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Dosenpfand: Ernährungsindustrie
beklagt drastische Folgen
Drei Monate nach dem Start
des Dosenpfands hat die Ernährungsindustrie drastische Einbrüche
beim Getränkeabsatz beklagt.
Berlin (dpa) - Die Verluste im
Einwegbereich seien durch die Steigerung bei Mehrweg- Getränkeverpackungen
nicht ausgeglichen worden, teilte die Bundesvereinigung der Deutschen
Ernährungsindustrie (BVE) am Montag in Berlin mit. In den
ersten zwei Monaten des Jahres sei verglichen mit dem Vorjahreszeitraum
insgesamt 9,8 Prozent weniger Bier verkauft worden. Bei kohlensäurehaltigen
Erfrischungsgetränken habe es ein Minus von 14 Prozent gegeben.
Absolute Zahlen nannte der BVE-Vorsitzende
Peter Traumann nicht. Im vergangenen Dezember, dem letzten Monat
vor der Einführung des Pfands, hatten zudem vor allem Discounter-Ketten
ihre Lagerbestände an Getränken in Einweg-Verpackungen
mit zum Teil drastischen Abschlägen verkauft und damit auch
Vorratskäufe ausgelöst.
Mitten in den Vorbereitungen für
den Aufbau eines einheitlichen Pfandsystems betonte Traumann,
angesichts der Entwicklung fordere man weiterhin die Abschaffung
des Pfands. Handel und Industrie haben der Bundesregierung nach
langem Streit den Aufbau eines einheitlichen Rücknahmesystems
bis 1. Oktober zugesagt. Federführend ist dabei inzwischen
die Ernährungsindustrie.
Der BVE-Vorsitzende betonte, die
Wirtschaft habe bislang noch nichts in den Aufbau des Pfandsystems
investiert. Man werde aber trotz der Bedenken alles daran setzen,
dass das zugesagte Rücknahmesystem zum 1. Oktober funktioniert.
Anders als derzeit sollen Verbraucher dann Einweg-Getränkeverpackungen
bei jeder Verkaufsstelle zurückgeben können. Traumann
warnte mit Blick auf die geplante Novellierung der Verpackungsverordnung
vor einer Ausdehnung der Pfandpflicht auf andere Getränkebereiche
wie Milch.
Bundesumweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) lehnt die grundsätzliche Befreiung von
Milch-Verpackungen bei der anstehenden Reform der Dosenpfand-Regeln
allerdings weiterhin ab. In einem der dpa vorliegenden Brief Trittins
an den Milchindustrieverband heißt es zur Begründung:
«Die von Ihnen geforderte ausdrückliche Freistellung
für Milch und Milchprodukte insgesamt widerspricht der umweltpolitischen
Zielsetzung der Pfandregelung.» Man sei aber zum Dialog
über die Ausgestaltung der Regelung bereit.
Trittin betonte in dem Schreiben:
«Im Bereich Konsummilch haben ökologisch vorteilhafte
Verpackungen derzeit einen Marktanteil von mehr als 99 Prozent.
Sie sind und bleiben pfandfrei.»
Traumann beklagte, für viele
der rund 60.000 Beschäftigten in der Brauereiwirtschaft und
Erfrischungsgetränkeindustrie habe die Entwicklung schon
jetzt zu Kurzarbeit geführt. Auch hätten einige Betriebe
der Brauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen bereits Entlassungen
von bis zu 15 Prozent der Beschäftigten angekündigt.
Das Zwangspfand könne insgesamt Tausende von Arbeitsplätzen
kosten.
Trittins Sprecher Michael Schroeren
wies die Aussagen Traumanns als «Dosenblechpropaganda»
zurück. «Wo es zu Kurzarbeit gekommen ist, ist dies
auf unternehmerische Fehlentscheidungen zurückzuführen»,
sagte Schroeren. «Diese Versäumnisse der Getränkebranche
bei der Umsetzung der Pfandpflicht kann man nicht der Politik
in die Schuhe schieben.» Das Dosenpfand habe die Nachfrage
nach Mehrweg gesteigert und die Arbeitsplätze in der Mehrwegbranche
gesichert.
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