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Experte: In Neubaugebieten blieb Hochwasserschutz
unberücksichtigt
Bei der Planung von Neubaugebieten
in Flussnähe ist in der Vergangenheit nach Einschätzung
von Experten der Hochwasserschutz nicht gebührend berücksichtigt
worden.
Stuttgart (dpa) - Trotz jahrzehntelanger
Erfahrungen mit Überschwemmungen sei an vielen Orten in Deutschland
immer näher an die Ufer und Auen gebaut worden. «Auch
bekannte Flächen, die jahrzehntelang nicht vom Fluss in Anspruch
genommen werden, zählen schließlich vielerorts zu Risikogebieten»,
sagte der Leiter des Instituts für Wasserbau an der Universität
Stuttgart, Jürgen Giesecke, in einem dpa-Gespräch.
Bei der Stadt- und Raumplanung
sind mancherorts nach seiner Erfahrung weitere Versäumnisse
beim Hochwasserschutz gemacht worden: «Wenn Wälder
abgeholzt werden, um beispielsweise Platz für Äcker,
Felder und Siedlungen zu schaffen, geht wichtiges Wasserspeichervermögen
vor Ort verloren», erklärte der Professor. Bei begradigten
Flüssen steige unter anderem die Fließgeschwindigkeit
des Wassers - bei Hochwasser sei dann das Wasser häufig zu
schnell, um in Rückhalteflächen zu fließen.
Überregionale Hochwasser
haben nach der Einschätzung Gieseckes weniger mit der Versiegelung
von Böden zu tun, als vielfach angenommen: «Bei einem
großen Hochwasser in Köln kam das Wasser größtenteils
von der Mosel - dort ist lediglich vier Prozent des Einzugsgebiets
versiegelt.»
Giesecke empfahl: «In Siedlungen
sollte Regenwasser dennoch nicht direkt in die Kanalisation geleitet
werden, sondern in den Untergrund einsickern können.»
Bei Studien an seinem Institut
seien die rund 150 und 180 Kilometer langen Flusssysteme der baden-württembergischen
Gewässer Kocher und Jagst untersucht worden. Ergebnis: Einige
Häuser und Siedlungen in Ufernähe müssten eigentlich
aus Sicherheitsgründen zu Gunsten von Überschwemmungsfläche
aufgegeben werden. «Man muss den Flüssen ihre Rückhalteräume
belassen.»
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