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- 14.02.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

EU-Vorschläge zum Klimaschutz: Massive Kritik der Industrie

In der deutschen Industrie regt sich massiver Widerstand gegen die von der EU geplanten Vorgaben zur Umsetzung des Kyoto-Klimaschutzprotokolls.

Berlin (dpa) - Die Brüsseler Vorschläge zum Handel mit so genannten Emissions-Zertifikaten seien eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland, drohten 60.000 Arbeitsplätze zu vernichten und die Strompreise zu erhöhen, sagte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, am Donnerstag in Berlin.

Er bezog sich auf ein Gutachten im Auftrag seiner Organisation, der Energieunternehmen E.ON, RWE, HEW/LAUBAG/VEAG sowie der BASF und mehrerer Verbände.

Beim Handel mit Emissionsrechten kann ein Land von einem anderen Kohlendioxid-Gutscheine kaufen und so seine eigene Verpflichtung zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes mindern. Der Richtlinien-Vorschlag der EU-Kommission geht von einem Preis von 30 Euro (rund 58 Mark) pro Tonne CO2 aus. Der Handel soll ab 2005 auf Unternehmensebene eingeführt werden.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) widersprach den Argumenten der deutschen Kritiker. «Die deutschen Unternehmen werden zu den Gewinnern des Klimahandels gehören», erklärte er. Er bot den Kritikern eine gemeinsame Anstrengung von Wirtschaft und Regierung an, um die deutschen Anliegen in Brüssel vorzutragen.

Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern, die wirtschaftliche Chancen im Emissionshandel sähen, werde in Deutschland «wieder einmal eine Blockadehaltung» gegen eine wirtschaftsverträgliche Klimapolitik versucht, sagte Trittin. Großbritannien zum Beispiel habe schon mit 46 Unternehmen einen Versuch zum Handel mit Treibhausgasemissionen gestartet.

«Die Emissionszertifikate werden zur Wachstums- und Beschäftigungsbremse», sagte dagegen Schmoldt. Laut Gutachten hätte der Emissionshandel massive Strukturverwerfungen zur Folge. So drohe den Braunkohlekraftwerken in der Lausitz das Aus. Die Stromerzeugung aus Braunkohle oder Steinkohle würde unrentabel. Der Einsatz von Gas müsste gesteigert werden. Dies könne sich auf die Gaspreise auswirken. Sprecher der VEAG und LAUBAG erklärten, dass Braunkohle nicht nur in Ostdeutschland ein wichtiger Beschäftigungsfaktor sei.

Energieintensive Unternehmen der verarbeitenden Stahl-, Zement-, Chemie-, Glas- und Papierindustrie müssten der Gewerkschaftsdarstellung zufolge ins Ausland abwandern. Der Markteintritt für neue Unternehmen werde erschwert, da sie sich vor dem Start zunächst mit CO2-Zertifikaten eindecken müssten.

Die deutsche Industrie könnte laut Gutachten auch ihre Selbstverpflichtung zur CO2-Reduzierung kaum erfüllen. BASF- Vorstandsmitglied Eggert Voscherau sagte, der Emissionshandel nach EU-Vorgaben würde allein sein Unternehmen jährlich 50 Millionen Euro kosten.

Das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der wichtigsten Treibhausgase soll bis zum Weltumweltgipfel in Johannesburg im August/September in Kraft treten.

 Mehr Informationen:

Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Bundesumwelt-ministerium

Grünbuch zum Handel mit Treibhausgas- Emissionen in der Europäischen Union (PDF)

 

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