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- 11.04.2002 -

 

 

 

 

 

 



 

Irritation und Freude: Umwelt-Weise kritisieren Dosenpfand

Der Applaus aus Industrie und Handel kam prompt: Nur wenige Wochen, nachdem Rot-Grün den Zeitplan für das heiß umstrittene Dosenpfand festgeklopft hatte, gaben ausgerechnet die Umwelt-Sachverständigen der Bundesregierung dem Vorhaben schlechte Noten.

Von Can Merey, dpa

Berlin (dpa) - Dieses wäre «nicht nur von zweifelhafter ökologischer Effektivität, sondern auch mit erheblichen, nicht zu rechtfertigenden Zusatzkosten verbunden», heißt es im Umweltgutachten, das am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Jubelnd kommentierte stellvertretend für viele Pfandgegner der Generalsekretär der Bundesvereinigung Deutscher Handelsverbände (BDH), Holger Wenzel, das harsche Urteil: «Mehr ist zum Zwangspfand nicht zu sagen.» Das sahen die Umwelt-Weisen allerdings nicht so: Sie hatten außer diesem Satz noch einiges mehr anzumerken.

Keineswegs wollen die Sachverständigen dem seit Jahren anhaltenden rasanten Absturz der Mehrwegquote tatenlos zusehen: «Es gibt keinen Dissens mit dem Bundesumweltministerium, dass etwas getan werden muss, um den Mehrweganteil zu stützen.» Man sei sich nur nicht einig über den Weg dorthin. Die Umwelt-Weisen plädieren statt eines Zwangspfands für Abgaben, die die Hersteller von Getränkeverpackungen je nach Umweltbelastung entrichten müssten.

Diesen Vorschlag griffen die Pfandgegner aus Industrie und Handel in ihren Reaktionen nicht auf. Das sei auch kein Wunder, meint der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch. Bei Verhandlungen angesichts des sinkenden Mehrweganteils vor knapp zwei Jahren sei der Vorschlag einer Abgabe just am Widerstand von Industrie und Handel gescheitert. Resch: «Die haben damals gesagt: No way.»

Angesichts der Reaktionen - die FDP etwa wertete die Expertenmeinung als «schallende Ohrfeige» für Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) - nannte der Umwelt-Weise Peter Michaelis es «misslich, dass hier ein Scheinkonflikt aufgebaut wird». Trittin selber teilte mit, eine Abgabe komme nicht in Frage - das Pfand starte wie geplant 2003. Michaelis erinnerte ebenso wie Resch daran: «Die deutsche Wirtschaft hat die Abgabe abgelehnt.»

Der BDH beeilte sich noch vor der offiziellen Veröffentlichung des Gutachtens zu betonen: Nun müsse gemeinsam nach einer sinnvollen Alternative zum Pfand gesucht werden. Ernährungsindustrie und führende Handelsunternehmen sehen jetzt die Chance auf einen «zukunftsweisenden Konsens», nachdem allerdings Verhandlungen in der Vergangenheit gescheitert waren. Das CSU-regierte Bayern brachte erneut eine Selbstverpflichtung der Industrie zur Stützung des Mehrweganteils ins Spiel.

Einig sind sich alle Pfandgegner in einer Forderung: Trittin soll das auf den Weg gebrachte Dosenpfand wieder stoppen. DUH- Geschäftsführer Resch nennt das «absolut verlogen». Er wirft Industrie und Handel vor, auf Zeit zu spielen, um dem ungehinderten Vormarsch der Dose Vorschub zu leisten. «Denn die wissen: Bei dieser Entwicklung ist das Mehrwegsystem in zwei Jahren ganz weg.»

 Mehr Informationen:

Rat von Sachverständigen für Umweltfragen

Bundesumwelt- ministerium

Bundesverband des Deutschen Getränke- Fachgroßhandels

Deutsche Umwelthilfe

 

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