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- 24.07.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Trotz Warnungen aus Brüssel: Bundesregierung hält an Dosenpfand fest

Im Streit um das Dosenpfand sieht die Bundesregierung trotz der angedrohten Sanktionen der EU-Kommission keinen Anlass für einen Kurswechsel.

Berlin (dpa) - Mit der Entscheidung, vorerst kein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen der Pfand-Übergangsregelungen einzuleiten, habe die Kommission «dem Anliegen der Bundesregierung in vollem Umfang entsprochen», sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag in Berlin.

Allerdings kommen inzwischen Zweifel auf, dass bis zum 1. Oktober ein den EU-Regeln entsprechendes flächendeckendes Rücknahmesystem für Dosen und Wegwerfflaschen aufgebaut werden kann. Aus Sicht der Abfallwirtschaft ist das in den noch verbleibenden knapp zehn Wochen nicht mehr zu schaffen. Der Kioskbetreiber Lekkerland-Tobaccoland bekräftigte indes, pünktlich ein bundesweit vertretenes System zu errichten.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hatte in einem Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder offen mit einem Verfahren gegen Deutschland gedroht, sollte ein EU-kompatibles Rücknahmesystem nicht fristgerecht aufgebaut werden. Die Bundesregierung geht jedoch davon aus, dass es ab Oktober ein System geben wird, das den Anforderungen des europäischen Binnenmarktes entspricht.

Die «Anregung» Prodis, bis zur Einführung des bundesweiten Rücknahmesystems das Pfand auszusetzen, werte die Bundesregierung «als Hinweis, mit dem keine weiteren Rechtspflichten» verbunden seien, sagte der Regierungssprecher. Der Brief Prodis sei am Donnerstag im Kanzleramt eingegangen. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hatte ein Aussetzen der Pfandpflicht bereits am Vortag abgelehnt. In Regierungskreisen wurde das Schreiben Prodis als höflicher Appell gewertet, der keine unmittelbare Rechtswirkung enthalte.

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) sieht keine Chancen mehr für den rechtzeitigen Aufbau des bundesweiten Rücknahmesystems. Handel und Industrie hätten über Monate angebotene technische Lösungen nicht nachgefragt. Das Konzept von Lekkerland- Tobaccoland sei nicht ausreichend. Ein anderes System sei im Markt nicht absehbar. Für den Aufbau wäre zudem ein Vorlauf nötig, sagte BDE-Präsident Bernard Kemper. «Das ist in zwei Monaten nicht zu machen.»

Lekkerland-Tobaccoland betonte dagegen, sein System wie geplant am 1. Oktober zu starten. Vom 15. September an sollen die Verpackungen Pfandlogos erhalten, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christian Berner, der dpa. Beteiligen wollen sich 100.000 Verkaufs- Stellen meist in Kiosken und Tankstellen und bis zu 10.000 Getränke- Geschäfte. Er gehe davon aus, dass sich weitere Handelsunternehmen und Getränkehersteller anschließen, sagte Berner. Mit acht bis zehn Prozent sei ein bedeutender Teil des Einweggetränkemarkts abgedeckt.

Bis 1. Oktober gilt, dass Einwegverpackungen nur vom jeweiligen Verkäufer zurückgenommen werden. Da vor allem Anbieter aus dem Ausland Getränke in Dosen verkaufen, sieht die EU-Kommission sie benachteiligt.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Dosenpfand

Lekkerland- Tobaccoland

 

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