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Bauernverband: Chancen genmanipulierter
Pflanzen nicht verspielen
Die Chancen des Anbaus genmanipulierter
Pflanzen dürfen nach Ansicht des Deutschen Bauernverbandes
nicht durch eine «überzogene Risikodiskussion»
verspielt werden.
Berlin (dpa) - Aus Wettbewerbsgründen
müssten die Möglichkeiten dieser Technik im Auge behalten
werden, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes
(DBV) Gerd Sonnleitner am Dienstag bei einer Tagung seines Verbandes
zur Zukunft der Grünen Gentechnik in Berlin. Genauso wichtig
sei aber das Verbrauchervertrauen.
Jüngste Umfragen belegten
die Skepsis der EU-Bürger gegenüber gentechnisch veränderten
Pflanzen. Um die Diskussion aus der Sackgasse zu führen,
seien klare Regelungen zur Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit
notwendig.
Weltweit sei die Grüne Gentechnik
längst Realität, sagte Sonnleitner. Die kommerzielle
Anbaufläche ist allein von 2000 bis 2001 um 20 Prozent auf
gut 52 Millionen Hektar gestiegen. Angebaut werden vor allem gentechnisch
veränderte Sojabohnen, Mais und Baumwolle. Auf deutschen
Feldern ist der Anbau genmanipulierter Pflanzen verboten.
Dennoch sind auch in Deutschland
Produkte mit genmanipulierten Bestandteilen längst verbreitet.
Es gebe praktisch keine Soja- und Rapslieferungen mehr nach Deutschland,
in denen diese nicht nachzuweisen seien, sagte Sonnleitner. Auch
Enzyme etwa für die Käseherstellung seien häufig
auf Basis gentechnisch veränderter Pflanzen hergestellt,
aber im Endprodukt oft nicht mehr nachweisbar.
«Der Verbraucher soll die
Wahlfreiheit haben», forderte Sonnleitner. «Wenn er
gentechnisch veränderte Pflanzen nicht will, werden wir uns
ohne Wenn und Aber daran halten.» Die Diskussion müsse
aber versachlicht werden.
Sonnleitner wies auf Vorteile
für Entwicklungsländer hin. So hätten zwei deutsche
Forscher einen mit Vitamin A angereicherten Reis gezüchtet,
der Kindern in ärmsten Ländern helfen könnte, Vitaminmangel
auszugleichen. Sonnleitner bedauerte, dass ein auf eine Kanzler-Initiative
zurückgehendes Forschungsprogramm zum versuchsweisen Anbau
von Gen-Mais immer noch auf Eis liegt.
Zu der Tagung waren Kritiker
und Befürworter der Grünen Gentechnik eingeladen. Die
Geschäftsführerin der Umweltschutzorganisation Greenpeace
Deutschland, Brigitte Behrens, sagte, die Sicherheit genmanipulierter
Nahrungsmittel lasse sich nicht garantieren und die Ausbreitung
von Gen-Saaten nicht kontrollieren. Nach jüngsten Forschungserkenntnissen
sei auch die Wirkung einzelner Gene kaum vorherzusagen.
Die FDP begrüßte den
Vorstoß des Bauernverbandes. Nicht nur die Risiken, sondern
auch der Nutzen der Grünen Gentechnik müsse in der Öffentlichkeit
bekannt gemacht werden, erklärte der agrarpolitische Sprecher
der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrich Heinrich.
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