|
Milliardengeschäft Dosen-Rücknahme:
High Tech gegen Betrüger
Aus der ungeliebten Wegwerfdose
ist ein lukratives Milliardengeschäft geworden: Bis Oktober
soll ein bundesweit einheitliches Rücknahme-System das Chaos
beim Dosenpfand beseitigen.
Von Tim Braune, dpa
Düsseldorf (dpa) - Die am
Rastplatz gekaufte Cola-Dose könnte nach Einführung
eines einheitlichen Rücknahme-Systems dann auch beim Supermarkt
um die Ecke eingelöst werden. Die Automatenindustrie reibt
sich die Hände. Das Aufstellen von 40.000 neuen Pfandautomaten
und das Umrüsten bestehender Maschinen wird den Handel zwischen
1 und 2,5 Milliarden Euro kosten.
«Der Handel weiß,
jetzt tickt die Uhr. Noch ist aber nicht zu erkennen, dass die
großen Spieler wie METRO, Aldi oder Lidl zu einer einheitlichen
Lösung kommen wollen», sagt der Geschäftsführer
des Bundesverbands der deutschen Vending-Automatenwirtschaft (BDV),
Gerd Monßen.
Die Zeit drängt, denn neben
dem Unmut der Verbraucher wächst auch der politische Druck.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) will noch
im Januar mit den Ländern über die Erweiterung der Verpackungsverordnung
beraten. Im Gespräch ist ein generelles Pfand auf alle Getränkedosen
und Einwegflaschen. Im vergangenen Jahr wurden 15 Milliarden Einwegverpackungen
verkauft, davon 7,7 Milliarden Dosen, 5,5 Milliarden PET (Plastik)-
und 1,8 Milliarden Glasflaschen.
Einig sind sich alle Handelskonzerne,
dass es eine zentrale Clearingstelle zum Abrechnen und Auszahlen
der Milliarden- Pfandbeträge geben muss. «Auch brauchen
wir ein einheitliches Label auf alle bepfandeten Dosen und Plastikflaschen»,
sagt der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen
Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr.
Noch ist aber völlig offen,
welche Automaten aufgestellt, wie die Dosen gekennzeichnet und
Sicherheitslücken eingedämmt werden sollen. Die vom
Handel und Brauereien beauftragte Unternehmensberatung Roland
Berger warnt beim Dosenpfand vor einem möglichen Betrugsrisiko
in dreistelliger Millionenhöhe. Zusätzliche Sicherheitssysteme
auf den Verpackungen seien notwendig.
Abfüller könnten zu
geringe Mengen an die zuständigen Abrechnungsstellen melden,
Verbraucher Kennzeichnungen fälschen oder Dosen aus dem Ausland
einlösen. Der weltgrößte Automatenhersteller Tomra
Systems ASA setzt daher auf Automaten, die sich besonders in Schweden,
seit 1984 Musterland des Dosenpfands, bewährt haben.
«Der Rücknahmeautomat
identifiziert Barcode, Form, Gewicht, Material und Herstellerland
und zahlt das Pfand für jede anerkannte Dose aus. Noch in
der Maschine wird die Dose zerdrückt, so dass sie nicht noch
ein zweites Mal zurückgegeben werden kann», berichtet
der norwegische Konzern, der sein Deutschland-Geschäft in
Hilden bei Düsseldorf steuert.
Eine andere Lösung bietet
die Deutsche Pfand AG an. Die Viersener RWE-Tochter will die bereits
existierenden 80.000 Altglascontainer nutzen. Zusätzlich
sollen 20.000 Spezial-Container für PET-Flaschen und Dosen
aufgestellt werden. Bevor der Verbraucher die Dose einwirft, muss
er wie bei einem Rubbellos eine vom Getränkehersteller aufgedruckte
Pfandmarke frei kratzen.
Ein Lesegerät am Deckel
des Containers gleicht die Daten des Labels mit einer Datenbank
ab und schreibt das Pfand auf einer Pfandkarte oder der EC-Karte
gut. Kiosk-Besitzer kommen mit einem kleinen Handscanner aus.
Dieser prüft das Pfandlabel und gibt es zur Bar-Auszahlung
frei. Gleichzeitig wird der Betrag dem Kioskbesitzer von der Clearingstelle
gutgeschrieben. So kann auch ein Tante Emma- Laden hunderte Dosen
annehmen, ohne dass die Kasse gesprengt wird.
|