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Kalifornien: Mit Aufklebern gegen Benzin-
schlucker
Seit Jahren kurbeln die US-Autokonzerne
die Produktion von Großfahrzeugen wie Minivans, Kleinlastwagen
und Geländewagen an. Mit einer Aufkleberkampagne wollen zwei
Kalifornier die Fahrer dieser Benzinschlucker zum Nachdenken anregen.
Von Barbara Munker, dpa
San Francisco (dpa) - Mit einem
Stapel von Aufklebern bewaffnet gehen die Kalifornier Charles
Dines und Robert Lind regelmäßig, meist in den Abendstunden,
auf «Jagd». Ihr Revier sind große Parkplätze
in den Einkaufs-Zentren und breite Straßen in den Vororten
um San Francisco. Die Beute: Bullige «Sport Utility Vehicles»,
kurz SUV's genannt. Die Geländewagen sind leicht auszumachen.
Es sind riesige Fahrzeuge mit einer hohen Karosserie, meist acht
Zylindern und häufig über 200 PS unter der Haube.
Für Lind und Dines sind
es «aufgeblasene, ekelhafte» Erfindungen, deren Besitzern
Nachhilfe über die «benzinschluckenden Umweltverschmutzer»
erteilt werden muss. Als Denkzettel dient ein Aufkleber mit der
Aufschrift «I'm Changing The Climate! Ask Me How!»
(Auf Deutsch: Ich verändere das Klima! Frag mich, wie man's
macht!) Die werden - natürlich ohne Einverständnis der
Autofahrer - an die Stoßstange oder die Rückscheibe
geklebt.
«Mit ein bisschen Humor
wollen wir die SUV-Fahrer zum Nachdenken anregen», sagt
der 49-jährige Lind, der hauptberuflich umweltfreundliche
Schädlingsbekämpfungsmittel vertreibt. Für den
40 Jahre alten Schreiner Charles Dines ist die Aufkleberkampagne
ein zeitgemäßes «an den Pranger stellen».
Die Leute sollten sich schämen, solche Monster zu fahren.
Beute gibt es für die SUV-Jäger reichlich.
Seit Jahren kurbeln die Detroiter
Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler die Produktion
von Großfahrzeugen wie Minivans, Kleinlastwagen und SUV-Geländewagen
an. Im vergangenen Jahr entfielen in den USA fast die Hälfte
aller Neuzulassungen auf diese Fahrzeugklasse.
Wegen einer Gesetzeslücke
aus den 70er Jahren fallen die SUV's auf dem Chassis eines Kleinlastwagens
nicht unter die für Personenwagen geltenden strengen Abgas-
und Verbrauchsvorschriften. Die dicken Trendfahrzeuge dürfen
mehr Benzin schlucken und die Umwelt verpesten, beschweren sich
die Gegner. Einige der Geländewagen verbrauchen immerhin
zwischen 15 und 20 Liter Benzin auf 100 Kilometer.
Für den Anthropologen Richard
Wilk von der Indiana University sind die Benzinschlucker das perfekte
Status-Symbol der amerikanischen Verschwendungsgsellschaft. SUV's
sind sicher, praktisch und wegen ihres Allradantriebs und der
großen Dimensionen ein ideales «Fluchtfahrzeug»
aus den Städten in die Natur und ins Abenteuer. Das glauben
zumindest ihre Besitzer, erklärt Wilk.
In Wirklichkeit neigten diese
Autos zu Überschlags-Unfällen; nur 13 Prozent der Fahrer
verließen tatsächlich den Asphalt und führen ins
Gelände, meint der Wissenschaftler unter Berufung auf Verkehrsstatistiken.
Doch die Amerikaner liebten alles, was groß ist, so das
kritische Urteil über seine Landsleute.
Der Trend ist längst nach
Europa übergeschwappt. Marktforschungsstudien zufolge wird
sich die Zahl der Allrad- Fahrzeuge auf Europas Straßen
zwischen 1996 und 2006 nahezu verdoppeln.
Über 30.000 Sticker haben
die kalifornischen SUV-Gegner Dines und Lind und ihre rund 2000
freiwilligen Helfer in den USA bereits verteilt. Die beiden «Experten»
sehen aber auch schon erste Anzeichen für einen neuen Trend
zum kleineren Geländewagen.
Bei steigenden Benzinpreisen hoffen
sie, dass die Autokonzerne in Detroit ihr Versprechen von kleineren,
sparsameren SUV's einlösen. Ihre bisherige Zurückhaltung
ist verständlich. Schließlich werfen die in der Herstellung
billigen Luxus-Trucks seit Jahren die größten Gewinne
ab.
Umweltorganisationen wie der
Sierra Club haben unterdessen den Druck auf Washington zu Gunsten
strikterer Verbrauchsvorschriften verstärkt. Negativ-Kampagnen,
wie die Aufkleber-Aktion der beiden Kalifornier, stellen die Beliebtheit
der Benzinschlucker immer mehr in Frage.
Doch solange die Blech-Dinosaurier
nicht ausgestorben sind, wollen Dines und Lind weiter Jagd machen.
Aus Kanada, England und den Niederlanden seien bereits Anfragen
nach Stickern eingegangen. Helfer in Europa würden sie gerne
mit «Munition» und guten Tipps versorgen.
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