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Sieg für Trittin: Rücknahmesystem
für Dosen kommt doch bis Oktober
Umweltminister Trittin rechnet
damit, dass bis Oktober nun doch ein funktionierendes Rücknahmesystem
für Dosen aufgebaut werden kann.
Berlin (dpa) - Die Ernährungsindustrie
erklärte sich am Freitag überraschend bereit, bis dahin
ein Rücknahmesystem aufzubauen. Parallel begannen große
Handelsketten im Widerstand gegen das Dosenpfand bereits damit,
Einwegverpackungen aus ihren Regalen zu verbannen.
Bundesumweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) wertete dies als Erfolg im Streit mit Teilen
von Industrie und Handel um das so genannte Dosenpfand. Der Hauptverband
des Deutschen Einzelhandels (HDE) sagte dagegen, von einem bundesweit
einheitlichen Rücknahmesystem könne bei weitem nicht
die Rede sein. Ursprünglich hatte der Einzelhandel den Aufbau
eines Rücknahmesystems zugesagt, die Vereinbarung mit Trittin
dann aber wieder aufgekündigt. Nun hat das Dosenpfand Einzelhandel
und Industrie gespalten.
Bis Oktober wird es nach Darstellung
von Trittin «über den Daumen» mehr als 100.000
Rücknahmestellen geben, mit denen vor allem Kioske und Tankstellen
erfasst sind, und dazu einige große Discounter, die auf
eigene Lösungen, so genannte Insellösungen, setzen.
Der Rest könne auf Mehrweg zurückgreifen. Damit werde
eine «Stabilisierung der Mehrwegquote» erreicht. «Dass
dies kein einheitliches System ist, mag man bedauern.» Der
Verpackungsverordnung werde auf jeden Fall genüge getan.
Deswegen werde es auch keine Bußgelder geben.
In Zukunft haben Geschäfte
und Supermärkte damit drei Möglichkeiten: Sie können
auf Mehrweg umstellen, sich dem Lekkerland-Tobaccoland-System
anschließen oder als Discounter wie Lidl und Plus ein eigenes
«Inselsystem» für die Rücknahme von Dosen
und Flaschen aufbauen.
Umweltstaatssekretär Rainer
Baake begrüßte die «Rückkehr zur Vernunft»
zumindest bei Teilen der Wirtschaft. Er appellierte an jene, die
sich bisher verweigerten, ihre Position zu überdenken. «Es
liegt jetzt ein Angebot auf dem Tisch. Dem kann sich jeder anschließen»,
sagte Baake im dpa-Gespräch.
Der Vorsitzende der Bundesvereinigung
Ernährungsindustrie, Peter Traumann, erklärte dem Umweltministerium
zufolge, dass unter der Führung der Handelskette Lekkerland-Tobaccoland
bis zum 1. Oktober ein Rücknahmesystem für Einweg-Leergut
aufgebaut werde. Weitere Unternehmen könnten sich anschließen.
Spar kündigte dies bereits an.
Trittin erklärte sich daraufhin
bereit, die derzeit beschränkten Möglichkeiten zur Rückgabe
von Dosen und Einwegflaschen noch bis Oktober zu dulden. Die Mehrwegwirtschaft
und die Umweltverbände verzichten deshalb auf ihre angedrohte
Klagewelle. «Die Schlacht ums Dosenpfand ist entschieden»,
erklärte die Deutsche Umwelthilfe.
Der Bundesverband mittelständischer
Privatbrauereien begrüßte die «Aufgabe der Blockadepolitik»
durch die Industrie. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels
(HDE) hingegen stelle sich mit seinem Versuch, die Politik zu
erpressen, klar ins Abseits, hieß es.
Nach Aldi Süd und Tengelmann
(Kaisers und kd) werden auch der Handelsriese METRO und die EDEKA-Gruppe
Einweggetränke aus den Regalen nehmen. «Wir werden
nur noch Getränke in pfandfreien und Mehrwegverpackungen
anbieten», sagte ein Sprecher der METRO AG in Düsseldorf.
Rund 1000 Filialen (Real, Extra, Kaufhof, Metro Cash & Carry)
seien betroffen. Auch die 3000 EDEKA-Geschäfte, die noch
Einweg-Getränke führen, einigten sich auf eine Auslistung.
Innerhalb der Tengelmann-Gruppe geht der Discounter Plus aber
einen neuen Weg und bietet eine eigene Einwegflasche an.
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