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EU-Agrarreform zum Anbeißen:
besserer Schinken und billigere Milch
Eine Agrarreform zum Anbeißen
verheißt EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler den
Verbrauchern in Europa.
Von Jörg Berendsmeier, dpa
Brüssel (dpa) - Mit seinen
Vorschlägen für eine Wende von der hochsubventionierten
Massenproduktion hin zu mehr Wettbewerb und Qualität könnte
der Schinken zukünftig noch leckerer schmecken und die Milch
billiger werden. «Die Landwirte können mit neuen EU-Beihilfen
rechnen, (...) mit denen Qualitätslebensmittel und traditionelle
Erzeugnisse gefördert werden», erklärt der wohlgenährte
Kommissar.
Zukünftig werden Bauern
ihr Augenmerk stärker auf die Gesundheit ihres Viehs richten
müssen, wollen sie ihre Prämien aus den Brüsseler
Töpfen bekommen. Denn nicht mehr für Masse, sondern
für Klasse will Fischler zahlen. Wird nach seinen Plänen
etwa ein Landwirt dabei erwischt, dass er seinen Schweinen verbotene
Wachstumsförderer spritzt, muss er mit weit reichenden Konsequenzen
für sein Einkommen rechnen. Je nach der Schwere des Verstoßes
kann die Strafe darin bestehen, dass die Beihilfen des bösen
Bauern gekürzt werden - von 10 Prozent bis zur völligen
Streichung reicht die Strafliste.
Andererseits könnten Agrarproduzenten
bei Umsetzung der Vorschläge Extrageld von der EU bekommen,
wenn sie an Programmen «zur Hebung der Qualität landwirtschaftlicher
Erzeugnisse» teilnehmen. Auch zur Werbung für Schinken
oder Käse, im Rahmen solcher Programme hergestellt, würde
der Bauer eigens unterstützt.
Außerdem werden Landwirten
Beihilfen bis zu 10.000 Euro pro Jahr in Aussicht gestellt, damit
sie ihre Betriebe an die EU-Standards über Umwelt- und Tierschutz
anpassen. Wer seinen Betrieb beim Tierschutz über diese Normen
hinaus verbessert, wird nochmals gefördert.
Zu den Vorschlägen aus Brüssel
gehört außerdem eine Reform für den Milchsektor.
Hier sollen die Stützpreise für Butter und Milch verringert
werden. Nach Ansicht von Experten könnten Milchprodukte für
den Endverbraucher damit preiswerter werden.
Einem solchen Ansinnen aber kann
Bauerpräsident Gerd Sonnleitner nichts abgewinnen. Die geplanten
Preissenkungen würden den deutschen Landwirten Milliarden
an Einbußen bescheren. «Das wäre das Aus für
viele bäuerliche Betriebe in Deutschland», sagt er.
Ob er Recht bekommt oder nicht,
wird sich erst in Jahren erweisen. Zunächst werden nun die
EU-Agrarminister Kompromisse über das zukünftige Wohl
oder Weh von Bauer und Verbraucher finden müssen.
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