vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   W i r t s c h a f t   &   E n e r g i e

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 18.03.2002 -

 

 

 



 

Kalifornien: Mit Aufklebern gegen Benzin- schlucker

Seit Jahren kurbeln die US-Autokonzerne die Produktion von Großfahrzeugen wie Minivans, Kleinlastwagen und Geländewagen an. Mit einer Aufkleberkampagne wollen zwei Kalifornier die Fahrer dieser Benzinschlucker zum Nachdenken anregen.

Von Barbara Munker, dpa

San Francisco (dpa) - Mit einem Stapel von Aufklebern bewaffnet gehen die Kalifornier Charles Dines und Robert Lind regelmäßig, meist in den Abendstunden, auf «Jagd». Ihr Revier sind große Parkplätze in den Einkaufs-Zentren und breite Straßen in den Vororten um San Francisco. Die Beute: Bullige «Sport Utility Vehicles», kurz SUV's genannt. Die Geländewagen sind leicht auszumachen. Es sind riesige Fahrzeuge mit einer hohen Karosserie, meist acht Zylindern und häufig über 200 PS unter der Haube.

Für Lind und Dines sind es «aufgeblasene, ekelhafte» Erfindungen, deren Besitzern Nachhilfe über die «benzinschluckenden Umweltverschmutzer» erteilt werden muss. Als Denkzettel dient ein Aufkleber mit der Aufschrift «I'm Changing The Climate! Ask Me How!» (Auf Deutsch: Ich verändere das Klima! Frag mich, wie man's macht!) Die werden - natürlich ohne Einverständnis der Autofahrer - an die Stoßstange oder die Rückscheibe geklebt.

«Mit ein bisschen Humor wollen wir die SUV-Fahrer zum Nachdenken anregen», sagt der 49-jährige Lind, der hauptberuflich umweltfreundliche Schädlingsbekämpfungsmittel vertreibt. Für den 40 Jahre alten Schreiner Charles Dines ist die Aufkleberkampagne ein zeitgemäßes «an den Pranger stellen». Die Leute sollten sich schämen, solche Monster zu fahren. Beute gibt es für die SUV-Jäger reichlich.

Seit Jahren kurbeln die Detroiter Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler die Produktion von Großfahrzeugen wie Minivans, Kleinlastwagen und SUV-Geländewagen an. Im vergangenen Jahr entfielen in den USA fast die Hälfte aller Neuzulassungen auf diese Fahrzeugklasse.

Wegen einer Gesetzeslücke aus den 70er Jahren fallen die SUV's auf dem Chassis eines Kleinlastwagens nicht unter die für Personenwagen geltenden strengen Abgas- und Verbrauchsvorschriften. Die dicken Trendfahrzeuge dürfen mehr Benzin schlucken und die Umwelt verpesten, beschweren sich die Gegner. Einige der Geländewagen verbrauchen immerhin zwischen 15 und 20 Liter Benzin auf 100 Kilometer.

Für den Anthropologen Richard Wilk von der Indiana University sind die Benzinschlucker das perfekte Status-Symbol der amerikanischen Verschwendungsgsellschaft. SUV's sind sicher, praktisch und wegen ihres Allradantriebs und der großen Dimensionen ein ideales «Fluchtfahrzeug» aus den Städten in die Natur und ins Abenteuer. Das glauben zumindest ihre Besitzer, erklärt Wilk.

In Wirklichkeit neigten diese Autos zu Überschlags-Unfällen; nur 13 Prozent der Fahrer verließen tatsächlich den Asphalt und führen ins Gelände, meint der Wissenschaftler unter Berufung auf Verkehrsstatistiken. Doch die Amerikaner liebten alles, was groß ist, so das kritische Urteil über seine Landsleute.

Der Trend ist längst nach Europa übergeschwappt. Marktforschungsstudien zufolge wird sich die Zahl der Allrad- Fahrzeuge auf Europas Straßen zwischen 1996 und 2006 nahezu verdoppeln.

Über 30.000 Sticker haben die kalifornischen SUV-Gegner Dines und Lind und ihre rund 2000 freiwilligen Helfer in den USA bereits verteilt. Die beiden «Experten» sehen aber auch schon erste Anzeichen für einen neuen Trend zum kleineren Geländewagen.

Bei steigenden Benzinpreisen hoffen sie, dass die Autokonzerne in Detroit ihr Versprechen von kleineren, sparsameren SUV's einlösen. Ihre bisherige Zurückhaltung ist verständlich. Schließlich werfen die in der Herstellung billigen Luxus-Trucks seit Jahren die größten Gewinne ab.

Umweltorganisationen wie der Sierra Club haben unterdessen den Druck auf Washington zu Gunsten strikterer Verbrauchsvorschriften verstärkt. Negativ-Kampagnen, wie die Aufkleber-Aktion der beiden Kalifornier, stellen die Beliebtheit der Benzinschlucker immer mehr in Frage.

Doch solange die Blech-Dinosaurier nicht ausgestorben sind, wollen Dines und Lind weiter Jagd machen. Aus Kanada, England und den Niederlanden seien bereits Anfragen nach Stickern eingegangen. Helfer in Europa würden sie gerne mit «Munition» und guten Tipps versorgen.


© dpa

Robert Lind (Bild) und sein Freund Charles Dines sind in San Francisco regelmäßig auf Jagd: Ihr Revier sind große Parkplätze, ihre Beute bullige "Sport Utility Verhicles".

 

 Mehr Informationen:

Changing the Climate

Sierra Club: SUV Report

 

 Lesen Sie auch:

Verkehr: Bund will 90 Milliarden Euro bis 2010 investieren

Experte: Tempolimit auf Autobahnen würde zu weniger Staus führen

Automobilbau: Die Zukunft zapft Wasserstoff

 

 

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung