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- 06.09.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Keksschalen aus Kartoffelstärke:

Neustart für Öko-Verpackungen

Die Idee klingt gut: Statt Deponien zu belasten, landen leere Gemüseschalen oder Einkaufstüten in der Biotonne und zerfallen zu Kompost. Doch können Verpackungen aus biologisch abbaubaren Werkstoffen wirklich eine Alternative zu Plastik sein?

Von Joachim F. Tornau, dpa

Kassel (dpa) - In Kassel sollen Hersteller, Händler und Kunden den Test machen. Im Mai vergangenen Jahres startete in der nordhessischen Großstadt ein Modellversuch, an dem sich knapp 30 Unternehmen aus Handel, Chemie- und Verpackungsindustrie beteiligten. Inzwischen läuft die zweite Runde.

Ursprünglich hatte das Projekt nur zehn Monate dauern und im März diesen Jahres enden sollen. Doch weil es die hoch gespannten Erwartungen in der knapp bemessenen Zeit nicht erfüllen konnte, entschlossen sich die Organisatoren zu einer Verlängerung. Bundesregierung und Industrie, die für die erste Phase bereits jeweils rund 770.000 Euro locker gemacht hatten, investieren noch einmal je 300.000 Euro.

Bis Dezember sollen in ausgewählten Supermärkten Produkte wie Gemüse, Kekse oder Windeln in Schalen und Folien verkauft werden, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Kartoffel- oder Maisstärke hergestellt und über die Biotonne entsorgt werden können. «Es gibt enorme technische Entwicklungen, die jetzt erstmals eingesetzt werden», sagte Projektleiter Martin Lichtl. Bei ihrer Herstellung seien Energieverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß um 20 bis 80 Prozent niedriger als bei den üblichen Plastikverpackungen.

Waren es beim Projektstart noch rund 80 Supermärkte und Einzelhandelsgeschäfte, in denen eine stetig wachsende Zahl der ökologischen Verpackungen erhältlich sein sollte, konzentriert sich der Versuch nun im Wesentlichen auf sechs Unternehmen und auf ein eher übersichtliches Sortiment an Produkten. «Der generelle Ansatz ist: Wir backen kleinere Brötchen», so Lichtl.

Als der Versuch vor knapp anderthalb Jahren begann, offenbarten sich schon bald einige Schwierigkeiten: Schalen für Obst oder Feinkost waren nicht in ausreichender Menge oder geeigneter Form verfügbar, Folien harmonierten nicht mit den Abpackmaschinen, oder Joghurtbecher zerschmolzen in der Hitze der Sterilisation.

Entgegen den Versprechungen der Industrie erreichten viele der Verpackungen erst Monate nach Projekt-Start die Marktreife. Aber selbst für die bereits ausgereiften Produkte taten sich die Supermarktketten schwer, geeignete Einsatzmöglichkeiten zu finden - zumal die kompostierbaren Verpackungen gegenüber ihren Pendants aus Plastik die zwei- bis dreifachen Kosten verursachten.

Obwohl Marktforscher ein großes Interesse der Verbraucher an den ökologischen Gemüsebeuteln, Blumenfolien oder Feinkostschalen registrierten, waren die umweltfreundlichen Produkte bereits zur Halbzeit des Modellversuchs im Herbst wieder fast vollständig aus den Regalen verschwunden. Sang- und klanglos lief das Projekt im Frühjahr aus. Eine offizielle Bilanz wurde nicht gezogen.

Einen Abschlussbericht soll es nun im kommenden Jahr geben. Doch allen Schwierigkeiten zum Trotz steht für die Beteiligten jetzt schon fest, dass es ein positives Fazit geben wird. «Der Versuch hat Entwicklungen angeschoben, an die sich sonst niemand herangetraut hätte», meint Projektleiter Lichtl.

Dass sich kompostierbare Verpackungen irgendwann bundesweit durchsetzen werden, steht für Sabine Giesa, Umweltkoordinatorin beim Kasseler Einzelhandelsverband außer Frage: «Daran wird in Europa langfristig kein Land vorbeikommen.»

 


© dpa

Sabine Giesa vom Kasseler Einzelhandelsverband hält kompostierbare Verpackungen über eine Biomüll-Tonne.

 

 Mehr Informationen:

Modellprojekt Kassel

vista verde: Nachwachsende Rohstoffe

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