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- 13.06.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Sieg für Trittin: Rücknahmesystem für Dosen kommt doch bis Oktober

Umweltminister Trittin rechnet damit, dass bis Oktober nun doch ein funktionierendes Rücknahmesystem für Dosen aufgebaut werden kann.

Berlin (dpa) - Die Ernährungsindustrie erklärte sich am Freitag überraschend bereit, bis dahin ein Rücknahmesystem aufzubauen. Parallel begannen große Handelsketten im Widerstand gegen das Dosenpfand bereits damit, Einwegverpackungen aus ihren Regalen zu verbannen.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) wertete dies als Erfolg im Streit mit Teilen von Industrie und Handel um das so genannte Dosenpfand. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) sagte dagegen, von einem bundesweit einheitlichen Rücknahmesystem könne bei weitem nicht die Rede sein. Ursprünglich hatte der Einzelhandel den Aufbau eines Rücknahmesystems zugesagt, die Vereinbarung mit Trittin dann aber wieder aufgekündigt. Nun hat das Dosenpfand Einzelhandel und Industrie gespalten.

Bis Oktober wird es nach Darstellung von Trittin «über den Daumen» mehr als 100.000 Rücknahmestellen geben, mit denen vor allem Kioske und Tankstellen erfasst sind, und dazu einige große Discounter, die auf eigene Lösungen, so genannte Insellösungen, setzen. Der Rest könne auf Mehrweg zurückgreifen. Damit werde eine «Stabilisierung der Mehrwegquote» erreicht. «Dass dies kein einheitliches System ist, mag man bedauern.» Der Verpackungsverordnung werde auf jeden Fall genüge getan. Deswegen werde es auch keine Bußgelder geben.

In Zukunft haben Geschäfte und Supermärkte damit drei Möglichkeiten: Sie können auf Mehrweg umstellen, sich dem Lekkerland-Tobaccoland-System anschließen oder als Discounter wie Lidl und Plus ein eigenes «Inselsystem» für die Rücknahme von Dosen und Flaschen aufbauen.

Umweltstaatssekretär Rainer Baake begrüßte die «Rückkehr zur Vernunft» zumindest bei Teilen der Wirtschaft. Er appellierte an jene, die sich bisher verweigerten, ihre Position zu überdenken. «Es liegt jetzt ein Angebot auf dem Tisch. Dem kann sich jeder anschließen», sagte Baake im dpa-Gespräch.

Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Ernährungsindustrie, Peter Traumann, erklärte dem Umweltministerium zufolge, dass unter der Führung der Handelskette Lekkerland-Tobaccoland bis zum 1. Oktober ein Rücknahmesystem für Einweg-Leergut aufgebaut werde. Weitere Unternehmen könnten sich anschließen. Spar kündigte dies bereits an.

Trittin erklärte sich daraufhin bereit, die derzeit beschränkten Möglichkeiten zur Rückgabe von Dosen und Einwegflaschen noch bis Oktober zu dulden. Die Mehrwegwirtschaft und die Umweltverbände verzichten deshalb auf ihre angedrohte Klagewelle. «Die Schlacht ums Dosenpfand ist entschieden», erklärte die Deutsche Umwelthilfe.

Der Bundesverband mittelständischer Privatbrauereien begrüßte die «Aufgabe der Blockadepolitik» durch die Industrie. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) hingegen stelle sich mit seinem Versuch, die Politik zu erpressen, klar ins Abseits, hieß es.

Nach Aldi Süd und Tengelmann (Kaisers und kd) werden auch der Handelsriese METRO und die EDEKA-Gruppe Einweggetränke aus den Regalen nehmen. «Wir werden nur noch Getränke in pfandfreien und Mehrwegverpackungen anbieten», sagte ein Sprecher der METRO AG in Düsseldorf. Rund 1000 Filialen (Real, Extra, Kaufhof, Metro Cash & Carry) seien betroffen. Auch die 3000 EDEKA-Geschäfte, die noch Einweg-Getränke führen, einigten sich auf eine Auslistung. Innerhalb der Tengelmann-Gruppe geht der Discounter Plus aber einen neuen Weg und bietet eine eigene Einwegflasche an.

 


© dpa

Im Streit mit Teilen von Industrie und Handel um das Dosenpfand konnte Umweltminister Jürgen Trittin einen Erfolg verbuchen.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Dosenpfand

Deutsche Umwelthilfe

HDE

 

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