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- 14.08.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Energiepolitik:

Energiegipfel beim Kanzler mit heiklen Fragen

Wegen des Atomausstiegs und der Überalterung von Kohlekraftwerken fällt in den kommenden Jahrzehnten milliardenschwerer Ersatzbedarf bei der Elektrizitätsversorgung an - die Energiebosse dürften versuchen, bei der Regierung Pflöcke einzuschlagen.

Von Eva Tasche, dpa

Berlin (dpa) - Bundeskanzler Gerhard Schröder beschrieb es als Routine: Die Chefs der vier größten Energieversorger kämen zum Arbeitsessen und - weil drei von ihnen ihren Job erst kürzlich übernommen haben - zum Kennenlernen. Das sei absolut üblich. Schließlich treffe er regelmäßig auch andere Wirtschaftsführer, um sich zu informieren. Es gehe nicht darum, irgendetwas festzulegen. Man möge das Treffen doch nicht überbewerten, so der Kanzler sinngemäß.

Die Vermutung dürfte dennoch nicht abwegig sein, dass die Energiebosse versuchen, bei der Regierung Pflöcke einzuschlagen. Denn das Treffen fällt in eine Zeit, in der die Koalition ihr Konzept für die künftige Energiepolitik festlegen will. Die Abstimmung läuft. Zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium gehen Strategiepapiere hin und her, ohne dass bisher eine einheitliche Zielrichtung erkennbar ist.

Dass Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), nicht aber Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) trotz Zuständigkeit für erneuerbare Energien zu dem Treffen geladen war, habe nur mit der üblichen Besetzung solcher Termine zu tun, versicherte die Bundesregierung. Grünen-Fraktionsvize Reinhard Loske sieht dagegen den Versuch der Stromkonzerne, politische Garantien für den Bau neuer Kohle-Großkraftwerke zu erhalten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sprach von «Kungeln auf Kosten des Klimaschutzes».

Die Industrie dringt schon seit längerem auf verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Investitionsentscheidungen. Wegen des Atomausstiegs und der Überalterung von Kohlekraftwerken fällt in den kommenden Jahrzehnten milliardenschwerer Ersatzbedarf bei der Elektrizitätsversorgung an.

Die Atomkraftwerke liefern bisher rund ein Drittel des Stroms in Deutschland, die Kohlekraftwerke die Hälfte. In den nächsten zehn bis 15 Jahren muss nach Einschätzung von Fachleuten rund die Hälfte der Kraftwerkskapazität zur Stromerzeugung ersetzt werden. Die Energieversorger machen geltend, dass die kapitalintensive Branche ihre Investitionen mit Zeiträumen von 30 bis 40 Jahren kalkuliere.

Trittin setzt vor allem auf erneuerbare Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Die Kohleförderung sieht er aus Klimaschutzgründen als eher problematisch an. Vor allem die Windkraft steht bei ihm hoch im Kurs. Durch den Bau von großen Offshore- Windparks in Nord- und Ostsee soll ihr Anteil an der Stromerzeugung innerhalb von 30 Jahren auf mindestens 25 Prozent wachsen.

Für Clement sind Stein- und Braunkohle dagegen auch im künftigen Energiemix wichtige Elemente. Gerade bei der Braunkohle zeige sich mit dem Einsatz modernisierter Kraftwerke, dass die Kohle ihr Image als teures Schmuddelkind verlieren könne. Auch wegen des Ausstiegs aus der Kernkraft sei Deutschland für eine verlässliche und eigenständige Energieversorgung noch lange auf die traditionellen Energieträger angewiesen. Die Windenergie stoße technisch schon heute an ihre Grenzen.

Aktuell in der Koalition auch ein umstrittenes Thema: Der von 2005 an europaweit geplante Handel mit Emissionsrechten. Um den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken, sollen Unternehmen mit Verschmutzungsrechten handeln können. Das könnte die Stromproduktion in Kohlekraftwerken deutlich teurer machen. Die Windkraft könnte profitieren. Die Industrie - vor allem die Kohle fördernde - setzt sich deshalb dafür ein, bereits erbrachte Leistungen zur CO2- Minderung anzurechnen. Außerdem müsse endlich Klarheit über die Verteilung der Verschmutzungsrechte bestehen. Anfang 2004 soll die Bundesregierung Brüssel dies mitteilen.

Der Vorstandschef des Energiekonzerns RWE, Harry Roels, forderte schon vor dem Treffen, es dürfe bei der Erstvergabe der Rechte keine Gewinner und Verlierer geben. Trittin und Clement haben sich noch nicht mit einer einheitlichen Meinung zu Wort gemeldet. Clement hält den Emissionshandel eigentlich sowieso für überflüssig und äußerte Skepsis, ob so ein «geradezu staatsplanerisch anmutendes Unterfangen» überhaupt funktionieren könne.

 

 Mehr Informationen:

Energiepolitik der Bundesregierung

Bundesumwelt- ministerium

VDEW

 

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