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Diesel: Trittin reizt «ignorante»
Autoindustrie mit Thema Rußfilter
Mit betont scharfer Kritik
an der deutschen Automobilindustrie hat Bundesumweltminister Jürgen
Trittin den Streit um Rußfilter für Autos mit Dieselmotoren
angeheizt.
Von Hannes Boekhoff, dpa
Wolfsburg (dpa) - «Als
deutscher Umweltminister muss ich natürlich besorgt sein,
wenn die deutsche Industrie ignorant eine neue Technik verschläft»,
sagte Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) der «Financial
Times Deutschland» vom Mittwoch. Den Autoherstellern warf
er zudem «kartellartige Verabredungen» vor, um die
Markteinführung des Filters zu blockieren.
Der Präsident des Verbands
der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, konterte und hielt
Trittin vor, er lasse «schlicht jede Nachhaltigkeit und
Zuverlässigkeit der Politik vermissen, die für langfristige
Investitionen nötig ist». Die für 2005 vorgeschriebenen
Grenzwerte der Euronorm IV würden ohne Filter mit innermotorischen
Lösungen erreicht. Zudem würden die Hersteller «zur
richtigen Zeit» Autos mit Filter anbieten. Die Industrie
lasse sich nicht «in die Blockiererecke stecken» und
als «Gegner der Partikelfilter abstempeln», sagte
Gottschalk am Mittwoch in Wolfsburg auf einem VDA- Technikkongress,
der sich auch mit neuen Treibstoffen befasst.
Der VW-Vorstandsvorsitzende Bernd
Pischetsrieder hieb auf der Veranstaltung in dieselbe Kerbe: «Wenn
jetzt jemand kommt und sagt, man hätte 1999 ein anderes Gesetz
erlassen sollen, dann hat er den Schwarzen Peter und nicht wir.»
Der VW-Chef hat bereits seit längerem ein angriffslustiges
Blitzen in den Augen, sobald von Trittins Vorstößen
die Rede ist. «Ich muss mich schwer bremsen, damit ich nicht
etwas sage, das zwar stimmen würde, aber sehr unfein wäre»,
sagte er kürzlich.
Beim VDA will man es offensichtlich
nicht auf eine frontale Konfrontation mit Trittin ankommen lassen.
Man habe erst in der vergangenen Woche mit Wirtschaftsminister
Wolfgang Clement (SPD) sehr fruchtbare Gespräche geführt.
«In Berlin gibt es zudem nicht nur das Umweltministerium,
sondern auch das Kanzleramt», verwies Gottschalk auf gute
Kontakte zu einer übergeordneten Instanz. Für den VDA
betreibt Trittin schlicht eine durchsichtige Klientelpolitik.
Der Minister dagegen verteidigt
seine Position mit dem Hinweis auf Gefahren durch die feinen Dieselpartikel
für die Gesundheit besonders von Frauen und Kindern. Die
Kleinstteilchen stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Trittin
schlägt deshalb für 2005 eine Euronorm V vor, die den
Einbau von Rußfiltern vorsieht. Flankierend seien steuerliche
Anreize für den Einbau denkbar.
Einen besonderen Kick erhält
die auch von Umweltverbänden angeschobene Diskussion, weil
französische Hersteller Diesel-Autos mit Filtern auf dem
deutschen Markt anbieten. «Da ist eine perfekte PR-Strategie
am Werk», ärgert sich ein Vorstandsmitglied eines namhaften
deutschen Herstellers. «In Frankreich selbst haben die noch
so gut wie kein Auto mit Filter verkauft.» Bei den deutschen
Herstellern wird aber über den europäischen Zaun hinausgeschaut.
Neben VW hat auch DaimlerChrysler
den für Autos mit Dieselmotor bisher so gut wie nicht existierenden
US-Markt im Auge. 2007/2008 könnte es dort strenge Normen
für Diesel geben, die ohne Filter erreicht werden müssen.
Insofern macht es für Hersteller wie VW durchaus Sinn, den
Kunden jetzt selbst 300 bis 400 Euro pro Filter zahlen zu lassen.
In einigen Jahren sind die auch wegen verbesserter Kraftstoffe
ohne Schwefel so gut wie sicher überflüssig.
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