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- 23.06.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Neuer Streit ums Dosenpfand: Kunden verschenken Geld

Neuer Streit ums Dosenpfand: Da nach Einschätzung von Verbraucherschützern nur jeder vierte Kunde seine Dose oder Einwegflasche zurückbringt, mache der Handel Extrakasse.

Hamburg (dpa) - Dieses Geld sollte in eine Verbraucher-Stiftung fließen, verlangte Prof. Edda Müller vom Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband im Gespräch mit «Bild am Sonntag». Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte dem Blatt: «Der Handel hat allein im ersten Halbjahr schätzungsweise 250 Millionen Euro zusätzlich eingenommen.» Komme das einheitliche Rücknahmesystem später als erwartet könnte bis Jahresende bis zu einer halben Milliarde Euro in die Kassen des Handels fließen.

Als «völlig absurd» bezeichnete dies der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Dieser Vorschlag ziele gerade auf die Unternehmen, «die das Rücknahmesystem vorbildlich geregelt und es dem Kunden so bequem wie möglich» gemacht hätten, sagt er der dpa. Pellengahr sprach von «billiger Polemik» gegen den Handel. Der Kunde habe drei Jahre lang Zeit die Dosen zurückzugeben. Durch derartige Vorschläge werde die Tendenz beschleunigt, überhaupt keine Einwegverpackungen und Dosen mehr zu verkaufen.

Resch von der Umwelthilfe schätzt, dass allein in den Kassen von Metro und Tengelmann zwischen zehn und 20 Millionen Euro an Pfandgeld schlummern. Resch sagte der «Bild am Sonntag»: «Das ist ungerechtfertigte Bereicherung, die Gelder gehören den Verbrauchern.» Simone Meyer, Sprecherin der zur Metro-Gruppe gehörenden Warenhaus- Kette Real, hielt dem entgegen: «Wir sammeln das Geld und warten darauf, dass der Kunde kommt und es abholt.» Verbraucherschutz- Ministerin Renate Künast (Grüne) sagte der Zeitung: «Industrie und Handel sollten endlich ein flächendeckendes Rücknahmesystem aufbauen, statt zu Lasten der Geldbörsen der Verbraucher zu taktieren. Das Geld steht den Verbrauchern zu.»

Nach dem monatelangen Gezerre um das Dosenpfand werden Getränkedosen in Deutschland erheblich weniger gekauft. In einer Umfrage im Auftrag der dpa gaben insgesamt 78 Prozent an, die Dosen zu meiden. Allerdings kauften 46 Prozent schon vorher keine, durch den Ärger mit dem Dosenpfand kamen weitere 32 Prozent hinzu. Junge Leute greifen der Umfrage zufolge noch am ehesten zur Dose und verzichten auch häufiger darauf, das Pfand von 25 Cent einzulösen.

Insgesamt machen sich 15 Prozent aller Befragten die Mühe, die Dosen zum Händler zurückzubringen. Sieben Prozent werfen sie einfach Weg. Nach derzeitiger Regelung kann das Pfand nur in dem Geschäft eingelöst werden, in dem die Getränke gekauft worden waren. Bis Herbst soll es ein nationales Rücknahmesystem geben.

Frauen sind deutlich umweltfreundlicher - nur vier Prozent quer durch alle Altersgruppen werfen die Dosen weg, während es bei den Männern neun Prozent sind, ergab die polis-Umfrage. Schon vor der Einführung des Pfands mit Beginn dieses Jahres hatten 53 Prozent der Frauen auf die Dose verzichtet - und nur 38 Prozent der Männer.

Das Institut polis befragte für dpa 1029 Menschen im Alter ab 14 Jahren.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Dosenpfand

Deutsche Umwelthilfe

vzbv

HDE

 

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