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- 21.01.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Verpestete Luft: Italien entdeckt den Umwelt- schutz

Nach dem wochenlangen Smogalarm greifen die Behörden in Italien zu drastischen Maßnahmen: In Mailand und vielen anderen Städten der norditalienischen Region Lombardei wird der private Autoverkehr von Dienstag an stark eingeschränkt.

Von Giovanni Facchini, dpa

Rom (dpa) - Bis auf weiteres dürfen täglich abwechselnd nur Autos mit geraden und ungeraden Kennzeichenziffern fahren. Dieser Beschluss werde solange in Kraft bleiben, bis Kohlen- monoxid- und Staubwerte wieder unter die vorgesehenen Grenzwerte fallen, erklärte der Präsident der Region, Roberto Formigoni. Experten rieten davon ab, mit Kleinkindern spazieren zu gehen.

Der Smog hat den Italienern auf schmerzliche Weise die Bedeu- tung des Umweltschutzes klar gemacht. «Mailand Gifthaupt- stadt», titelte am Montag die Turiner Tageszeitung «La Stam- pa». Eine derartig drastische Massnahme gegen die Luftver- schmutzung war bisher noch nie getroffen worden. «Diese Luft ist nicht nicht zum Atmen», lautet schon seit Tagen die immer wiederkehrende Klage von Millionen Menschen in der Poebene.

Auf das eigene Auto wollte jedoch niemand freiwillig verzichten. Die herrschende Wetterlage - Nebel, Windstille, keine Nieder- schläge - war zunächst als Ursache für die Umweltmisere ausgemacht worden. Letztlich setzte sich aber die Erkenntnis durch, dass die Autoabgase die wahre Ursache der Luftverpes- tung sind. Sie haben in den letzten Wochen zur Bildung einer wahren Giftglocke geführt, die sich über weite Teile der Poebene gelegt hat.

Die «Emergenza Smog», die TV-Nachrichten und Titelseiten der Zeitungen dominiert, hat erstmals den Status des Autos als heilige Kuh der Italiener ins Wanken gebracht. «Es muss zu denken geben, dass in Italien auf eine Geburt vier neu zuge- lassene Autos kommen», kritisierte der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RAI.

An den beiden vergangenen Wochenenden hatte in Mailand, Turin und vielen anderen Städten schon totales Autoverbot geherrscht. Prompt hatte sich die Luftqualität wieder etwas verbessert, doch die Grenzwerte für Kohlenmonoxid und die besonders gefährlichen, mikroskopisch kleinen Staubpartikeln wurden nach wie vor überschritten.

Viele Menschen haben Angst um ihre Gesundheit. «Wir fühlen uns hier wie in einer Falle», zitierte der Mailänder «Corriere della Sera» einen Mann in Busto Arstizio bei Mailand, wo die Alarm- werte um ein vielfaches überschritten worden sind. In einigen Kirchen wurde am Sonntag für baldigen Regen gebetet, der die Luft reinigen möge.

Die Medien des Landes widmen den Warnungen von Gesund- heitsexperten vor den Folgen der extremen Luftverschmutzung breiten Raum. Zunächst würden die Lungen angegriffen, und vor allem Kinder könnten an Asthma und anderen chronischen Atem- wegentzündungen erkranken - in weiterer Folge könne das täg- lich eingeatmete Gift Krebs auslösen, lautet ihre Hiobsbotschaft.

Kinder sollten nicht im Kinderwagen spazieren gefahren werden, da in Bodennähe die Giftkonzentration besonders hoch sei, wird den Eltern nahe gelegt. Gesundheitsminister Girolamo Sirchia empfahl seiner Tochter, mit ihrem neugeborenen Kind aus Mailand zu flüchten und an die Küste nach Ligurien zu fahren, wo die Luft rein ist.

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