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Automobilbau: Die Zukunft zapft Wasserstoff
Das Erdöl wird knapp,
der Kohlendioxid-Ausstoß muss drastisch gesenkt werden -
seit Jahrzehnten erforschen die Autokonzerne alternative Antriebsformen.
Die Lösung haben sie bereits gefunden: Wasserstoff.
Von Axel Höpner und Ingo
Senft-Werner, dpa
Rüsselsheim/München
(dpa) - Wasserstoff ist umweltschonend und in ausreichender Menge
vorhanden. Und er kann einen Verbrennungsmotor antreiben - ein
Verfahren, das BMW in München verfolgt - oder in einer Brennstoffzelle
Strom für einen Elektromotor erzeugen. Diese Technik verfolgen
Opel in Rüsselsheim, DaimlerChrysler in Stuttgart und VW
in Wolfsburg.
«Der Weg in die Wasserstoffgesellschaft
ist unumkehrbar», zeigt sich BMW-Entwicklungsvorstand Burkhard
Göschel überzeugt. Dieses Ziel ist für ihn am schnellsten
erreichbar mit der Umrüstung des Verbrennungsmotors auf den
neuen Kraftstoff. Seit Ende der 70er Jahre experimentiert der
bayrische Autobauer mit dieser Technik.
Autokonzerne: Markteinführung
2010
Der Motor unterscheidet sich
vom Benziner nur durch den Ansaugtrakt mit zusätzlichen Einblasventilen
für den Wasserstoff. Die Prototypen können auch herkömmlichen
Kraftstoff verbren- nen. Im Jahr 2010 will das Unternehmen mehrere
Tausend mit Wasserstoff betriebene 7er-BMW verkaufen; zehn Jahre
später könnte jeder vierte Neuwagen mit der umweltschonenden
Technologie ausgestattet sein.
DaimlerChrysler und Opel haben
sich vor mehr als zehn Jahren von dieser Technologie verabschiedet
und sich voll auf die Brennstoffzelle konzentriert. Brennstoffzelle
und Elektromotor nutzen die Energie sehr viel effizienter als
der Verbrennungs- motor. Und in beiden Fällen müssen
die gleichen Probleme gelöst werden: Die Herstellung des
Wasserstoffs, seine Speicherung im Auto und die Infrastruktur
mit Tankstellen.

© dpa
Der "Necar5"
von DaimlerChrysler wird mit Brennstoffzellen angetrieben.
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Daimler und Opel sind ebenfalls
zuversichtlich, die ersten Brennstoffzellen-Modelle zu vernünftigen
Preisen 2010 auf den Markt zu bringen. Dafür haben sie Netzwerke
gebildet. Das Unternehmen General Motors, zu dem Opel gehört,
arbeitet mit Toyota zusammen, DaimlerChrysler mit Ford. «Denn
ein Konzern allein kann diese Technologie nicht auf den Weg bringen»,
sagt Edith Meißner von DaimlerChrysler. VW-Sprecher Harthmuth
Hoffmann teilt den Optimismus seiner Kollegen allerdings nicht.
Seiner Meinung nach ist frühestens in 15 bis 20 Jahren mit
einer Markteinführung zu rechnen.
Von der NASA wiederentdeckt
Das Prinzip der Brennstoffzelle
entdeckte Mitte des 19. Jahr- hunderts Sir William Robert Grove.
Er erzeugte in einer elektro- chemischen Zelle Strom aus Wasserstoff
und Sauerstoff. Neuen Auftrieb bekam dieses Verfahren erst 100
Jahre später, als es die amerikanische Weltraumbehörde
NASA für den Bordcomputer ihrer Gemini-Raumkapsel einsetzte.
Das «Abfallprodukt» der Brennstoffzelle - reines Wasser
- diente den Astronauten als Trinkreserve. Inzwischen soll die
Energiequelle in vielen Bereichen genutzt werden: von Akkus für
Mobiltelefone bis zu kleinen Kraftwerken für Einfamilienhäuser.
«Unsere ersten Versuchsfahrzeuge
waren kleine fahrende Chemiefabriken», erzählt Opel-Sprecher
Andreas Kroemer. Inzwischen sind die «Stacks» - mehrere
in Reihe geschaltete Brennstoffzellen - so komprimiert worden,
dass sie unter die Motorhaube passen. Sie ermöglichen Spitzengeschwindigkeiten
von 140 Kilometern pro Stunde und eine Reichweite von mehreren
100 Kilometern.
Problem Tank noch ungelöst
Probleme bereitet der Tank. In
flüssiger Form wäre Wasserstoff am kompaktesten, doch
dann müsste er auf über minus 200 Grad abgekühlt
werden. Als Gas neigt er dazu, sich innerhalb weniger Tage oder
Wochen aus den Druckbehältern zu verflüchtigen. Neue
Forschungen versuchen, Wasserstoff in Metall einzulagern. Außerdem
kann er auch im Fahrzeug selbst aus Methanol ge- wonnen werden.
Allerdings ist dieses Verfahren sehr aufwendig. Zurzeit werden
alle Möglichkeiten getestet. Welche gewinnt, lässt sich
nicht absehen.
Bei der Infrastruktur sieht Kroemer
keine Probleme. Bislang gibt es zwar nur zwei öffentlich
zugängliche Wasserstoff-Tankstellen in München und Hamburg.
«Aber wenn der Bedarf wächst, werden die Anbieter schnell
reagieren.»
Vision: Solarkraftwerke in
der Sahara
Bleibt noch die Frage, wo der
Wasserstoff für all die vielen Zukunfts-Autos herkommen soll.
Antwort: Aus Wasser. Mit Hilfe der Elektrolyse kann es in Wasserstoff
und Sauerstoff zerlegt werden. Allerdings hat diese Methode einen
Haken: Um Wasserstoff mit dem Energiegehalt eines Liters Benzin
zu erzeugen, müsse die Energie von etwa drei Litern Benzin
eingesetzt werden, rechnet Greenpeace vor.
Ökologisch sinnvoll ist
das nur, wenn erneuerbare Energien benutzt werden. Auch dafür
gibt es bereits Visionen: Große Solarkraftwerke in der Sahara
und anderen Orten im Sonnengürtel der Erde sollen den Stoff
für das automobile Wasserstoff-Zeitalter produzieren. Wenn
Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen, sind die Autokonzerne
überzeugt, können diese Visionen Realität werden.
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