|
Gute Chancen für Windkraft:
Offshore-Parks als nächster Schritt
Windkraft und andere erneuerbare
Energien haben nach Einschätzung von Experten in den kommenden
Jahren enorme Marktchancen. Auch in der Finanzwirtschaft stoßen
Offshore-Windparks zunehmend auf Interesse.
Hamburg/Osnabrück (dpa)
- «Trotz enttäuschender Ergebnisse beim UN- Weltgipfel
in Johannesburg sind wir für die weitere Entwicklung erneuerbarer
Energien weltweit und in Deutschland optimistisch», sagte
Peter Ahmels vom Bundesverband WindEnergie am Dienstag in Osnabrück.
«Die Menschen werden weiter Druck auf ihre Regierungen ausüben,
um die Energiewende zu schaffen.»
Die geplanten Offshore-Windparks
vor den deutschen Küsten stoßen auch in der Finanzwirtschaft
zunehmend auf Interesse. In Hamburg gaben am Dienstag führende
Dienstleister und die Vereins- und Westbank die Gründung
eines «Offshore Finance Circle» bekannt, der die Chancen
und Risiken der geplanten Großprojekte ausloten soll.
«Wir wollen gewappnet sein,
wenn die Finanzierung ansteht», sagte Rolf Kirchfeld aus
dem Vorstand der Bank. Dem Zirkel, der bis zum nächsten Sommer
ein Ergebnis seiner Arbeit vorlegen will, gehören zudem Finanzberater
PricewaterhouseCoopers und Versicherungsmakler Marsh an.
Insgesamt sind rund 30 große
Windparks vor der Küste im Gespräch, die jeweils einen
Kapitalbedarf von rund einer Milliarde Euro oder noch mehr nach
sich ziehen. «Sicherlich werden nicht alle Projekte realisiert»,
sagte Norbert Allnoch vom Internationalen Wirtschaftsforum regenerative
Energien (IWR), der die Schirmherrschaft über das Projekt
übernommen hat.
Beim UN-Weltgipfel hat sich die
Staatengemeinschaft lediglich formal auf den Ausbau erneuerbarer
Energien geeinigt. Ein konkreter Zeitplan, wie von der Bundesregierung
vorgeschlagen, scheiterte jedoch vor allem am Widerstand der USA
und der OPEC-Länder. Bei Umweltschützern wurde die Entscheidung
von Johannesburg als bloßes Lippenbekenntnis und Rückschritt
in der Entwicklung gewertet.
Die Windenergie-Experten gehen
davon aus, dass die Windenergie in Deutschland und weltweit ein
großes Zukunftspotenzial besitzt. Nach einer Studie des
IWR wird sich die installierte Gesamtleistung von 50.000 Megawatt
im Jahr 2005 bis 2010 auf 110.000 Megawatt mehr als verdoppeln.
Bislang ist Deutschland mit einer installierten Leistung von 9800
Megawatt im Weltmaßstab führend und hat daher einen
Wissensvorsprung, was den Bau und Betrieb von Windkraftanlagen
angeht.
Mit dem Schritt hinaus aufs Meer
sind jedoch völlig neue technische und finanzielle Risiken
verbunden. Die Anlagen sollen deutlich größer werden
- bis zu fünf Megawatt je Windrad - und im 40 Meter tiefen
Wasser errichtet werden. Bestehende Anlagen in Dänemark sind
halb so groß und in Küstennähe im zehn Meter tiefen
Wasser gebaut. «Viele Fragen sind zur Zeit noch offen»,
sagte Kirchfeld. «Dazu gehören Technik, Netzanbindung,
rechtliche Fragen, Wartung und Logistik sowie Versicherungsschutz.»
Von den rund 30 Windkraftparks
in der deutschen Bucht und der Ostsee steht bislang nur eine Pilotanlage
bei Borkum möglicherweise vor der Realisierung. Die übrigen
Projekte sind noch nicht genehmigt. Die Finanzunternehmen gehen
denn auch davon aus, dass erst in der zweiten Hälfte des
Jahrzehnts Finanzierungen in größerem Umfang nachgefragt
werden könnten. Unerlässliche Voraussetzung dafür
sei, dass die politische Förderung der Windkraft durch Subventionen
beibehalten werde.
|