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USA: Ein kleines Solardorf leistet Widerstand
im Ölland
Im Rahmen eines Hochschulwettbewerbs
wurde direkt vor dem Kapitol in Washington ein kleines Solardorf
aufgebaut. Es soll den Amerikanern beweisen, dass Solarenergie
eine machbare Alternative zu Öl und Gas ist.
Von Thomas Müller, dpa
Washington (dpa) - Ein wenig
erinnert das kleine Dorf an Asterix. So wie die rebellischen Gallier
gegen die Römer Widerstand leisten, so kämpfen die Bewohner
des Washingtoner Solardorfes gegen die Energieverschwendung in
den USA. Die Bewohner der 14 kleinen Häuser, die direkt vor
dem US-Kapitol aufgebaut sind, wollen den Amerikanern beweisen,
dass Solarenergie eine machbare Alternative zu Öl und Gas
ist - und dass Solarhäuser schön und gemütlich
sein können.
Das Dorf ist die Idee eines unkonventionellen
Beamten des US- Energieministeriums. Nachdem er jahrelang Solarauto-Rennen
organisiert hatte, kam Richard King diese Idee. Er überredete
sein Ministerium, den ersten Solarhaus-Wettbewerb zu organisieren.
Dann wandte er sich an die besten Universitäten des Landes
und forderte sie auf, funktionierende Solarhäuser zu bauen,
die an den Geschmack des amerikanischen Massenpublikums appellieren
sollten.
Ende September wurde das Dorf
schließlich vor dem Kapitol, nur wenige Gehminuten vom Weißen
Haus, aufgebaut und seitdem herrscht dort reges Leben. Die Bewohner
der mit modernsten Solarzellen bedeckten Häuser leben ein
ganz normales Leben: Sie duschen, kochen im Mikrowellenherd, spülen
ihr Geschirr in Energie sparenden finnischen Spülmaschinen,
waschen ihre Wäsche, arbeiten am Computer, schauen TV und
fahren am Abend mit ihren kleinen Elektroautos, die über
die hauseigenen Solarzellen aufgetankt werden, zum Einkaufen.
Und für den Fall einer Schlechtwetterfront muss die Energie
für all diese normalen Aktivitäten vier bis fünf
Tage halten.
Das Interesse ist riesig. Seit
Ende September kamen zehntausende Menschen, um sich die Häuser
anzuschauen. Ein Favorit beim Publikum war dabei ein typisch amerikanisches
Haus, das die Studenten des Crowder College in Missouri ganz bewusst
als Basishaus angelegt haben. Kaum etwas ist eine Sonderanfertigung:
Fenster, Fußböden, Wandverkleidungen, sogar die Whirlpool-Badewanne
- alles lässt sich im örtlichen Baumarkt kaufen.
Sehr beliebt war auch das Haus
der University of Colorado, das mit seinen hellen, freundlichen
Wänden und Möbeln wie aus dem Ikea- Katalog wirkt. Doch
nichts kommt aus dem Katalog. Von Tischplatten aus recycelten
Zeitungen über die Wandisolierung aus gepressten Plastikresten
bis zum Bambusboden ist alles radikal umweltverträglich ausgelegt.
«Wir wollten einen Schritt weiter gehen und beweisen, dass
ein Solarhaus nicht nur schön sein, sondern auch noch aus
umweltverträglichen Materialien gebaut werden kann»,
sagt der Architekturstudent Ryan Phillip.
Dorf-«Bürgermeister»
Richard King ist sichtlich stolz auf sein Werk. Er verweist darauf,
dass nicht nur mehrere Kongressabgeordnete vom Kapitolhügel
herunter ins Dorf kamen, sondern auch einige größere
Baufirmen bereits Interesse bekundeten. Er hofft, dass sein kleines
Dorf zu einer Trendwende in den USA beiträgt.
Noch sind die USA das Land der
großen Energieverschwender. Billiges Benzin und billiger
Strom bringen kaum einen Amerikaner auf die Idee, in ihre Häuser
Doppelfenster einzubauen oder auf kleinere Autos umzusteigen.
Und so verbrauchen nach Schätzungen der Umweltorganisation
Greenpeace die Amerikaner allein ein Viertel der weltweiten Erdölproduktion.
Zwar gibt es auf Ebene der Bundesstaaten
bescheidene Versuche, erneuerbare Energie zu fördern, doch
die US-Regierung hält sich stark zurück, und Umweltexperten
erwarten unter Präsident George W. Bush keine Änderung.
So beklagen die Organisatoren des Solardorfes, dass es keinerlei
Steueranreize für den Kauf von Solartechnologie gibt.
Doch die Studenten wollen sich
trotz der geringen Anerkennung ihrer Arbeit durch den Staat nicht
davon abbringen lassen. Monty Pugh Towe verweist stolz auf das
Haus des Crowder Colleges und erklärt: «Das hier ist
die Zukunft». Er hat durch das Projekt genug gelernt, um
demnächst das Haus seiner Eltern auf Solartechnologie umzustellen.
Andere Studenten erklärten, sie wollten ihre Kenntnisse nun
nutzen, um nach dem Abbau des Dorfes Solarfirmen zu gründen.
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