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Geothermie: Pilotkraftwerk in Betrieb
genommen
In Altheim in Oberösterreich
ging das erste geothermische Stromkraftwerk nördlich der
Alpen in Betrieb. Kernstück der Anlage ist eine neuentwickelte
Turbine, die sich bereits mit Temperaturen um 100 Grad Celsius
begnügt, um daraus knapp ein Megawatt elektrischen Strom
zu erzeugen.
(jkm) - In Altheim wird bereits
seit mehreren Jahren 104 Grad Celsius heißes Wasser aus
einer Tiefe von mehr als 2000 Metern gefördert. Ein Fernwärmenetz
versorgt damit rund 2000 Menschen mit sauberer Heizenergie aus
der Tiefe. Künftig wird das Stromkraftwerk zwischengeschaltet.
Das Wasser, dass dann die Turbine verlässt, ist immer noch
heiß genug, um die Altheimer Haushalte zu beheizen, versprechen
die Entwickler.
Um die Wärmeversorgung erweitern
und die Stromproduktion einrichten zu können, wurde eine
zweite Bohrung abgeteuft. Eine dient nun dazu, das heiße
Wasser an die Oberfläche zu holen, über die zweite wird
es ausgekühlt wieder in den Untergrund verpresst.
Das unscheinbare Kraftwerk befindet
sich in einem kleineren Gebäude mitten im Ort, am Rande eines
Parkplatzes hinter dem Rathaus. Auffällig sind allein die
beiden der Anlage vorgelagerten Köpfe von Förder- und
Verpresssonde. Das Thermalwasser wird, nachdem es aus der Tiefe
gefördert und in Strom- und Wärmeversorgung ausgekühlt
wurde, wieder in den Untergrund zurückgeschickt, um das hydraulische
Gleichgewicht in der Wasser führenden Schicht zu erhalten.
Das Vorhaben wurde in einem internationalen
Forschungsverbund mit Beteiligten aus Österreich, Deutschland,
Italien und Frankreich und mit finanzieller Unterstützung
der Europäischen Union umgesetzt. Der Clubobmann der ÖVP
im oberösterreichischen Landtag, Dr. Josef Stockinger, erklärte
zur Eröffnung des Pilotkraftwerks, Oberösterreich wolle
den Anteil an grünem Strom von gegenwärtig 1 auf 4 Prozent
am Energieverbrauch steigern.
Weltweit werden bereits über
8000 Megawatt elektrischer Leistung aus geothermischen Ressourcen
erzeugt. Doch bisher waren der Technik noch enge Grenzen gesetzt.
Mit der Anlage in Altheim stößt die Nutzung der Erdwärme
neue Türen auf, hofft Dr. Burkhard Sanner, Vorsitzender der
deutschen Geothermischen Vereinigung.
Sanner verweist auf Neustadt-Glewe
in Mecklenburg-Vorpommern, wo vorgesehen ist, ähnlich dem
Altheimer Projekt eine Turbine in eine bestehende Fernwärmeversorgung
zu integrieren. In einem zweiten Projekt in Landau in der Pfalz
wollen der Energieversorgung Südwest und die Pfalzwerke Wärme
aus dem Oberrheingraben nutzen. Dazu werden derzeit aber erst
Standortuntersuchungen vorgenommen.
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