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- 22.01.2003 -

 

 

 

 

 



 

EU-Agrarreform zum Anbeißen:
besserer Schinken und billigere Milch

Eine Agrarreform zum Anbeißen verheißt EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler den Verbrauchern in Europa.

Von Jörg Berendsmeier, dpa

Brüssel (dpa) - Mit seinen Vorschlägen für eine Wende von der hochsubventionierten Massenproduktion hin zu mehr Wettbewerb und Qualität könnte der Schinken zukünftig noch leckerer schmecken und die Milch billiger werden. «Die Landwirte können mit neuen EU-Beihilfen rechnen, (...) mit denen Qualitätslebensmittel und traditionelle Erzeugnisse gefördert werden», erklärt der wohlgenährte Kommissar.

Zukünftig werden Bauern ihr Augenmerk stärker auf die Gesundheit ihres Viehs richten müssen, wollen sie ihre Prämien aus den Brüsseler Töpfen bekommen. Denn nicht mehr für Masse, sondern für Klasse will Fischler zahlen. Wird nach seinen Plänen etwa ein Landwirt dabei erwischt, dass er seinen Schweinen verbotene Wachstumsförderer spritzt, muss er mit weit reichenden Konsequenzen für sein Einkommen rechnen. Je nach der Schwere des Verstoßes kann die Strafe darin bestehen, dass die Beihilfen des bösen Bauern gekürzt werden - von 10 Prozent bis zur völligen Streichung reicht die Strafliste.

Andererseits könnten Agrarproduzenten bei Umsetzung der Vorschläge Extrageld von der EU bekommen, wenn sie an Programmen «zur Hebung der Qualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse» teilnehmen. Auch zur Werbung für Schinken oder Käse, im Rahmen solcher Programme hergestellt, würde der Bauer eigens unterstützt.

Außerdem werden Landwirten Beihilfen bis zu 10.000 Euro pro Jahr in Aussicht gestellt, damit sie ihre Betriebe an die EU-Standards über Umwelt- und Tierschutz anpassen. Wer seinen Betrieb beim Tierschutz über diese Normen hinaus verbessert, wird nochmals gefördert.

Zu den Vorschlägen aus Brüssel gehört außerdem eine Reform für den Milchsektor. Hier sollen die Stützpreise für Butter und Milch verringert werden. Nach Ansicht von Experten könnten Milchprodukte für den Endverbraucher damit preiswerter werden.

Einem solchen Ansinnen aber kann Bauerpräsident Gerd Sonnleitner nichts abgewinnen. Die geplanten Preissenkungen würden den deutschen Landwirten Milliarden an Einbußen bescheren. «Das wäre das Aus für viele bäuerliche Betriebe in Deutschland», sagt er.

Ob er Recht bekommt oder nicht, wird sich erst in Jahren erweisen. Zunächst werden nun die EU-Agrarminister Kompromisse über das zukünftige Wohl oder Weh von Bauer und Verbraucher finden müssen.

 

 Mehr Informationen:

EU-Kommission: Landwirtschaft

Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

Deutscher Bauernverband

vista verde: Landwirtschaft

 

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