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Karlsruher Forscher: Biomasse verstärkt
nutzen
Durch eine verstärkte Nutzung
von Abfallstoffen wie Stroh und Holz könnten in Deutschland
beachtliche Mengen Erdöl und anderer fossiler Energieträger
eingespart werden.
(jkm) - Dies hat jetzt das Forschungszentrum
Karlsruhe angeregt. Die Wissenschaftler entwickelten ein Verfahren,
aus Biomasse Gas zu gewinnen und dieses unter wirtschaftlich günstigen
Bedingungen zu nutzen.
In Deutschland wird zur Zeit nur
rund ein Prozent des Primärenergiebedarfs durch Biomasse
abgedeckt. Allein die etwa 20 Millionen Tonnen Stroh, die nicht
landwirtschaftlich genutzt werden, könnten weitere zwei Prozent
abdecken, sagen die Forscher. Landwirte könnten durch den
Verkauf solcher Reststoffe zusätzliche Erlöse erwirtschaften.
Nach Berechnungen der Karlsruher Forscher liegt das jährliche
Aufkommen an biogenen Abfallstoffen in Deutschland bei etwa 80
Millionen Tonnen organischer Trockenmasse. Bis zu 10 Prozent unseres
Primärenergiebedarfs könnten damit gedeckt werden.
Das Problem: Die Abfallstoffe
fallen auf große Flächen verteilt an und verursachen
deshalb hohe Transportkosten auf dem Weg zu zentralen Verwertungsanlagen.
Die Forscher schlagen deshalb ein zweistufiges Verfahren vor:
In regionalen Anlagen mit einem Einzugsbereich von etwa 25 Kilometern
soll aus Stroh oder anderen organischen Reststoffen ein Gemisch
aus Pyrolyseöl und Pyrolysekoks erzeugt werden. Dieses hat
eine zehn mal höhere Energiedichte als ein Strohballen und
kann deshalb kostengünstig zu einer zentralen Großanlage
transportiert werden.
"Das Gemisch aus Pyrolyseöl
und Pyrolysekoks, das in der ersten Stufe erzeugt wird, kann noch
nicht direkt verwertet werden. Es hat eine schlammähnliche
Konsistenz und erfordert spezielle Anlagen, in denen es veredelt
und genutzt wird", erläutert Dr. Edmund Henrich, der
das Konzept im Institut für Technische Chemie des Forschungszentrums
entwickelt hat.
In der zweiten Stufe der Verwertung
kommt eine zentrale Großanlage zum Einsatz. In ihr wird
bei hohen Vergasungstemperaturen aus dem Öl-Koks-Gemisch
ein hochwertiges Synthesegas erzeugt. Hier ist nun der technologische
Durchbruch gelungen: Die Karlsruher Forscher konnten erstmals
in der Praxis zeigen, dass sich eine solche Anlage mit einer Leistung
von 2000 kW sicher betreiben lässt. Das entstehende Synthesegas
kann direkt verstromt werden oder hilft in der chemischen Industrie,
hochwertige Kraftstoffe und Chemikalien zu produzieren.
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