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- 07.10.2002 -

 

 

 

 

 


 

USA: Ein kleines Solardorf leistet Widerstand im Ölland

Im Rahmen eines Hochschulwettbewerbs wurde direkt vor dem Kapitol in Washington ein kleines Solardorf aufgebaut. Es soll den Amerikanern beweisen, dass Solarenergie eine machbare Alternative zu Öl und Gas ist.

Von Thomas Müller, dpa

Washington (dpa) - Ein wenig erinnert das kleine Dorf an Asterix. So wie die rebellischen Gallier gegen die Römer Widerstand leisten, so kämpfen die Bewohner des Washingtoner Solardorfes gegen die Energieverschwendung in den USA. Die Bewohner der 14 kleinen Häuser, die direkt vor dem US-Kapitol aufgebaut sind, wollen den Amerikanern beweisen, dass Solarenergie eine machbare Alternative zu Öl und Gas ist - und dass Solarhäuser schön und gemütlich sein können.

Das Dorf ist die Idee eines unkonventionellen Beamten des US- Energieministeriums. Nachdem er jahrelang Solarauto-Rennen organisiert hatte, kam Richard King diese Idee. Er überredete sein Ministerium, den ersten Solarhaus-Wettbewerb zu organisieren. Dann wandte er sich an die besten Universitäten des Landes und forderte sie auf, funktionierende Solarhäuser zu bauen, die an den Geschmack des amerikanischen Massenpublikums appellieren sollten.

Ende September wurde das Dorf schließlich vor dem Kapitol, nur wenige Gehminuten vom Weißen Haus, aufgebaut und seitdem herrscht dort reges Leben. Die Bewohner der mit modernsten Solarzellen bedeckten Häuser leben ein ganz normales Leben: Sie duschen, kochen im Mikrowellenherd, spülen ihr Geschirr in Energie sparenden finnischen Spülmaschinen, waschen ihre Wäsche, arbeiten am Computer, schauen TV und fahren am Abend mit ihren kleinen Elektroautos, die über die hauseigenen Solarzellen aufgetankt werden, zum Einkaufen. Und für den Fall einer Schlechtwetterfront muss die Energie für all diese normalen Aktivitäten vier bis fünf Tage halten.

Das Interesse ist riesig. Seit Ende September kamen zehntausende Menschen, um sich die Häuser anzuschauen. Ein Favorit beim Publikum war dabei ein typisch amerikanisches Haus, das die Studenten des Crowder College in Missouri ganz bewusst als Basishaus angelegt haben. Kaum etwas ist eine Sonderanfertigung: Fenster, Fußböden, Wandverkleidungen, sogar die Whirlpool-Badewanne - alles lässt sich im örtlichen Baumarkt kaufen.

Sehr beliebt war auch das Haus der University of Colorado, das mit seinen hellen, freundlichen Wänden und Möbeln wie aus dem Ikea- Katalog wirkt. Doch nichts kommt aus dem Katalog. Von Tischplatten aus recycelten Zeitungen über die Wandisolierung aus gepressten Plastikresten bis zum Bambusboden ist alles radikal umweltverträglich ausgelegt. «Wir wollten einen Schritt weiter gehen und beweisen, dass ein Solarhaus nicht nur schön sein, sondern auch noch aus umweltverträglichen Materialien gebaut werden kann», sagt der Architekturstudent Ryan Phillip.

Dorf-«Bürgermeister» Richard King ist sichtlich stolz auf sein Werk. Er verweist darauf, dass nicht nur mehrere Kongressabgeordnete vom Kapitolhügel herunter ins Dorf kamen, sondern auch einige größere Baufirmen bereits Interesse bekundeten. Er hofft, dass sein kleines Dorf zu einer Trendwende in den USA beiträgt.

Noch sind die USA das Land der großen Energieverschwender. Billiges Benzin und billiger Strom bringen kaum einen Amerikaner auf die Idee, in ihre Häuser Doppelfenster einzubauen oder auf kleinere Autos umzusteigen. Und so verbrauchen nach Schätzungen der Umweltorganisation Greenpeace die Amerikaner allein ein Viertel der weltweiten Erdölproduktion.

Zwar gibt es auf Ebene der Bundesstaaten bescheidene Versuche, erneuerbare Energie zu fördern, doch die US-Regierung hält sich stark zurück, und Umweltexperten erwarten unter Präsident George W. Bush keine Änderung. So beklagen die Organisatoren des Solardorfes, dass es keinerlei Steueranreize für den Kauf von Solartechnologie gibt.

Doch die Studenten wollen sich trotz der geringen Anerkennung ihrer Arbeit durch den Staat nicht davon abbringen lassen. Monty Pugh Towe verweist stolz auf das Haus des Crowder Colleges und erklärt: «Das hier ist die Zukunft». Er hat durch das Projekt genug gelernt, um demnächst das Haus seiner Eltern auf Solartechnologie umzustellen. Andere Studenten erklärten, sie wollten ihre Kenntnisse nun nutzen, um nach dem Abbau des Dorfes Solarfirmen zu gründen.

 


© National Renewable Energy Laboratory

Das "Solardorf" vor dem US-Kapitol in Washington.

 

 Mehr Informationen:

Solar Decathlon

vista verde: Solarenergie

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