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- 25.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Solarbranche: Sonnige Zukunft trotz Umsatzflaute

Mit Umsatzsteigerungen von 45 Prozent im Bereich Solarwärme und 90 Prozent bei der Photovoltaik im Jahr 2001 schaut die Branche in eine sonnige Zukunft, obwohl im ersten Halbjahr 2002 einige Wolken den strahlenden Himmel verdunkelten.

Von Martina Rathke, dpa

Freiburg/Relzow (dpa) - Mit mehr als 1700 Sonnenstunden im Jahr zählt die Region zwischen den Inseln Rügen und Usedom (Mecklenburg- Vorpommern) zu den sonnenreichsten in Deutschland. Mitten in diesem «Sonnendreieck» im Örtchen Relzow bei Anklam entsteht derzeit eine Photovoltaik-Anlage gigantischen Ausmaßes, installiert auf den Dächern eines ehemaligen Depots der Nationalen Volksarmee (NVA). In den 30 Hallen lagert heute unter anderem die Nahrungsmittelreserve der Bundesrepublik - auf den Dächern erzeugen Solarzellen Strom aus Sonnenenergie.

Derzeit werden hier 1,5 Megawatt Strom erzeugt und in das Stromnetz des örtlichen Anbieters e.dis eingespeist. Spätestens bis zum Jahr 2004 sollen fünf Megawatt Sonnenstrom von den Relzower Dächern kommen. Die Anlage wäre dann Deutschlands größte, sagt Investor Stephan Schröder überzeugt. Das Engagement des Berliners ist nicht nur gut für sein Ökogewissen. Er verspricht den beteiligten Anlegern dank Energie-Einspeisegesetz (EEG) auch satte Gewinne.

50.000 Dächer mit Solarzellen in Deutschland

Die mit 1,6 Megawatt derzeit deutschlandweit größte Anlage steht laut Deutschem Fachverband Solarenergie (DFS) in Bayern. In der Gemeinde Hohenfels erzeugt sie genügend Strom für die 2000 Einwohner. DFS-Geschäftsführer Gerhard Stryi-Hipp hebt jedoch besonders die vielen Einzelprojekte in Deutschland hervor: Derzeit seien bereits 50.000 Dächer mit Solarzellen ausgestattet.

Ein Dach könne über das Jahr gerechnet so viel Energie liefern, wie in einem 4-Personen- Haushalt verbraucht werde. Dank des Energie-Einspeisegesetzes werden laut Stryi-Hipp pro Kilowattstunde 48 Euro gut geschrieben. «Daher finanziert sich eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach in 20 Jahren von allein.»

Ohne das Energie-Einspeisegesetz und das durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geförderte «100.000 Dächer-Programm» wäre die deutsche Solarindustrie heute nicht dort, wo sie steht: Nach Angaben des Fachverbandes Solarenergie konnte die Branche im Jahr 2001 im Bereich Solarwärme beim Umsatz um 45 Prozent auf 650 Millionen Euro zulegen.

Im Bereich Photovoltaik - mit 20.000 neuen Anlagen im Jahr 2001 - sieht die Bilanz noch besser aus: Dort liege bei einem Gesamtumsatz von 500 Millionen Euro das Plus bei 90 Prozent, teilte der Herstellerverband mit. Die Branche beschäftigt in Deutschland rund 16.000 Arbeitskräfte - von der Herstellung der Zellen bis zur Wartung.

Wolken am strahlenden Himmel

Der Trend zu immer mehr Sonne wird derzeit jedoch durch Wolken am strahlenden Himmel verdunkelt. Im 1. Halbjahr 2002 habe es bei den Investitionen einen deutlichen Rückgang von 20 bis 30 Prozent gegeben, sagt Stryi-Hipp in Freiburg. «Ursache ist die allgemeine Kaufzurückhaltung bei hochwertigen Gütern.»

Doch der Herstellerverband der Solarbranche ist sich sicher, dass die Gewitterwolken sich bald verziehen werden: «Die Rahmenbedingungen für den Bau von Solaranlagen stimmen, die Fördersituation ist stabil und gibt Planungssicherheit.»

Der Anteil der Solarenergie am Gesamtstromverbrauch in Deutschland liegt derzeit mit 0,153 Terawattstunden bei mageren 0,031 Prozent - und nimmt sich auch im Vergleich zur erneuerbaren Windenergie noch recht bescheiden aus. «Die Wachstumsprognosen sind aber ausgezeichnet», sagt Stryi-Hipp.

Während es auf dem Land kaum noch Ausweisungsflächen für Windparks gibt und in Nord- und Ostsee der Verteilungskampf um die geeigneten Flächen für Offshore-Windparks entbrannt ist, stehen für Solaranlagen ausreichend Flächen an Fassaden und auf Dächern zur Verfügung, zeigt sich der Verband optimistisch.

«Kleine Schwester» der Windenergie

In diesem Jahrzehnt wird die Sonne noch die «kleine Schwester» neben dem «Giganten» Windenergie bleiben: Die Solarbranche hat errechnet, bis zum Jahr 2010 ein Prozent des Gesamtstromverbrauchs in Deutschland durch die Sonne erzeugen zu können. Die Windenergie hat nach Regierungsangaben bereits jetzt bei der gelieferten Strommenge einen Anteil von mehr als zwei Prozent.

«Den entscheidenden Impuls für die Akzeptanz und den Trend zu erneuerbaren Energien hat 1992 die Konferenz von Rio gegeben. Dieser Trend ist angesichts der begrenzten fossilen Energieträger unumkehrbar», sagt Stryi-Hipp. Selbst bei einem Wechsel der Bundesregierung werde die Solarenergie eine große Rolle spielen, zeigt sich der Herstellerverband optimistisch.

Beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung vom 26. August bis 4. September in Johannesburg will Deutschland ein Sonderprogramm zur Förderung umweltfreundlicher Energien in Entwicklungsländern vorstellen.


© BMU

Trotz Umsatzflaute schaut die deutsche Solarbranche in eine sonnige Zukunft.

 

 Mehr Informationen:

vista verde:
- Solarenergie
- Rio+10

 

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