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- 14.02.2003 -

 

 

 

 


 

Trittin: Lkw-Hersteller unterlaufen Grenzwerte durch Manipulation

Lastwagen auf deutschen Straßen stoßen nach Erkenntnissen des Bundesumweltministeriums seit Jahren mehr giftige Stickoxide aus als erlaubt.

Berlin (dpa) - Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) warf den Lkw-Herstellern vor, die Grenzwerte-Bestimmungen durch Manipulation der Motoren gezielt zu unterlaufen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Lastwagenhersteller MAN Nutzfahrzeuge wiesen das am Donnerstag zurück.

Trittins Ministerium kritisierte, die Industrie habe «offenbar mit Hilfe moderner elektronischer Motorregelung die Messvorschriften der Euro-II-Norm systematisch umgangen». Dadurch hielten Euro-II-Lkw zwar im vorgeschriebenen Test die Grenzwerte ein, nicht aber im Praxisbetrieb auf der Straße. Im Vergleich zur Euro-I-Norm stoßen die neueren Lkw-Motoren nach einer Untersuchung des Umweltbundesamtes im Auftrag des Ministeriums nicht wie vorgeschrieben ein Viertel weniger, sondern bis zu 30 Prozent mehr Stickoxide aus.

Für Lastwagen, die die Euro-II-Norm erfüllen, werden deutlich weniger Steuern als für Euro-I-Lkw fällig. Nach Angaben des Ministeriums steigt bei der Einhaltung der Stickoxid-Grenzwerte der Spritverbrauch, damit erhöhen sich die Kosten für die Transportunternehmen.

Weder dem VDA noch MAN lagen nach eigenen Angaben Ergebnisse der Studie vor. Ein MAN-Sprecher betonte aber in München: «Wir haben unsere Motoren nicht manipuliert.» MAN halte sich an die Grenzwerte, ohne dabei zu tricksen. Es sei außerdem unklar, auf welcher Grundlage die Vorwürfe Trittins beruhen. «Uns liegen keine Daten vor.» DaimlerChrysler wollte keine Stellungnahme zu der Studie abgeben, da sie nicht bekannt sei.

In einem der dpa vorliegenden Brief wirft Trittin dem VDA- Präsidenten Bernd Gottschalk einen «Vertrauensschaden» vor. «Die Bevölkerung ist davon ausgegangen, dass sich mit der Einführung von Euro-II-Fahrzeugen das Emissionsverhalten verbessert», heißt es in dem Schreiben. «Das ist leider nicht eingetreten.»

Der VDA hatte nach Angaben des Ministeriums ein für Freitag vergangener Woche geplantes Treffen kurzfristig abgesagt. Der Verbandssprecher sagte hingegen: «Wir haben das Gesprächsangebot nicht zurückgewiesen, sondern unser Geschäftsführer hatte an diesem Tag keine Zeit.»

Die Euro-II-Motoren werden zwar nicht mehr produziert, von ihnen wird aber immer noch 60 Prozent der Lkw-Fahrleistung auf deutschen Straßen erbracht. Seit Oktober 2000 ist die Euro-III-Norm verbindlich festgeschrieben. Das Ministerium forderte die Hersteller nun auf, Nachweise zu liefern, wie hoch die Schadstoffemissionen von Euro-III- Fahrzeugen im realen Straßenbetrieb sind.

Stickoxide tragen wesentlich zur Ozon-Belastung im Sommer bei. Deutschland hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2010 eine bestimmte Stickoxid-Obergrenze einzuhalten. «Hierbei entsteht durch die nun als falsch erkannten Emissionsfaktoren - beziehungsweise durch die gebrochene Zusage der Industrie, diese Kenngrößen einzuhalten - eine Deckungslücke», kritisierte das Ministerium. «Nach vorläufigen Berechnungen würde das Stickoxid-Minderungsziel für das Jahr 2010 um rund 75 000 Tonnen verfehlt werden.»

Die Grenzwertstufe Euro-II für Lkw-Motoren wurde 1991 beschlossen. Sie trat im Oktober 1995 für neue Motortypen und ein Jahr später für alle Motoren in Kraft.

 


© ArtToday

Lastwagen auf deutschen Straßen stoßen nach Erkenntnissen des Umweltministeriums seit Jahren mehr giftige Stickoxide aus als erlaubt.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Verkehr: Hintergrundpapier (pdf)

VDA

MONITOR

vista verde: Verkehr

 

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