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Einhüllen-Tanker: Eine Gefahr für
die Weltmeere
Ohne die Tanker würde
die Versorgung Europas mit Öl sehr schnell zusammenbrechen.
Doch die meisten dieser Schiffe haben nur eine Hülle und
sind deshalb - wie die «Prestige» - eine Gefahr für
die Meere.
Von Eckart Gienke, dpa
Hamburg (dpa) - Wieder einmal
ist ein Tanker auf dem Meer zerbrochen und wieder verschmutzen
zehntausende von Tonnen Öl die empfindliche maritime Umwelt.
Auch schärfere Vorschriften überstaatlicher Institutionen
wie der internationalen Meeres- Organisation IMO können nicht
verhindern, das Schiffe im Sturm leckschlagen. «Das ist
das Risiko der Schifffahrt», sagt Claus-Peter Davenport
von der Klassifikationsgesellschaft Germanischer Lloyd. Die «Prestige»,
die am Dienstag im Atlantik zu versinken drohte, war nach den
bisherigen Kenntnissen einwandfrei gewartet und gepflegt und hatte
ihre letzten Inspektionen ohne größere Beanstandungen
überstanden.
Über die Weltmeere fahren
rund 1800 große Öltanker, dazu knapp 5200 kleinere
Produktentanker, 3000 Chemikalien- und Flüssigtanker sowie
mehr als 1000 Gastanker. Sie beliefern die Industrieländer
mit Energie - ohne die Tankschifffahrt würde die Versorgung
Europas mit Öl sehr schnell zusammenbrechen. Die meisten
dieser Schiffe haben nur eine Hülle und sind deshalb - wie
die «Prestige» - eine Gefahr für die Meere.
Seit einem IMO-Beschluss von
1993 dürfen nur noch Tanker mit einer doppelten Schiffshülle
gebaut werden. Das hat den Vorteil, das bei einer Beschädigung
des Schiffsrumpfes, sei es durch den Seegang in einem Sturm oder
durch die Kollision mit einem Hindernis, zunächst nur die
äußere Hülle beschädigt wird und kein Öl
austritt. Das Schiff bleibt schwimm- und manövrierfähig.
«Die Doppelhülle ist eine gravierende Verbesserung
zur Vermeidung von Umweltschäden», sagt Davenport.
Auch bei der «Prestige» hätte eine doppelte Hülle
das Unglück vermutlich verhindert.
Doch wird noch mehr als ein Jahrzehnt
vergehen, ehe die modernen Doppelhüllen-Tanker die alten
Schiffe verdrängt haben. Die «Prestige» war 26
Jahre alt, das Durchschnittsalter der Tanker-Weltflotte beträgt
je nach Typ 15 bis 20 Jahre. Die wirtschaftliche Lebensdauer eines
Tankschiffs wird je nach Wartung und Pflege auf rund 30 Jahre
veranschlagt, ehe der Betrieb sich nicht mehr lohnt. Mit vorzeitigen
Abwrackungen durch die Tankreeder ist nicht zu rechnen, denn ein
Schiff fährt in seinen letzten Jahren, wenn es ausfinanziert
und abgeschrieben ist, die höchsten Gewinne ein.
Rechtlich ist weder dem Reeder,
noch dem Kapitän, noch Spanien oder Portugal ein Vorwurf
aus dem Unglück zu machen. Die beiden Staaten auf der iberischen
Halbinsel hatten nach Einschätzung des Hamburger Seerechts-Professors
Rainer Lagoni das Recht, den Havaristen abzuweisen, um ihre Küsten
vor der Gefahr einer noch stärkeren Verölung zu schützen.
So wird am Ende der Schaden an den Versicherungsunternehmen hängen
bleiben - und an der Natur.
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