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- 31.03.2003 -

 

 

 

 

 

 


 

Dosenpfand: Ernährungsindustrie beklagt drastische Folgen

Drei Monate nach dem Start des Dosenpfands hat die Ernährungsindustrie drastische Einbrüche beim Getränkeabsatz beklagt.

Berlin (dpa) - Die Verluste im Einwegbereich seien durch die Steigerung bei Mehrweg- Getränkeverpackungen nicht ausgeglichen worden, teilte die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) am Montag in Berlin mit. In den ersten zwei Monaten des Jahres sei verglichen mit dem Vorjahreszeitraum insgesamt 9,8 Prozent weniger Bier verkauft worden. Bei kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken habe es ein Minus von 14 Prozent gegeben.

Absolute Zahlen nannte der BVE-Vorsitzende Peter Traumann nicht. Im vergangenen Dezember, dem letzten Monat vor der Einführung des Pfands, hatten zudem vor allem Discounter-Ketten ihre Lagerbestände an Getränken in Einweg-Verpackungen mit zum Teil drastischen Abschlägen verkauft und damit auch Vorratskäufe ausgelöst.

Mitten in den Vorbereitungen für den Aufbau eines einheitlichen Pfandsystems betonte Traumann, angesichts der Entwicklung fordere man weiterhin die Abschaffung des Pfands. Handel und Industrie haben der Bundesregierung nach langem Streit den Aufbau eines einheitlichen Rücknahmesystems bis 1. Oktober zugesagt. Federführend ist dabei inzwischen die Ernährungsindustrie.

Der BVE-Vorsitzende betonte, die Wirtschaft habe bislang noch nichts in den Aufbau des Pfandsystems investiert. Man werde aber trotz der Bedenken alles daran setzen, dass das zugesagte Rücknahmesystem zum 1. Oktober funktioniert. Anders als derzeit sollen Verbraucher dann Einweg-Getränkeverpackungen bei jeder Verkaufsstelle zurückgeben können. Traumann warnte mit Blick auf die geplante Novellierung der Verpackungsverordnung vor einer Ausdehnung der Pfandpflicht auf andere Getränkebereiche wie Milch.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) lehnt die grundsätzliche Befreiung von Milch-Verpackungen bei der anstehenden Reform der Dosenpfand-Regeln allerdings weiterhin ab. In einem der dpa vorliegenden Brief Trittins an den Milchindustrieverband heißt es zur Begründung: «Die von Ihnen geforderte ausdrückliche Freistellung für Milch und Milchprodukte insgesamt widerspricht der umweltpolitischen Zielsetzung der Pfandregelung.» Man sei aber zum Dialog über die Ausgestaltung der Regelung bereit.

Trittin betonte in dem Schreiben: «Im Bereich Konsummilch haben ökologisch vorteilhafte Verpackungen derzeit einen Marktanteil von mehr als 99 Prozent. Sie sind und bleiben pfandfrei.»

Traumann beklagte, für viele der rund 60.000 Beschäftigten in der Brauereiwirtschaft und Erfrischungsgetränkeindustrie habe die Entwicklung schon jetzt zu Kurzarbeit geführt. Auch hätten einige Betriebe der Brauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen bereits Entlassungen von bis zu 15 Prozent der Beschäftigten angekündigt. Das Zwangspfand könne insgesamt Tausende von Arbeitsplätzen kosten.

Trittins Sprecher Michael Schroeren wies die Aussagen Traumanns als «Dosenblechpropaganda» zurück. «Wo es zu Kurzarbeit gekommen ist, ist dies auf unternehmerische Fehlentscheidungen zurückzuführen», sagte Schroeren. «Diese Versäumnisse der Getränkebranche bei der Umsetzung der Pfandpflicht kann man nicht der Politik in die Schuhe schieben.» Das Dosenpfand habe die Nachfrage nach Mehrweg gesteigert und die Arbeitsplätze in der Mehrwegbranche gesichert.

 

 Mehr Informationen:

BVE

BMU: Dosenpfand

Deutsche Umwelthilfe

HDE

vista verde special: Dosenpfand

 

 Lesen Sie auch:

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