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Neuer Streit ums Dosenpfand: Kunden verschenken
Geld
Neuer Streit ums Dosenpfand:
Da nach Einschätzung von Verbraucherschützern nur jeder
vierte Kunde seine Dose oder Einwegflasche zurückbringt,
mache der Handel Extrakasse.
Hamburg (dpa) - Dieses Geld sollte
in eine Verbraucher-Stiftung fließen, verlangte Prof. Edda
Müller vom Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband
im Gespräch mit «Bild am Sonntag». Der Geschäftsführer
der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte dem Blatt:
«Der Handel hat allein im ersten Halbjahr schätzungsweise
250 Millionen Euro zusätzlich eingenommen.» Komme das
einheitliche Rücknahmesystem später als erwartet könnte
bis Jahresende bis zu einer halben Milliarde Euro in die Kassen
des Handels fließen.
Als «völlig absurd»
bezeichnete dies der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen
Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Dieser Vorschlag ziele gerade
auf die Unternehmen, «die das Rücknahmesystem vorbildlich
geregelt und es dem Kunden so bequem wie möglich» gemacht
hätten, sagt er der dpa. Pellengahr sprach von «billiger
Polemik» gegen den Handel. Der Kunde habe drei Jahre lang
Zeit die Dosen zurückzugeben. Durch derartige Vorschläge
werde die Tendenz beschleunigt, überhaupt keine Einwegverpackungen
und Dosen mehr zu verkaufen.
Resch von der Umwelthilfe schätzt,
dass allein in den Kassen von Metro und Tengelmann zwischen zehn
und 20 Millionen Euro an Pfandgeld schlummern. Resch sagte der
«Bild am Sonntag»: «Das ist ungerechtfertigte
Bereicherung, die Gelder gehören den Verbrauchern.»
Simone Meyer, Sprecherin der zur Metro-Gruppe gehörenden
Warenhaus- Kette Real, hielt dem entgegen: «Wir sammeln
das Geld und warten darauf, dass der Kunde kommt und es abholt.»
Verbraucherschutz- Ministerin Renate Künast (Grüne)
sagte der Zeitung: «Industrie und Handel sollten endlich
ein flächendeckendes Rücknahmesystem aufbauen, statt
zu Lasten der Geldbörsen der Verbraucher zu taktieren. Das
Geld steht den Verbrauchern zu.»
Nach dem monatelangen Gezerre
um das Dosenpfand werden Getränkedosen in Deutschland erheblich
weniger gekauft. In einer Umfrage im Auftrag der dpa gaben insgesamt
78 Prozent an, die Dosen zu meiden. Allerdings kauften 46 Prozent
schon vorher keine, durch den Ärger mit dem Dosenpfand kamen
weitere 32 Prozent hinzu. Junge Leute greifen der Umfrage zufolge
noch am ehesten zur Dose und verzichten auch häufiger darauf,
das Pfand von 25 Cent einzulösen.
Insgesamt machen sich 15 Prozent
aller Befragten die Mühe, die Dosen zum Händler zurückzubringen.
Sieben Prozent werfen sie einfach Weg. Nach derzeitiger Regelung
kann das Pfand nur in dem Geschäft eingelöst werden,
in dem die Getränke gekauft worden waren. Bis Herbst soll
es ein nationales Rücknahmesystem geben.
Frauen sind deutlich umweltfreundlicher
- nur vier Prozent quer durch alle Altersgruppen werfen die Dosen
weg, während es bei den Männern neun Prozent sind, ergab
die polis-Umfrage. Schon vor der Einführung des Pfands mit
Beginn dieses Jahres hatten 53 Prozent der Frauen auf die Dose
verzichtet - und nur 38 Prozent der Männer.
Das Institut polis befragte für
dpa 1029 Menschen im Alter ab 14 Jahren.
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