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- 17.12.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Ab Januar: Aldi nimmt bundesweit alle Getränkedosen aus den Regalen

Nach dem Start des Dosenpfands in zwei Wochen wird der Lebensmittel-Discounter Aldi bis auf weiteres keine Getränkedosen mehr verkaufen.

Berlin (dpa) - Für Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff werde man ab 2. Januar ein Pfand von 25 Cent kassieren, teilten Aldi Nord und Aldi Süd am Dienstag mit. Zur Rücknahme des Leerguts werde bundesweit ein eigenes Pfandsystem eingeführt. Weitere Handelsketten kündigten in einer dpa-Umfrage an, Getränke in Einweg-Verpackungen ganz aus den Regalen zu nehmen oder bis zum Start der Pfandpflicht am 1. Januar Rücknahmesysteme aufzubauen.

Das Bundesverfassungsgericht will möglicherweise noch vor dem geplanten Start des Dosenpfands in zwei Wochen über neue Eilanträge der Pfandgegner entscheiden. Ein Termin solle noch diese Woche verkündet werden, teilte Gerichtssprecherin Gudrun Schraft-Huber in Karlsruhe mit. Mit ihren Eilanträgen vom Montag wollen Rewe-Händler erreichen, dass die Pfandpflicht bis zu einer Grundsatzentscheidung ausgesetzt wird.

Parallel versuchen Pfandgegner beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit einem Eilantrag, den Start des Pfandes am 1. Januar zu verhindern. Auch hier wird in den kommenden Tagen mit einer ersten Entscheidung gerechnet.

Mehrere Übergangslösungen

Bislang ist noch ungeklärt, wann es ein bundesweit einheitliches Pfandsystem geben wird. Karstadt, Tengelmann und Kaiser's planen ein Rücknahmesystem für Dosen und Einwegflaschen. Deutschlands führende Warenhauskette Karstadt will beim Pfand zunächst eine Übergangslösung mit einer manuellen Rücknahme umsetzen. Die Marktkauf-Kette nimmt zum 1. Januar Getränke in Einweg-Verpackungen komplett aus den Regalen.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) warf den Pfandgegnern aus Handel und Industrie vor, den Aufbau eines bundesweit einheitlichen Rückgabesystem zu verzögern. Obwohl ihnen von der Bundesregierung mehr Zeit als vorgeschrieben zur Vorbereitung gegeben worden sei, hätten Handel und Getränkewirtschaft es versäumt, rechtzeitig ein System aufzubauen, erklärte Trittin.

Getränkeindustrie: 20.000 Arbeitsplätze gefährdet

Der pünktliche Start des Dosenpfands gefährdet nach Aussage mehrerer Verbände der Getränkeindustrie 20.000 Arbeitsplätze. Schon jetzt zwängen Lieferstopps und der von Händlern angekündigte Verzicht auf Getränke in Einweg-Verpackungen viele Unternehmen, Kurzarbeit anzumelden oder Schichten zu streichen. Der Deutsche Brauer-Bund, der Verband deutscher Mineralbrunnen und die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreier Getränke forderten, die Pfandpflicht auszusetzen. Auch Deutschlands größter Getränkedosen-Produzent Schmalbach-Lubeca schließt Kurzarbeit wegen spürbarer Auftragsrückgänge nicht mehr aus.

Trittin erklärte: «Nicht akzeptabel ist, wenn Handel und Getränkewirtschaft mit dem Verweis auf eine nicht existierende Verfügung des Bundeskartellamts den Aufbau eines bundesweiten Rücknahmesystems auf die lange Bank schieben.» Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hatte den Aufbau eines Pfandsystems am Montag für gescheitert erklärt. Als Grund dafür nannte der HDE eine Verfügung des Bundeskartellamts, die es aber nach Aussage der Bonner Kartellwächter nicht gibt.

Die Pfandpflicht betrifft zunächst Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltige Getränke wie Limonade oder Cola. Für Dosen und Einweg-Flaschen wird ein Pfand von 25 Cent fällig, bei mehr als 1,5 Liter Inhalt sind es 50 Cent.

 

 Mehr Informationen:

BMU: Fragen und Antworten zum Dosenpfand (pdf)

HDE

Deutsche Umwelthilfe

Aktion "Freie Fahrt pro Mehrweg"

DIE ZEIT: Tanz um die Dose

 

 Lesen Sie auch:

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