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Weiter Streit ums Dosenpfand: Tengelmann
räumt Dosen aus Regalen
Im Streit um das Dosenpfand
verbannen immer mehr Supermärkte Dosen und Einwegflaschen
aus den Regalen.
Berlin (dpa) - Nach dem Discounter
Aldi-Süd wird nun auch die Tengelmann-Gruppe auf solche pfandpflichtigen
Verpackungen verzichten. «Wir beginnen ab sofort mit der
Auslistung», sagte eine Sprecherin des Mülheimer Konzerns
dem Berliner «Tagesspiegel» (Freitag). Die Union warf
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in der Pfandfrage
einen «sturen Kurs» vor und kündigte an, die
geplante Novelle der Verpackungsverordnung im Bundestag nicht
mitzutragen. Auch im unionsdominierten Bundesrat gilt die Zustimmung
als unsicher.
Zum Tengelmann-Konzern gehören
unter anderem die Supermarktketten Plus und Kaiser's. «Nur,
wenn wir keine Einwegverpackungen anbieten, haben wir kein Problem
mit der Rücknahme», sagte die Sprecherin. Der Aufbau
eines bundesweit einheitlichen Rücknahmesystems für
Einweg- Leergut bis zum 1. Oktober war geplatzt, nachdem Teile
des Handels und der Industrie eine entsprechende Zusage zurückgenommen
hatten. Aldi-Süd hatte vergangene Woche angekündigt,
mit Pflichtpfand belegte Einweg-Getränke in einem Großversuch
in 70 Filialen aus den Regalen zu räumen. Der enorme Mehraufwand
für die Rücknahme und die Pfandauszahlung lohne sich
einfach nicht.
Trittin hatte der Branche am
Mittwoch nach einem Krisentreffen eine letzte Frist bis Ende dieser
Woche gesetzt, um sich zum Aufbau eines Pfandsystems zu bekennen.
Bei weiterer Blockade drohen Bußgelder und Klagen von Wettbewerbern.
Nach Worten des umweltpolitischen
Sprechers der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Peter Paziorek, droht
aus der Pfandpflicht ein «verkapptes Verbot» für
Getränkedosen und Einwegflaschen zu werden. Seine Fraktion
bekenne sich zum Schutz des Mehrwegs, werde aber «diesen
umwelt-, verbraucher- und wirtschaftsfeindlichen Irrweg»
nicht mitgehen. Voraussichtlich noch im Juni soll die neue Verpackungsverordnung
vom Kabinett beschlossen werden. Nach Trittins Plänen sollen
Getränkeverpackungen künftig nicht mehr nach ihrem Inhalt,
sondern grundsätzlich nach ihrer Umweltfreundlichkeit beurteilt
werden.
Absatzeinbußen von bis
zu 80 Prozent
Bei den Bierbrauern hat das Pfand
in diesem Jahr nach eigenen Angaben zu Absatzeinbußen von
bis zu 80 Prozent bei Dosenbier geführt. Privatbrauereien
und große Bierkonzerne rechnen bei einem rückläufigen
Biermarkt in diesem Jahr mit dem Abbau von Arbeitsplätzen.
Bei Tankstellen habe sich der
Absatz von Getränkedosen und anderen Einwegverpackungen halbiert,
sagte ein Sprecher der Privatbrauerei Veltins. Dramatische Geschäftseinbußen
verzeichnen auch die Dosenhersteller: So rechnet der Marktführer
Ball Packaging Europe im ersten Halbjahr 2003 mit Absatzeinbußen
um die 50 Prozent.
Der Vorstandsvorsitzende von Brau
und Brunnen, Michael Hollmann, bezeichnete die Auswirkungen des
Dosenpfands als «verheerend» für die gesamte
Branche. Getränkehersteller und Handel hätten mit einer
«unzumutbaren Rechtsunsicherheit» zu kämpfen,
sagte er der dpa. Bis Ende Mai 2003 seien die Absätze im
Brau und Brunnen-Konzern um 250.000 Hektoliter geschrumpft. Die
Pfandpflicht werde zu einer Auslistung der Dosen im Handel führen.
Die Glasindustrie verzeichnet
seit Januar 2003 einen Rückgang der Einwegabsätze für
Wasser- und Limonadenflaschen um rund 74 Prozent, für Bierflaschen
um 52 Prozent.
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