schröder mit den Chefs der vier großen deutschen Stromversorger über die Lage der Energiewirtschaft gab es zunächst keine Informationen.

Berlin (dpa) - Nach einem Gespräch von rund drei Stunden haben sich die Chefs der vier großen deutschen Stromversorger von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verabschiedet. Informationen über die Beratungen am Donnerstagabend zur Lage der Energiewirtschaft gab es zunächst nicht. Die Zusammenkunft im Kanzleramt galt nach Angaben der Bundesregierung vor allem dem Kennenlernen, weil drei der Manager ihre Aufgaben erst kürzlich übernommen hätten.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt waren ebenfalls eingeladen, nicht aber Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne), der für die erneuerbaren Energien zuständig ist. Von Seiten der Wirtschaft hatten sich Klaus Rauscher (Vattenfall Europe), Wulf Bernotat (E.ON), Harry Roels (RWE) und Utz Claassen (EnBW) angesagt. Mitglieder der Umweltorganisation Greenpeace protestierten vor dem Kanzleramt. Sie hielten ein Plakat mit der Aufschrift «Mit Öl und Kohle ins Klimachaos. Kanzler, tu was!».

Nach Darstellung des Bundes der Energieverbraucher zahlen Privathaushalte jährlich rund vier Milliarden Euro zu viel für Strom und Gas. Die vier Großanbieter beherrschten zum Nachteil der Verbraucher den deutschen Markt, hatte der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, im Vorfeld des Treffens gesagt. Die Liberalisierung auf dem Strommarkt habe sich für die Kunden nicht wie erwartet in niedrigen Preisen ausgezahlt. Stattdessen sei der Strompreis seit 2000 für private Haushalte um 18 Prozent gestiegen.

Peters forderte die Bundesregierung auf, die für den Verbraucher «unerträglichen Zustände» zu beenden. Die sinkenden Wettbewerbsintensität, steigende Konzerngewinne und gleichzeitig steigende Strompreise zeigten das Scheitern des Wettbewerbs auf dem Energiemarkt. Jeder Haushalt in der Bundesrepublik zahle jährlich etwa 100 Euro zu viel. Im europäischen Durchschnitt bezahlten die Privathaushalte sogar sieben Milliarden Euro zu viel.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) beklagte einen «ordnungspolitischen Skandal erster Güte». Dumpingpreise und Großabnehmerrabatte hätten den Mittelstand aus dem Energiemarkt verdrängt, sagte Verbandspräsident Mario Ohoven. Die vier Großkonzerne kontrollierten 80 Prozent der Stromerzeugung und 90 Prozent des Gasmarktes. Der Gesetzgeber müsse endlich eine unabhängige Regulierungsbehörde schaffen. Hier sei die Regierung weit hinter den EU-Vorgaben zurück.

Trittin hatte den großen Stromversorgern am Morgen in der ARD erneut schwere Versäumnisse vorgeworfen. Die Konzerne hätten nicht in moderne, ökologische Technik investiert. Sie hätten sogar versucht, andere, die sich in diesem Bereich engagieren wollten, «durch Tricks und Mauschelei daran zu hindern». Die von der Wirtschaft geforderte Planungssicherheit gebe es dabei längst. Gegenüber der EU habe sich Deutschland verpflichtet, bis 2010 den Anteil erneuerbarer Energien zu verdoppeln.

Politiker von CSU und FDP sowie Verbände forderten im Vorfeld des Treffens von der Bundesregierung ein neues Energiekonzept. Die rot- grüne Koalition müsse ihre fundamentalen Gegensätze in dieser Frage überwinden und endlich eine nationale Strategie vorlegen, die den Unternehmen einen verlässlichen Rahmen eröffne, verlangten sie. Die Energiepolitik dürfe sich nicht nur auf den Bereich der Ökologie beschränken, sondern müsse den Wirtschaftsstandort Deutschland im Auge behalten.

 

 Mehr Informationen:

Energiepolitik der Bundesregierung

Bundesumwelt- ministerium

Bund der Energieverbraucher

VDEW

 

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