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Solarbranche: Sonnige Zukunft trotz Umsatzflaute
Mit Umsatzsteigerungen von
45 Prozent im Bereich Solarwärme und 90 Prozent bei der Photovoltaik
im Jahr 2001 schaut die Branche in eine sonnige Zukunft, obwohl
im ersten Halbjahr 2002 einige Wolken den strahlenden Himmel verdunkelten.
Von Martina Rathke, dpa
Freiburg/Relzow (dpa) - Mit mehr
als 1700 Sonnenstunden im Jahr zählt die Region zwischen
den Inseln Rügen und Usedom (Mecklenburg- Vorpommern) zu
den sonnenreichsten in Deutschland. Mitten in diesem «Sonnendreieck»
im Örtchen Relzow bei Anklam entsteht derzeit eine Photovoltaik-Anlage
gigantischen Ausmaßes, installiert auf den Dächern
eines ehemaligen Depots der Nationalen Volksarmee (NVA). In den
30 Hallen lagert heute unter anderem die Nahrungsmittelreserve
der Bundesrepublik - auf den Dächern erzeugen Solarzellen
Strom aus Sonnenenergie.
Derzeit werden hier 1,5 Megawatt
Strom erzeugt und in das Stromnetz des örtlichen Anbieters
e.dis eingespeist. Spätestens bis zum Jahr 2004 sollen fünf
Megawatt Sonnenstrom von den Relzower Dächern kommen. Die
Anlage wäre dann Deutschlands größte, sagt Investor
Stephan Schröder überzeugt. Das Engagement des Berliners
ist nicht nur gut für sein Ökogewissen. Er verspricht
den beteiligten Anlegern dank Energie-Einspeisegesetz (EEG) auch
satte Gewinne.
50.000 Dächer mit Solarzellen
in Deutschland
Die mit 1,6 Megawatt derzeit
deutschlandweit größte Anlage steht laut Deutschem
Fachverband Solarenergie (DFS) in Bayern. In der Gemeinde Hohenfels
erzeugt sie genügend Strom für die 2000 Einwohner. DFS-Geschäftsführer
Gerhard Stryi-Hipp hebt jedoch besonders die vielen Einzelprojekte
in Deutschland hervor: Derzeit seien bereits 50.000 Dächer
mit Solarzellen ausgestattet.
Ein Dach könne über
das Jahr gerechnet so viel Energie liefern, wie in einem 4-Personen-
Haushalt verbraucht werde. Dank des Energie-Einspeisegesetzes
werden laut Stryi-Hipp pro Kilowattstunde 48 Euro gut geschrieben.
«Daher finanziert sich eine Photovoltaik-Anlage auf dem
Dach in 20 Jahren von allein.»
Ohne das Energie-Einspeisegesetz
und das durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geförderte
«100.000 Dächer-Programm» wäre die deutsche
Solarindustrie heute nicht dort, wo sie steht: Nach Angaben des
Fachverbandes Solarenergie konnte die Branche im Jahr 2001 im
Bereich Solarwärme beim Umsatz um 45 Prozent auf 650 Millionen
Euro zulegen.
Im Bereich Photovoltaik - mit
20.000 neuen Anlagen im Jahr 2001 - sieht die Bilanz noch besser
aus: Dort liege bei einem Gesamtumsatz von 500 Millionen Euro
das Plus bei 90 Prozent, teilte der Herstellerverband mit. Die
Branche beschäftigt in Deutschland rund 16.000 Arbeitskräfte
- von der Herstellung der Zellen bis zur Wartung.
Wolken am strahlenden Himmel
Der Trend zu immer mehr Sonne
wird derzeit jedoch durch Wolken am strahlenden Himmel verdunkelt.
Im 1. Halbjahr 2002 habe es bei den Investitionen einen deutlichen
Rückgang von 20 bis 30 Prozent gegeben, sagt Stryi-Hipp in
Freiburg. «Ursache ist die allgemeine Kaufzurückhaltung
bei hochwertigen Gütern.»
Doch der Herstellerverband der
Solarbranche ist sich sicher, dass die Gewitterwolken sich bald
verziehen werden: «Die Rahmenbedingungen für den Bau
von Solaranlagen stimmen, die Fördersituation ist stabil
und gibt Planungssicherheit.»
Der Anteil der Solarenergie am
Gesamtstromverbrauch in Deutschland liegt derzeit mit 0,153 Terawattstunden
bei mageren 0,031 Prozent - und nimmt sich auch im Vergleich zur
erneuerbaren Windenergie noch recht bescheiden aus. «Die
Wachstumsprognosen sind aber ausgezeichnet», sagt Stryi-Hipp.
Während es auf dem Land kaum
noch Ausweisungsflächen für Windparks gibt und in Nord-
und Ostsee der Verteilungskampf um die geeigneten Flächen
für Offshore-Windparks entbrannt ist, stehen für Solaranlagen
ausreichend Flächen an Fassaden und auf Dächern zur
Verfügung, zeigt sich der Verband optimistisch.
«Kleine Schwester»
der Windenergie
In diesem Jahrzehnt wird die
Sonne noch die «kleine Schwester» neben dem «Giganten»
Windenergie bleiben: Die Solarbranche hat errechnet, bis zum Jahr
2010 ein Prozent des Gesamtstromverbrauchs in Deutschland durch
die Sonne erzeugen zu können. Die Windenergie hat nach Regierungsangaben
bereits jetzt bei der gelieferten Strommenge einen Anteil von
mehr als zwei Prozent.
«Den entscheidenden Impuls
für die Akzeptanz und den Trend zu erneuerbaren Energien
hat 1992 die Konferenz von Rio gegeben. Dieser Trend ist angesichts
der begrenzten fossilen Energieträger unumkehrbar»,
sagt Stryi-Hipp. Selbst bei einem Wechsel der Bundesregierung
werde die Solarenergie eine große Rolle spielen, zeigt sich
der Herstellerverband optimistisch.
Beim Weltgipfel für nachhaltige
Entwicklung vom 26. August bis 4. September in Johannesburg will
Deutschland ein Sonderprogramm zur Förderung umweltfreundlicher
Energien in Entwicklungsländern vorstellen.
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