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- 22.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Rot-Grün: Konflikt um Schienen-Nahverkehr

Um die Förderung des Nahverkehrs bahnt sich ein rot- grüner Konflikt an. Die Grünen fordern eine Steigerung der Mittel, die der Bund den Ländern etwa für Regionalzüge und S-Bahnen zur Verfügung stellt.

Berlin (dpa) - Einen Regierungsplan, wonach die Mittel bis 2007 auf der jetzigen Höhe bleiben sollen, lehnen die Grünen strikt ab. Der Grünen- Verkehrspolitiker Albert Schmidt sprach am Dienstag in Berlin von einem «Putsch» gegen den Nahverkehr, den seine Fraktion keinesfalls mitmachen werde. Im Wahljahr 2002 wäre das eine politische Dummheit, sagte er.

Dagegen verteidigte sagte die SPD-Verkehrspolitikerin Karin Rehbock-Zureich den Entwurf von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) zur Neufassung des so genannten Regionali- sierungsgesetzes. Damit sollen die Bundesmittel für den Nahver- kehr auf der Schiene in Höhe des Jahres 2001 festgeschrieben werden. Bisher waren sie an die Umsatzsteuer gekoppelt und seit 1998 jedes Jahr gestiegen.

Im vergangenen Jahr waren 13,2 Milliarden Mark (6,75 Milliarden Euro) auf Grund der Steuerschätzung vom Mai ausgezahlt wor- den. Der Betrag war nach der Herbststeuerschätzung auf 6,55 Milliarden Euro korrigiert worden. Endgültig wird er Mitte Februar feststehen und soll dann in dieser Höhe bleiben. Das Kabinett will den Entwurf am 6. Februar beschließen. Ob er noch Gesetz werden kann, ist aber unsicher. Denn auch viele Länder sind dagegen.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Eduard Oswald (CSU),kritisierte, wenn die Regierung ihre Absichten durchsetzen könne, drohten empfindliche Einschränkungen im Schienennahverkehr. Nicht nur in Ballungsgebieten, sondern gerade auch im ländlichen Raum sei ein leistungsfähiger Eisenbahn-Nahverkehr aber unentbehrlich.

Rehbock-Zureich sagte dagegen, die Regierung wolle die Mittel auf hohem Niveau sichern, indem sie von der Entwicklung der Umsatzsteuer unabhängig würden. Hinzu komme, dass die Verkehrsleistungen nicht im gleichen Maße gestiegen seien wie die Mittel.

Die Grünen verweisen darauf, dass die Länder künftig zusätz- lichen Schienenverkehr einkaufen müssten, wenn die Deutsche Bahn AG beim nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2002 wie angekündigt zahlreiche Interregio-Verbindungen streichen werde. «Man kann nicht gleichzeitig die Aufgabe vergrößern und das Budget verkleinern. Das ist nicht fair», sagte Schmidt.

In einem Brief an Bodewig erinnerte er zugleich an den Koalitionsvertrag, in dem eine «Qualitätsoffensive» für den öffentlichen Personennahverkehr vereinbart worden war. «Es wäre sowohl verkehrs- wie auch wirtschaftspolitisch fatal, wenn es im Wahljahr 2002 und im Zeichen einer konjunkturellen Schwächeperiode zu einer de facto Reduzierung der Mittel gegenüber der ausgezahlten Summe des Jahres 2001 kommen würde», schrieb Schmidt.

Die Grünen schlagen einen Betrag von 6,75 Milliarden Euro vor, der jährlich um zwei Prozent Inflationsausgleich steigen soll. Für Interregio-Linien sollen die Länder pro Jahr 100 Millionen Euro erhalten.

Ein gemeinsamer Vorschlags von Bayern und Niedersachsen sieht ebenfalls eine Höhe von 6,75 Milliarden Euro vor, eine jährliche Anhebung um 200 Millionen Euro und zusätzlich 100 Millionen Euro für Interregio-Verkehr. Der Vorschlag soll an diesem Freitag unter den Ländern besprochen werden. Der Bundesrat muss der Gesetzesnovelle zustimmen.

 Mehr Informationen:

Die Grünen

Verkehrsausschuss des Bundestages

Bundesverkehrs- ministerium

vista verde: Verkehr

 

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