|
Studie: Miserables Zeugnis für
Verbraucherinformation von Firmen
Die Verbraucherzentralen stellen
der Informationspolitik von Unternehmen gegenüber deren Kunden
in einer neuen Studie ein miserables Zeugnis aus. Firmen versprechen
demnach in der Werbung meist mehr, als sie halten.
Berlin (dpa) - Besonders schlecht
schnitten Finanzdienstleister ab, aber auch die Lebensmittelbranche
wurde harsch kritisiert. Über die Hälfte der Unternehmen
konnte bei der Untersuchung bestimmte Informationen über
ihre Produkte oder Dienstleistungen nicht liefern.
Die Vorsitzende des Bundesverbands
der Verbraucherzentralen (vzbv), Edda Müller, stellte die
Studie am Dienstag in Berlin vor - zwei Tage bevor der Bundestag
erstmals über das Verbraucherinformationsgesetz debattieren
will. Das Gesetz soll Verbrauchern das Recht auf freien Zugang
zu Informationen über Lebensmittel und bestimmte andere Produkte
bei Behörden einräumen.
Verbraucherschutzministerin Renate
Künast (Grüne) wollte ursprünglich einen Informationsanspruch
bei allen Produkten und Dienstleistungen. Außerdem sollten
auch Firmen auskunftspflichtig sein. In beiden Punkten konnte
die Ministerin sich nicht durchsetzen. Stattdessen setzt die Bundesregierung
zunächst auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft.
Müller kritisierte: «Die
Untersuchung zeigt, dass sich die Verbraucher auf rein freiwillige
Unternehmensangaben nicht verlassen können.» Viele
Firmen «entziehen sich kritischen Verbraucheranfragen durch
Nichterreichbarkeit, Schweigen, beschönigende oder falsche
Antworten». Der vzbv fordert daher einen gesetzlich verankerten
Auskunftsanspruch von Verbrauchern gegenüber Firmen und bei
allen Produkten und Dienstleistungen.
Bei der nichtrepräsentativen
Untersuchung zum Auskunftsverhalten von Unternehmen hatte der
Verband die Autorin der Studie beauftragt, als private Verbraucherin
kritische Anfragen an mehr als 150 Firmen zu stellen.
Dabei handelte es sich um Anfragen
per Telefon und E-Mail bei über 70 namhaften Herstellern
von Lebensmitteln, Bekleidung, Kosmetik, Spielwaren, Elektrogeräten,
Einrichtungsgegenständen und Automobilen. Außerdem
gab es Anfragen an 80 Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche.
Die Anfragen umfassten die Bereiche
Gesundheit und Sicherheit, Tierschutz, Umweltschutz und Kinderschutz.
Ferner wurden Fragen nach der sozialen Verantwortung von Unternehmen
gestellt.
Laut Müller würden
«vor allem Unternehmen der Lebensmittelbranche immer nur
über das informieren, was die Öffentlichkeit ohnehin
bereits weiß». Besondere Kritik auch an Finanzdienstleistern:
Von ihnen reagierte laut vzbv etwa ein Drittel überhaupt
nicht.
|