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- 06.02.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Automobilbau: Die Zukunft zapft Wasserstoff

Das Erdöl wird knapp, der Kohlendioxid-Ausstoß muss drastisch gesenkt werden - seit Jahrzehnten erforschen die Autokonzerne alternative Antriebsformen. Die Lösung haben sie bereits gefunden: Wasserstoff.

Von Axel Höpner und Ingo Senft-Werner, dpa

Rüsselsheim/München (dpa) - Wasserstoff ist umweltschonend und in ausreichender Menge vorhanden. Und er kann einen Verbrennungsmotor antreiben - ein Verfahren, das BMW in München verfolgt - oder in einer Brennstoffzelle Strom für einen Elektromotor erzeugen. Diese Technik verfolgen Opel in Rüsselsheim, DaimlerChrysler in Stuttgart und VW in Wolfsburg.

«Der Weg in die Wasserstoffgesellschaft ist unumkehrbar», zeigt sich BMW-Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel überzeugt. Dieses Ziel ist für ihn am schnellsten erreichbar mit der Umrüstung des Verbrennungsmotors auf den neuen Kraftstoff. Seit Ende der 70er Jahre experimentiert der bayrische Autobauer mit dieser Technik.

Autokonzerne: Markteinführung 2010

Der Motor unterscheidet sich vom Benziner nur durch den Ansaugtrakt mit zusätzlichen Einblasventilen für den Wasserstoff. Die Prototypen können auch herkömmlichen Kraftstoff verbren- nen. Im Jahr 2010 will das Unternehmen mehrere Tausend mit Wasserstoff betriebene 7er-BMW verkaufen; zehn Jahre später könnte jeder vierte Neuwagen mit der umweltschonenden Technologie ausgestattet sein.

DaimlerChrysler und Opel haben sich vor mehr als zehn Jahren von dieser Technologie verabschiedet und sich voll auf die Brennstoffzelle konzentriert. Brennstoffzelle und Elektromotor nutzen die Energie sehr viel effizienter als der Verbrennungs- motor. Und in beiden Fällen müssen die gleichen Probleme gelöst werden: Die Herstellung des Wasserstoffs, seine Speicherung im Auto und die Infrastruktur mit Tankstellen.


© dpa

Der "Necar5" von DaimlerChrysler wird mit Brennstoffzellen angetrieben.

Daimler und Opel sind ebenfalls zuversichtlich, die ersten Brennstoffzellen-Modelle zu vernünftigen Preisen 2010 auf den Markt zu bringen. Dafür haben sie Netzwerke gebildet. Das Unternehmen General Motors, zu dem Opel gehört, arbeitet mit Toyota zusammen, DaimlerChrysler mit Ford. «Denn ein Konzern allein kann diese Technologie nicht auf den Weg bringen», sagt Edith Meißner von DaimlerChrysler. VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann teilt den Optimismus seiner Kollegen allerdings nicht. Seiner Meinung nach ist frühestens in 15 bis 20 Jahren mit einer Markteinführung zu rechnen.

Von der NASA wiederentdeckt

Das Prinzip der Brennstoffzelle entdeckte Mitte des 19. Jahr- hunderts Sir William Robert Grove. Er erzeugte in einer elektro- chemischen Zelle Strom aus Wasserstoff und Sauerstoff. Neuen Auftrieb bekam dieses Verfahren erst 100 Jahre später, als es die amerikanische Weltraumbehörde NASA für den Bordcomputer ihrer Gemini-Raumkapsel einsetzte. Das «Abfallprodukt» der Brennstoffzelle - reines Wasser - diente den Astronauten als Trinkreserve. Inzwischen soll die Energiequelle in vielen Bereichen genutzt werden: von Akkus für Mobiltelefone bis zu kleinen Kraftwerken für Einfamilienhäuser.

«Unsere ersten Versuchsfahrzeuge waren kleine fahrende Chemiefabriken», erzählt Opel-Sprecher Andreas Kroemer. Inzwischen sind die «Stacks» - mehrere in Reihe geschaltete Brennstoffzellen - so komprimiert worden, dass sie unter die Motorhaube passen. Sie ermöglichen Spitzengeschwindigkeiten von 140 Kilometern pro Stunde und eine Reichweite von mehreren 100 Kilometern.

Problem Tank noch ungelöst

Probleme bereitet der Tank. In flüssiger Form wäre Wasserstoff am kompaktesten, doch dann müsste er auf über minus 200 Grad abgekühlt werden. Als Gas neigt er dazu, sich innerhalb weniger Tage oder Wochen aus den Druckbehältern zu verflüchtigen. Neue Forschungen versuchen, Wasserstoff in Metall einzulagern. Außerdem kann er auch im Fahrzeug selbst aus Methanol ge- wonnen werden. Allerdings ist dieses Verfahren sehr aufwendig. Zurzeit werden alle Möglichkeiten getestet. Welche gewinnt, lässt sich nicht absehen.

Bei der Infrastruktur sieht Kroemer keine Probleme. Bislang gibt es zwar nur zwei öffentlich zugängliche Wasserstoff-Tankstellen in München und Hamburg. «Aber wenn der Bedarf wächst, werden die Anbieter schnell reagieren.»

Vision: Solarkraftwerke in der Sahara

Bleibt noch die Frage, wo der Wasserstoff für all die vielen Zukunfts-Autos herkommen soll. Antwort: Aus Wasser. Mit Hilfe der Elektrolyse kann es in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt werden. Allerdings hat diese Methode einen Haken: Um Wasserstoff mit dem Energiegehalt eines Liters Benzin zu erzeugen, müsse die Energie von etwa drei Litern Benzin eingesetzt werden, rechnet Greenpeace vor.

Ökologisch sinnvoll ist das nur, wenn erneuerbare Energien benutzt werden. Auch dafür gibt es bereits Visionen: Große Solarkraftwerke in der Sahara und anderen Orten im Sonnengürtel der Erde sollen den Stoff für das automobile Wasserstoff-Zeitalter produzieren. Wenn Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen, sind die Autokonzerne überzeugt, können diese Visionen Realität werden.

 Mehr Informationen:

BMW

DaimlerChrysler

vista verde: Brennstoffzelle

 

 

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