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- 31.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Reaktorbau: Die russische Atomindustrie macht wieder Dampf

Das große militärische Atomarsenal Russlands aus Zeiten des Kalten Krieges schrumpft immer weiter. Doch die zivile Nuklearindustrie arbeitet mit aller Kraft daran, Kernkraft- werke im In- und Ausland fertig zu stellen. Viele dieser Projekte wurden noch zu sowjetischen Zeiten gestartet, lagen aber lange Zeit brach.

Von Nick Allen, dpa

Moskau (dpa) - In den kommenden zehn Jahren will Moskau nach Angaben von Vizeatomminister Lew Rjabew sechs Reaktoren in Indien, China und Iran fertig stellen. Weitere Aufträge aus diesen Ländern seien zu erwarten.

Zudem wird die Regierung vermutlich noch in diesem Frühjahr dem Bauprojekt für einen 15-Megawatt-Reaktor in Birma zustimmen, mit dem Isotope für die Landwirtschaft und für medizinische Zwecke hergestellt werden sollen.

Für den Eigenbedarf sollten ebenfalls zehn neue Reaktoren gebaut werden, in Ergänzung zu den bestehenden zehn russischen Kernkraftwerken, die 15 Prozent des Stroms liefern.

Auftrieb erhielt die russische Nuklearindustrie im November des Vorjahres, als nach 13 Jahren wechselvoller Verhandlungen ein Vertrag in Höhe von etwa zwei Milliarden US-Dollar (2,26 Mrd. Euro) über den Bau von zwei Reaktoren im indischen Kraftwerk Koodankulam unterzeichnet wurde. Damit würden alle vor langer Zeit angebahnten Auslandsprojekte verwirklicht, erklärten die Planer - mit Ausnahme eines Kernkraftwerkbaus auf Kuba, der aufgegeben wurde.

Auf dem Höhepunkt ihrer Leistungskraft baute die Sowjetunion 26 Reaktoren für die sozialistischen «Bruderländer». Nach dem Zusammenbruch der UdSSR Ende 1991 musste das russische Atomministerium auf dem Auslandsmarkt von vorn anfangen. Kapazitätsprobleme stehen weiteren Aufträgen im Weg, so dass die Branche fürchtet, Marktanteile zu verlieren. «Wir laufen Gefahr, dass wir bei der Suche nach neuen Kunden zu lange Pause machen müssen und der Konkurrenz damit Vorteile eröffnen», sagte ein Beamter des Atomministeriums.

Zur Zeit verfolgt Russland drei Auslandsprojekte, die nach Moskauer Angaben von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) genau überwacht werden.

China

Russland und China verhandelten von 1992 bis 1994 über den Bau eines Kernkraftwerks bei Tiawan. Das Projekt mit einem Umfang von etwa 2,4 Milliarden Dollar wird bislang ohne Schwierigkeiten verwirklicht.

Der erste Reaktor soll 2004 ans Netz gehen, der zweite 2005. Außerdem baut Russland zur Zeit in China eine Anlage zur An- reicherung von Uran und einen Schnellen Brüter zu Testzwecken.

Iran

Russland schloss 1995 einen Vertrag über die Fertigstellung des ersten Reaktors im Kernkraftwerk Buschir, dessen Bau die deutsche Firma Siemens in den 1970er Jahren begonnen hatte. Mit der Arbeit von 1000 russischen Ingenieuren steht das Projekt kurz vor dem Abschluss. Der Vertrag hat einen Umfang von etwa 780 Millionen Dollar.

Russland hofft in Iran auf Folgeaufträge von bis zu sechs weiteren Reaktoren. Deshalb weist Moskau immer wieder Vorwürfe aus den USA zurück, es leiste Beihilfe, Teheran die Atombombe zu verschaffen.

Indien

Das 1988 vereinbarte Projekt, in Koodankulam im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu zwei Reaktoren mit je 1000 Megawatt Leistung zu bauen, hat sich am längsten hingezogen. Erst fehlte es in Neu Delhi an Geld, dann machte der Zusammenbruch der Sowjetunion neue Verhandlungen notwendig.

Ein neuer Vertrag wurde 1998 unterzeichnet, aber erst nach drei weiteren Jahren konnten beim Besuch des indischen Minister- präsidenten Atal Behari Vajpayee in Moskau im November die letzten Details geklärt werden. Die Reaktoren sollen 2005 und 2006 in Betrieb gehen. Dazu erwägt Indien, vier weitere Blöcke zu bestellen.

Kuba

Die Kontakte der russischen Kraftwerksbauer mit Kuba reichen mehr als 20 Jahre zurück. Die Sowjetunion begann den Bau eines Werks bei Huragua, aber nach 1991 hatten weder Russland noch Kuba Geld, es fertig zu stellen. Weiterer Grund für den Baustopp war, dass die USA kein russisches Kernkraftwerk vor ihrer Haustür akzeptieren wollten.

 Mehr Informationen:

vista verde: Atomenergie

 

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