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Keksschalen aus Kartoffelstärke:
Neustart für Öko-Verpackungen
Die Idee klingt gut: Statt
Deponien zu belasten, landen leere Gemüseschalen oder Einkaufstüten
in der Biotonne und zerfallen zu Kompost. Doch können Verpackungen
aus biologisch abbaubaren Werkstoffen wirklich eine Alternative
zu Plastik sein?
Von Joachim F. Tornau, dpa
Kassel (dpa) - In Kassel sollen
Hersteller, Händler und Kunden den Test machen. Im Mai vergangenen
Jahres startete in der nordhessischen Großstadt ein Modellversuch,
an dem sich knapp 30 Unternehmen aus Handel, Chemie- und Verpackungsindustrie
beteiligten. Inzwischen läuft die zweite Runde.
Ursprünglich hatte das Projekt
nur zehn Monate dauern und im März diesen Jahres enden sollen.
Doch weil es die hoch gespannten Erwartungen in der knapp bemessenen
Zeit nicht erfüllen konnte, entschlossen sich die Organisatoren
zu einer Verlängerung. Bundesregierung und Industrie, die
für die erste Phase bereits jeweils rund 770.000 Euro locker
gemacht hatten, investieren noch einmal je 300.000 Euro.
Bis Dezember sollen in ausgewählten
Supermärkten Produkte wie Gemüse, Kekse oder Windeln
in Schalen und Folien verkauft werden, die aus nachwachsenden
Rohstoffen wie Kartoffel- oder Maisstärke hergestellt und
über die Biotonne entsorgt werden können. «Es
gibt enorme technische Entwicklungen, die jetzt erstmals eingesetzt
werden», sagte Projektleiter Martin Lichtl. Bei ihrer Herstellung
seien Energieverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß um 20 bis
80 Prozent niedriger als bei den üblichen Plastikverpackungen.
Waren es beim Projektstart noch
rund 80 Supermärkte und Einzelhandelsgeschäfte, in denen
eine stetig wachsende Zahl der ökologischen Verpackungen
erhältlich sein sollte, konzentriert sich der Versuch nun
im Wesentlichen auf sechs Unternehmen und auf ein eher übersichtliches
Sortiment an Produkten. «Der generelle Ansatz ist: Wir backen
kleinere Brötchen», so Lichtl.
Als der Versuch vor knapp anderthalb
Jahren begann, offenbarten sich schon bald einige Schwierigkeiten:
Schalen für Obst oder Feinkost waren nicht in ausreichender
Menge oder geeigneter Form verfügbar, Folien harmonierten
nicht mit den Abpackmaschinen, oder Joghurtbecher zerschmolzen
in der Hitze der Sterilisation.
Entgegen den Versprechungen der
Industrie erreichten viele der Verpackungen erst Monate nach Projekt-Start
die Marktreife. Aber selbst für die bereits ausgereiften
Produkte taten sich die Supermarktketten schwer, geeignete Einsatzmöglichkeiten
zu finden - zumal die kompostierbaren Verpackungen gegenüber
ihren Pendants aus Plastik die zwei- bis dreifachen Kosten verursachten.
Obwohl Marktforscher ein großes
Interesse der Verbraucher an den ökologischen Gemüsebeuteln,
Blumenfolien oder Feinkostschalen registrierten, waren die umweltfreundlichen
Produkte bereits zur Halbzeit des Modellversuchs im Herbst wieder
fast vollständig aus den Regalen verschwunden. Sang- und
klanglos lief das Projekt im Frühjahr aus. Eine offizielle
Bilanz wurde nicht gezogen.
Einen Abschlussbericht soll es
nun im kommenden Jahr geben. Doch allen Schwierigkeiten zum Trotz
steht für die Beteiligten jetzt schon fest, dass es ein positives
Fazit geben wird. «Der Versuch hat Entwicklungen angeschoben,
an die sich sonst niemand herangetraut hätte», meint
Projektleiter Lichtl.
Dass sich kompostierbare Verpackungen
irgendwann bundesweit durchsetzen werden, steht für Sabine
Giesa, Umweltkoordinatorin beim Kasseler Einzelhandelsverband
außer Frage: «Daran wird in Europa langfristig kein
Land vorbeikommen.»
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