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Die Kraft der Sonne nutzen:
Solar-Kraftwerke aus Erlangen
Sie sollen der deutsche Exportschlager
der Zukunft werden: Ein Erlanger Unternehmen plant und projektiert
solarthermische Großkraftwerke in Indien, Griechenland,
Spanien und den USA.
Von Stephan Maurer, dpa
Erlangen (dpa) - Ein schmales
Sträßchen führt hinunter zum Regnitzgrund, dann
geht es über eine kleine Brücke auf die Neumühleninsel.
Schwer zu glauben, dass hier, inmitten der alten Mühlengebäude,
ein Weltmarktführer zu finden sein soll. Klaus Grethe will
Skeptiker eines Besseren belehren: «Weltweit bieten nur
wir das komplette Know-how für die Entwicklung von solarthermischen
Großkraftwerken an», sagt der Vorstandsvorsitzende
der Solar Millennium AG.
Das Erlanger Unternehmen plant
und projektiert Solarkraftwerke in Indien, Griechenland, Spanien
und den USA. Mit einer Einspeisevergütung für solarthermisch
erzeugten Strom, die jetzt in Spanien beschlossen wurde, sieht
die Firma den Durchbruch für die kommerzielle Nutzung der
Sonnenenergie in großem Maßstab erreicht.
In Andalusien sollen - über
eine Tochtergesellschaft - ab 2004 die ersten beiden Sonnengroßkraftwerke
mit je 50 Megawatt Leistung entstehen. «Nun ergibt sich
erstmals in Europa die Chance, den Solarstrom mit dieser Technologie
für einen ähnlichen Preis wie Windstrom einzuspeisen»,
erklärt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt
(DLR), das seit Jahren an der Entwicklung und Markteinführung
der Solarthermie arbeitet.
Bisher gibt es solche Kraftwerke
nur in Kalifornien. Bei der Solarthermie wird die Wärmeenergie
der Sonne in Strom umgewandelt. In den so genannten Parabolrinnen-Kraftwerken
fangen meterhohe gewölbte Parabolspiegel die Sonnenwärme
auf und konzentrieren sie auf ein Absorberrohr. In diesem zirkuliert
als Wärmeträgermedium ein synthetisches Öl, das
zu einem Kraftwerksblock gepumpt wird. Dort wird Dampf erzeugt,
der eine Turbine mit Stromgenerator antreibt.

© FVS/PSA/DLR
Luftaufnahme
der Parabolrinnen-Solarkraftwerke, die seit über
10 Jahren in der kalifornischen Mojave Wüste betrieben
werden.
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Gute Chancen auch für Aufwindkraftwerke
Die riesigen Spiegelfelder könnten
bald auch in Jordanien zu finden sein. Dort hat Solar Millennium
kürzlich ein Angebot für das größte solarthermische
Kraftwerk der Welt mit 130 Megawatt Leistung eingereicht. Gute
Chancen sieht man auch für das zweite Standbein, die Aufwind-Technologie.
Bei so genannten Aufwindkraftwerken wird eine Fläche von
mehreren Kilometern Durchmesser mit einem Glasdach überzogen,
auf dem in der Mitte eine kaminähnliche Röhre aufgesetzt
ist. Unter dem Glasdach erhitzt sich die Luft durch Sonneneinstrahlung
wie bei einem Gewächshaus. Die warme Luft strömt durch
die Röhre nach oben und treibt damit eine Turbine an. Das
erste kommerziell genutzte Aufwindkraftwerk soll im Mittleren
Osten entstehen.
Die Diskussion um Klimaveränderungen
gibt dem Unternehmen zusätzlichen politischen Rückenwind.
Die Bundesregierung stellte im Frühjahr für Forschung
und Entwicklung zu solarthermischen Kraftwerken zehn Millionen
Euro zur Verfügung, von denen der größte Einzelposten
auf Solar Millennium entfiel. «Solarkraftwerke sollen deutsche
Exportschlager der Zukunft werden», sagt Umweltminister
Jürgen Trittin. Die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende
Renate Schmidt, als «politische Beraterin» von Solar
Millennium aktiv, ergänzt: «Von der Wissenschaft wird
der Solarthermie nahezu übereinstimmend das Potenzial zugesprochen,
das notwendig ist, um die bisherige Rolle der fossilen Brennstoffe
zu übernehmen.»
Sonnige Aussichten also für
die Erlanger. Bisher finanziert sich das 1998 gegründete
und 2001 in eine AG umgewandelte Unternehmen in erster Linie von
dem Geld, das seine Aktionäre eingebracht haben. Von 1100
Anlegern kamen rund 13 Millionen Euro. Eine Kapitalerhöhung
in diesem Jahr brachte weitere 1,1 Millionen Euro. Daneben ist
Solar Millennium auf der Suche nach einem institutionellen Investor.
Auch eine Zusammenarbeit mit Partnern aus der Energie- und Anlagenwirtschaft
sei denkbar, sagt Vorstandschef Grethe.
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